, brach nicht , wälzend die Welle der Thränen , aus seinem Herzen der Bach Erinnerung ? So weit sein Auge gen Himmel starrte , unendliche Wälder , felsenbeschattet . Erschauernd sank er ins Riedgras nieder , über ihn rollten die weichen Wogen . Rings abgeschlossen ! Kein Pfad der Hülfe ! Da - fern vom Gipfel winkte ein - Kreuz . Ein Kreuz - wiederum durchzuckte es den einsamen Mann . Memento mori ! Sollte er nicht Ernst machen mit der Entsagung des Lebens ? Wieder tönten Leonharts Worte in ihm wieder , daß nur im Kloster das Glück wohne . Aber für wen ? Doch für den Gläubigen ? War er denn gläubig ? O nein , wie lange entwich ihm der kindliche Glaube der Väter ! Nicht ihm blieb jene Erlösungssehnsucht , die aus den Wunden Christi mit mystischer Brunst die Gewißheit ewigen Lebens schlürft . Er erinnerte sich jenes Gespräches über Semiten-und Christenthum , das sie einst geführt . Einen semitischen Cultus hatte Leonhart den Katholicismus genannt , ohne aber eine Begründung zu geben , indem er zu der These absprang , daß in seiner ersten Gestalt das Christenthum rein arisch gewesen sei . Jetzt glaubte Krastinik jene Andeutung zu verstehn . Die indisch-baktrischen und griechischen Elemente der christlichen Kirche hatten sich im Orient erhalten , als byzantinische Kirche ausartend , als Arianismus sich reiner ausbildend , indem die Menschlichkeit Christi festgehalten wurde . Gerade auf den römischen Bischof aber hatten sich die jüdischen Zusatzmischungen übertragen und fortgemodelt : Ein selbstsüchtig ausschließender Jehova-Cultus , eine Intoleranz pharisäischer Selbstgerechtigkeit . So entfernte sich die christliche Kirche unter der Hohepriester-Hierarchie Roms immer weiter von ihrer demokratischen Form communistischer Gemeinden und bildete sich zu einer großartigen Staatskirche aus , welche alles geistige Leben mit unentrinnbarem Netz umstrickte und in ihren Dienst zwang . So mußte roher Gesetzesglaube und selbstgerechte Werkheiligkeit das echt jüdische Wesen dieser neuen katholischen Religion bestimmen . Nur eins blieb demokratisch in diesem blinden Staatscultus starrer Autorität : Die Gegenüberstellung der Geisteskraft wider das rohe Ritterthum und die physische Allmacht des Feudalsystems , hier wo jeder Bauer es bis zum Papste , zum Oberhirten der Christenheit , bringen konnte , gleich dem Zertrümmerer der irdischen Staatsgewalt , dem großen Gregor . Aber diese Zeiten sind lange dahin . Dies unsterbliche historische Verdienst der römischen Kirche , neben welcher der Protestantismus als ein zwerghafter Parvenü erscheint , liegt seit Jahrhunderten in andern Händen - denen eines neuen Kirchenordens , dessen Werkzeug die Feder , dessen Wunderbeglaubigung das Wissen . Kirche , Religion ! Was für leere Worte heut , Gespenster längst entschwundener Wesenheiten ! Wir glauben all an einen Gott - an das Gold und das Ich . » Ich « heißt der Dämon , welcher heut die Welt zu einer großen Irrenanstalt verengt . Dieser Geist der All-Verneinung und Ich-Vergötzung ist der Geist des Widerspruchs und der Lästerung , dessen jammervollem Wahnsinn man schweigend wie dem Größenwahn eines Irren nachgeben muß . Und dieser Götzendienst empfängt seinen stärksten Giftstoff aus der Kirche , dieser Brutstätte der Selbstheiligkeit . Unfehlbarkeitsdogma ! Dies sündhafte Vermessen einer sclavischen Selbstanbetung , der Größenwahn eines Ich-Sclaven ( und welch ein sündiges Ich gerade dieses ! ) , um den Größenwahn der sclavischen Thorenmenge wider die » Ketzerei « höherer Gesittung noch mehr zu stacheln ! Ja , das Unfehlbarkeitsdogma fehlte gerade noch , um den unheilbaren Größenwahn dieser Fortschritt-Epoche zu brandmarken . - - Nein , das » Kreuz « konnte einen Mann wie diesen nicht mehr erretten , nicht das Kreuz der Kirche . Doch vielleicht ein anderes ? Das Kreuz , welches wir alle tragen ? - Er sann und sann - - - Ist der Tod nur ein Durchgang , ein Isthmus zweier Ewigkeiten , so wäre der Tod , vor dem wir schaudern , minder schreckhaft als dies Dasein , das wie ein Wolkenschatten dahingleitet im unermeßlichen Raum . Aefft uns der Tod wie das Leben , dies Marionettenspiel ? Und das All um uns her - ist das fest ? Schwanken nicht seine Grundpfeiler , verschwimmt nicht alles ineinander , ist es am Ende auch nur eine Vision der getäuschten Sinne , eine Wüstenmirage geblendeter Augen , eine Wahnvorstellung ? Wenn aber das Dasein und die Natur unwirklich , - was bin denn ich als Ich und was ist Gott ? In ihm leben , weben und sind wir . Auch nur eine Vorstellung ? Ist er doch überall . Mein Ich und Gott - verschwimmt das auch ineinander ? Oder sind Natur und Gott ein Gegensatz ? Entstand die Welt , indem Gott sich selbst verlor ? Und wenn so Göttliches von Gott abfiel , soll es zu ihm zurückkehren ? Oder stieg aus dunkeln Urtiefen der Gotteskeim selber empor , so daß Gott nichts ist , als die Spitze und Frucht der Natur ? Und wie stehen wir selbst zu diesen großen Gewalten ? Hängen wir mit Gott zusammen , so dienen wir nur als niederes Gefäß seiner Gnade . Das heißt dann Christenthum . Wie , ich Mensch , der ich nichts der göttlichen Gnade verdanke ? dessen Gedanke nichts ist , als der Sohn meiner eigenen Arbeit ? Und der Pantheismus löscht mich vollends aus . Da bin ich nur ein ärmlich Mittel des Naturzwecks . Wie , ich , in meiner stolzen Naturbeherrschung ? Wohl lehrt mich Darwin , daß ich nur ein Naturprodukt meiner Ahnen . Gleichviel . Ich bilde fremde Samenkeime mit meinem freien Willen zur neuen selbstständigen Pflanze aus . Und wäre selbst die Seelenwanderung des Welträthsels Lösung , so bliebe es doch nur immer dasselbe untheilbare Ingenium , das sich rastlos im Kreis der Dinge eine Heimstätte sucht . So sind wir denn selbst die Ewigkeit ? Selbst die göttliche Idee ? Der Gott der Welt ist der menschliche Wille . Und wenn es nun ein böser Wille ? Das Geheimniß der Prinzipien von Gut und Bös besteht in ihrer Zusammengehörigkeit . Alles ist Instinkt , Selbstaufopferung