- Mein armer Bruder ! « sagte Lilia leise . - » Nenn ihn nicht , « ( sagte sie stolz ) » er kann für mich sterben , aber ich kann nicht für ihn leben . « - Hier fliegt Carlos herein zu seiner Lilia - erstarrt im Fluge - fasset sich und nähert sich Lilia . Diese sagt : » Graf Salera - Athenais « - er wurde blaß , diese rot . Eine peinliche enge Verwirrung verstrickte sie drei ; je der Honigtropfen wurde aus einer Dornhecke geholt . Lilia wird schaudernd immer stärker Athenais ' plötzlichen Sieg über ihr Glück und Lieben gewahr . Athenais ging ab . Beide Liebenden sehen sich lange zitternd an : » Hab ' ich recht ? « fragt Lilia . » Hab ' ich schuld ? « sagt Carlos . » Nein , « ( sagt sie ) » denn du bist ein Mensch und , was noch schlimmer , ein Mann . « - » Was soll ich denn tun ? « versetzt Carlos . » Du sollst « ( sagte sie feierlich ) » nach einem Jahr in einen Garten auf einer Höhe gehen und dich um sehen und mich suchen im Garten - im Garten - unter den Beeten - tief unter einem - ich weiß nicht wie tief « - Sie eilte wie wahnsinnig davon und sang : » Vorüber , vorüber , das Lieben und Leben ! « Carlos stand einige Minuten mit dem wilden Blick am Boden und sagte dumpf : » Du tusts , Gott ! « und ging ab - begegnete seinem Freund , der ungestüm und froh ausrief : » Sie ist da ! « - eilte aber stolz weiter und rief nur zurück : » Jetzt nicht , Hiort ! « Zu diesem kam weinend Lilia und führte ihn fort : » Komm , « ( sagte sie ) » sieh das Grabmal nicht an , wir sind beide zu unglücklich . « Da trat der alte Salera auf mit Athenais - vergriff-sich zwischen Eis und Brand und nahm seine kalte Münze für warme lobte männlich sie , und väterlich den Sohn - und sagte wie in einem Schauspiel : da kommt er selber . » Hier stell ' ich dir , Sohn , « ( sagt ' er ) » dein Glück vor , wenn du es verdienen kannst . « Carlos hatte Lilias Herz verloren - der Wunsch des Vaters , die Macht der Schönheit , die Allmacht der liebenden Schönheit standen vor ihm , seine Sehnsucht und der Gedanke der Grausamkeit gegen diese Göttin und endlich eine Welt in ihm , die so nahe an ihrer Sonne stand , siegten über eine doppelte Treue - er sank aufs Knie vor ihr und sagte : » Ich bin schuldlos , wenn ich glücklich bin . « - Das Paar geht auf der einen Seite ab ; Salera auf der andern und trifft auf Lilia , deren Hand er mit den Worten nimmt : » Sie als eine Freundin meines Hauses und Sohnes nehmen gewiß den innigsten Anteil an dem neuesten Glück desselben durch Athenais . « - So schloß sich der dritte Akt , der Albano durch ungerechte , alles verdrehende Anspielungen mit dem erbitterten Wunsche des Endes entflammte und füllte , bloß um Roquairol über dieses meuchelmörderische Zücken des tragischen Dolchs zur Rede zu stellen . » Der Patron « ( sagte lachend Gaspard ) » glaubt mich auch hereinzumalen ; ich wünsche aber , daß er derbere Farben nehme . « Ehe der vierte Akt sich anfing , hob der Spanier die Linke empor , und die schwarze Dohle sprach sogleich : » Die Sünde straft die Sünde und den Feind der Feind ; zaumlos ist die Liebe , zaumlos auch die Rache - Seht , nun kommt der Mensch , den sie nicht mehr lieben , und bringt seine Wunden mit und seinen Zorn . « Hiort stand da , wie vor seinem Grab , das seinen Kopf niederzog - unendlich weinend und trinkend - sanfte Abend-Töne der Musik verschmolzen mit dem aufgelösten Leben ; - » Ach so ists ! « ( rief er aus tiefer , schmerzender Brust ) » Wirf sie nur endlich weg , die zwei letzten Rosen des Lebens206 - zu viele Bienen und Stacheln stecken in ihnen - sie ziehen dein Blut und geben dir Gift - O wie ich liebte ! Allmächtiger droben , wie ich liebte ! Ach nicht dich ! - Und nun so steh ' ich leer und arm und kalt , nichts , nichts ist mir geblieben , kein einziges Herz , nicht mein eignes - das ist schon hinunter ins Grab - Der Docht ist aus meinem Leben gezogen , und es rinnt dunkel hin - O ihr Menschen , ihr dummen Menschen , warum glaubt ihr denn , daß es noch Liebe gebe hienieden ? Schauet mich an , ich habe keine - Wohl ein luftiges Farbenband der Liebe , ein Regenbogen zieht sich hin und stellt sich fest herüber unter uns wankende Wolken , als binde und trag ' er sie - Spaßhaft ! er ist auch Wolke und lauter Fall - anfangs glänzen bunte Freudentropfen , dann schlagen schwarze ! « Er schwieg - ging langsam auf und ab - sah ernst einem Waffen- und Larventanz innerer Gespenster zu - stand still - die Schatten schwarzer Taten spielten durcheinander um ihn - plötzlich fuhr er auf , ein Wetterstrahl eines Gedankens hatte in sein Herz geschlagen - er lief auf und ab , schrie : » Töne her , gräßliche Töne her ! « - und die Hochzeitmusik aus Don Juan , die ihn bisher begleitet hatte , erhob das Zetergeschrei des Schreckens » Göttlich ! « sagte er , und nur einzelne Worte , nur Tigerflecken erschienen verschwindend am vorübergehenden Untier - » teuflisch ! - das Rosen-Sein , das Blüten-Sein - nun ja ! - - ich wickle