, nicht der Neugierde und dem Tadel fremder Augen bloßzustellen , entfernte die Frauen des Klosters . Unter ihnen , oder vielmehr nach ihnen entfernte sich auch Judith , die sich erinnerte , daß sie über dem gräulichen Mordschauspiele vergessen hatte , der armen Frau , die im Kloster eingesperrt war und gehalten wurde , wie eine Wahnsinnige , ihre Kost zu bringen . Das Versäumte eilte die Mitleidige nachzuholen , ließ sich von der Küchenmeisterin Speisen und Schlüssel geben , und trat zu der abgehärmten Frau in die dürftige , enge und wohlverwahrte Clause . - » Seyd nicht böse , « redete sie so sanft als möglich , und versuchte ihre unschönen Züge durch Freundlichkeit gefälliger zu machen : » seyd nicht böse , liebe Frau Katharine . Ich bin ein unwürdig , vergeßlich Ding , das allenthalben seine Hände bieten möchte , und dabei immer Einem oder dem Andern ein Leid thut . Mir thut es herzlich weh , daß Ihr gehungert habt um meinetwillen . Vergebt mir . « - » Ach , was bist Du eine gute treue Magd ; « erwiederte Katharina wehmüthig freundlich , richtete sich aber nicht empor , aus der nachdenkenden Stellung , in welcher sie von Judith gefunden worden : » Habe Dank ! beruhige Dich jedoch . Mich hungert nicht , ... denn wie sollte ich in meinem Elend mich erinnern , daß ich ein Weib bin , daß noch fürder zu leben gedenkt ? Sage mir , liebe , gute Judith , ob noch keine Frau nach mir gefragt hat , ... ob noch kein Kind gebracht worden ist , das ich umarmen soll ? « - Judith verneinte , bekümmert lächelnd , denn sie meinte , die Frau spräche wieder im Wahnsinn . - » Das ist doch recht traurig , « sprach Katharine weiter , und das Haupt ließ sie in ihre Hand sinken , wie die hellen Thränen aus den Augen : » Sieh , Judith , sieh , das wird mich wahnsinnig machen , wenn ich ' s nicht schon bin . - Und sie hatte mir ' s so heilig versprochen und gelobt ! « setzte sie , vor sich hinredend hinzu : » und sie bleibt aus , mit meinem Kinde . « - » Esset doch , gute Frau ! « ermahnte Judith : » Es segne der Herr Eures Körpers Gedeihen , und zugleich das Licht Eures Haupts . « - » Laß mich doch ; « versetzte Katharine schwermüthig : » Glaubst denn Du auch , daß ich thöricht im Gehirn bin ? O laß doch die Leute reden . Leider habe ich meinen Verstand , und wenn ich ihnen nur sagen dürfte , wer ich bin , und wie ich mich nenne , und wenn meine Freundin käme und sähe , wie man hier mit mir verfährt , grausam , wie mit einem wilden Thiere ... dann sollte Alles anders werden . Aber wo wird sie seyn , die Zeit ? wo sind sie , meine Lieben ? « - » Wehrt doch Euern Thränen , Frau , « ermahnte Judith dringender : » Das Wasser des Auges hilft nie von dem , was das Auge gesehen , noch zu dem , was es verloren hat . « » Verloren ? « fragte Katharina schnell : » Verloren ? Wahrlich , wahrlich , Du hast Recht . Hin ist hin , verloren ist verloren , und nimmer , - ach nimmer kehrt das Verlorne wieder . Glaube mir doch ja , « setzte sie langsamer und schwermüthig hinzu : » Glaube doch ja , daß ich nicht wahnsinnig bin , und sage es der hochwürdigen Frau Walburg ; ich könnte aber verwirrt im Haupte werden , wenn man mich fürder zwingen möchte , mit meinem Schmerz und meiner ungewissen Angst allein zu seyn . Erzählt mir aber jetzt , meine gute Magd , wie es kam , daß Du heute so lange weggeblieben ? « - Judith erzählte , was vorgefallen war , aber mit vieler Vorsicht , um das Gemüth der Seelenkranken nicht allzuheftig zu erschüttern . Gleichgültig fast fragte endlich Katharina nach dem Namen der zum Tode Verwundeten , und Judith glaubte ihr nicht verheelen zu müssen . Nun war es aber gerade , als ob alle Flammen der Leidenschaft aus der schwermütigen Frau von der Rhön schlügen , denn sie fuhr auf , daß selbst die herzhafte Judith erschrecken mußte . » Wallrade ! « rief sie : » Wallrade ? o bittre , allzubittre Täuschung ! Sie hat in diesen Mauern gelebt , und ließ mich im Kerker ? .... Auf ihren Befehl liege ich also hier im Ketten ? O , der Gräuelstunden meines Lebens schrecklichste komme über ihr Haupt ! Doch nein , nein .... « eitzte sie gemäßigter hinzu : » hat sie denn Gottes Gericht nicht schon getroffen ? Liegt sie nicht darnieder , wie ein abgerissener Zweig ! Fluche ihr nicht Katharine , aber fluche auch deinem Gatten nicht , dessen Leummuth die Schlange gewiß nur vergiftet hat , um meine Ruhe zu morden ! « - » Ach , welche Erinnerung thut sich mir auf beim Angedenken meines Gatten ! Judith ! Judith ! denke Dir den Jammer einer Mutter ! Hat gleich das schwere Schicksal und Dein eigner starrer Wille Dich bestimmt , nie die Mutterfreuden zu genießen , so bist Du doch ein Weib ; Du ahnest doch Leiden und Wonne des Weibes ; hilf mir darum heraus , heraus aus diesem Kerker , - hinaus zu der Sterbenden , .... denn ich muß mit ihr reden , .... ich muß sie sehen .... « - » Gute Frau , « - entgegnete Judith , welche noch immer auf dem Glauben an Katharinens Wahnsinn beharrte , und in ihrem Schmerz nur einen heftigen Anfall der Krankheit sah : » Faßt und mäßigt Euch , .... ich vermag nicht , was Ihr begehrt , und zudem ist