zu der Machtsphäre der Fürsten von Prora-Wiek ? Schon als Knabe auf der Schulbank hatte ich , wie jeder andere Useliner , ja , ich glaube , jeder Bewohner unserer Provinz , gewußt , daß auf der Insel allein einhundertzwanzig Güter dem Fürsten gehörten ; dann das Städtchen Prora , die Residenz - in welcher jetzt die Aufregung über die Erkrankung des Herrn groß genug sein mochte - die von dem ersten bis zu dem letzten Hause auf fürstlichem Grund und Boden stand : dann das Jagdschloß Wiek mit seinen meilenweiten Forsten ; dann die Grafschaft Ralow auf dem Festlande in der Nähe von Uselin - die Useliner pflegten im Sommer Ausflüge nach dem Parke von Ralow zu machen - dann das prachtvolle Palais in der Residenz , an welchem ich oft genug mit sonderbaren Empfindungen vorüber gegangen war ; die Herrschaft in Schlesien mit den berühmten Eisenwerken , deren Werth auf ein paar Millionen veranschlagt wurde - was war der Krösus von Uselin im Vergleich mit diesem wirklichen Krösus , dessen Revenüen binnen zweier Jahre vielleicht so groß waren , als das ganze Vermögen des Commerzienrathes zusammengenommen . Freilich , freilich ; ich hatte mir meinen Lebensweg anders gedacht ! meine Leidenschaft für die mathematischen Wissenschaften , meine Fortschritte in der Maschinenbaukunst , meine Hoffnung , dereinst mächtig fördernd in die Entwickelung der Eisenbahn-Industrie eingreifen zu können , meine mit dem guten Snellius so oft überlegten Pläne für das Wohl der arbeitenden Klassen - es war kein erfreulicher Gedanke , das Alles aufgeben zu sollen . Aber mußte ich es denn aufgeben ? war es im Grunde nicht einerlei , ob ich hier oder dort , in dieser oder jener Weise wirkte , wenn ich nur wirkte , wenn ich nur schaffte in dem großen guten Sinne meines unvergeßlichen Lehrers , meines braven Freundes ! O gewiß , gewiß , ich durfte in seinem Sinne das Anerbieten des Fürsten acceptiren ; und Paula würde nicht mit mir unzufrieden sein , denn ihr Denken und Trachten war , wie das ihres herrlichen Vaters , nur auf das Gute und Schöne gerichtet ; ich fühlte , es würde mir nicht schwer werden , ihr zu zeigen , wie ich in dieser neuen Sphäre vollauf Gelegenheit habe , ihrer werth zu bleiben , ja , es immer mehr zu werden . Und dann ! - ich hatte es vor mir selbst verbergen wollen , weil es eine wunde Stelle in meinem Herzen allzu schmerzlich berührte , aber heute , in der schlaflosen Nacht , war es und manches Andere noch in scharfer unabweisbarer Wirklichkeit vor meine Seele getreten : sie hatte mich nicht nur ziehen lassen , weil sich ein größerer Wirkungskreis für mich aufthat ; sie hatte mich auch fortgeschickt , weil sie Mitleid mit mir empfand , weil sie wußte , daß in ihrem Herzen meine tiefe , innige , ehrfurchtsvolle Liebe keinen Wiederhall fand ; und wie der gütige Mensch nichts nimmt , was er zu nehmen gezwungen ist , ohne etwas zu bieten , wenn er es bieten kann , so hatte sie meinem liebevollen Herzen , das sich nach Gegenliebe sehnte , die Erfüllung meiner Wünsche in einer reizenden lockenden Gestalt gezeigt , in der Gestalt des schönen Mädchens , in der Gestalt der jungen , übermüthigen Bacchantin , die mit mir gespielt hatte , wie sie mit den Tigern , Leoparden und sonstigem Gethier , das sie vor ihren Wagen zu spannen gewöhnt war , schon ein oder das andere Jahr gespielt haben mochte . Ach , Paula ' s reines Herz , was wußte es von diesem gefährlichen Spiel ! was wußte es von den Künsten , wie man mit der einen Hand streichelt und mit der andern die Peitsche schwingt ; wie man sich jetzt an den freien Sprüngen des Lieblings ergötzt und wie man ihn im nächsten Augenblicke in den engsten Käfig sperrt ! Was wußte sie davon ? Und wenn sie es wüßte , würde sie nicht die Erste sein , die mich zurückriefe , die da sagte : » Du darfst Dich opfern , wenn es sein muß , aber wegwerfen sollst Du Dich nicht und darfst Du Dich nicht ; und was ich auch mit Dir gewollt habe und was Du selbst gewollt und erstrebt hast : es ist vorbei , vorbei ! « So hatte es in meinem dumpfen Gehirn gegährt und in meinem Herzen gewühlt , den ganzen Tag , während die Sonne ihre glanzvolle Bahn durch den hohen Himmel zog und hinter ihr her das graue , dunstige Gewölk , das schon bei ihrem Aufgang am Horizonte gelauert . Ich hatte instinctiv oft und oft zum Himmel geschaut , während ich rastlos , gefoltert von meinen peinlichen Gedanken und dem heraufdrohenden Gewitter , durch die Felder , durch die Haiden schweifte , so benommen von dem , was in mir brütete und was draußen braute , daß ich jedes Bewußtsein des Ortes und der Zeit verloren hatte , und mich jetzt in der Dämmerung des Abends auf dem Wege nach Trantowitz fand - demselben Wege , den ich gestern nach Rossow gefahren , und der auch der Weg war , auf welchem die Gesellschaft zurückkommen mußte - ohne wiederum zu wissen , wie ich dort hin gekommen und was ich dort wollte . Sicherlich nicht Hans besuchen , der ja auch von der Partie war . Dennoch schritt ich weiter , bis ich zu der schlecht gehaltenen , lückenhaften Hecke gelangte , welche Hans ' vielberühmten Garten , mit den verwilderten Obstbäumen auf den Gras-und Unkrautflächen und den wüsten Kartoffel- und Kohlfeldern von der Landstraße trennte . Ueber die Hecke schauend , glaubte ich in dem Grunde dieses melancholischen Terrains eine mächtige Gestalt zu bemerken , die wohl Niemand anders sein konnte als der gute Hans selbst . Ich durchbrach die Hecke - es war eben nicht schwer - und ging gerade auf die Gestalt zu . Es war wirklich Hans . » Ich denke , Sie