' s Myrte manch lieblichen Traum geträumt ; jetzt fiel ihm bei dem Anblicke das Non più andrai far fallone amoroso ! ein , das Herr von Castigni ihm vor wenig Stunden zugerufen hatte . Die Zeit der Liebeständelei , die Zeit der Jugend waren für ihn vorüber ! Oben angelangt , dünkte es ihn , als müsse er lange warten , bis das Mädchen ihn angemeldet hatte und ihm die Thüre zum Eintritte öffnete . Es war in den Zimmern Alles wie sonst . Die Gräfin saß ruhig wie immer auf ihrem gewohnten Platze , Cäcilie am unteren , Hildegard am oberen Ende des Tisches . Er hätte sich nicht gewundert , hätte er sich selber zwischen den beiden Schwestern an der freien Seite , der Gräfin gegenüber , sitzen sehen . Das sollte nun ein Ende haben . Das Herz wurde ihm schwer und fing ihm stark zu klopfen an , als er den Frauen den guten Abend bot , denn ihre Traurigkeit war unverkennbar . Er sagte sich , daß er Muth für sie alle werde haben müssen und daß es nöthig sei , sich nicht erweichen zu lassen . Mit festem Schritte und noch festeren Vorsätzen ging er zu der Gräfin , ihr , wie immer , die Hand zu küssen , dann reichte er Cäcilien die Hand und wollte sich eben der älteren Schwester in gleicher Absicht nähern , als diese sich schnell erhob , ihm beide Hände entgegenreichte und mit warmer Empfindung die Worte hervorstieß : Vergib mir - ach , vergib mir ! Daß Hildegard ihn in Gegenwart der Mutter , ohne all sein Zuthun , um Vergebung bitten könne , darauf allein hatte er nicht gerechnet . Es erschreckte ihn also , wie es ihn rührte , und weil es ihn unvorbereitet traf , wußte er nicht gleich das rechte , mit seinen Absichten vereinbare Wort zu finden . Liebe Hildegard , sagte er ; aber sein zögernder Ton bestärkte sie in dem Glauben , daß er ihr noch zürne , und ihres Schmerzes bei dem Gedanken an die bevorstehende Trennung nicht länger Meister , hingerissen von ihrer Liebe , warf sie sich mit erhobenen Armen um seinen Hals und klagte : Ich sterbe , Renatus , wenn Du im Zorne von mir gehst ! Ihr Kopf ruhte an seiner Schulter , er fühlte das Schlagen ihres Herzens an dem seinigen , er hielt sie umfangen , er erwiederte ihre Küsse , er knieete mit ihr zu den Füßen ihrer Mutter , die sie unter Thränen segnete . Er hatte das so oft geträumt , daß es ihm auch jetzt war , als träumte er es wieder ; nur daß er im Schlafe sehr natürlich gefunden hatte , was ihm jetzt fast unglaublich däuchte , und daß statt der unklaren Furcht vor dem Erwachen , die ihn sonst in seinem Glücke gestört hatte , jetzt wie ein kühler , unheimlicher Schatten das Bewußtsein über ihm lag , daß kein Erwachen das Geschehene ungeschehen machen werde . Seine Gefühle und Gedanken trieben in einem solchen Wirbel durcheinander , daß er keinen von ihnen festzuhalten wußte und allmählich von ihnen fortgerissen wurde . Hildegard ' s überwältigende , alle mädchenhafte Scheu besiegende Liebe schmeichelte seiner Eitelkeit , ihre Zärtlichkeit entflammte , aufgeregt , wie er es ohnehin war , seine Sinne . Er hielt sich berechtigt , seine Braut - denn das war Hildegard ihm jetzt - im Beisein ihrer Mutter fester und inniger zu umarmen , als je zuvor , und die Phantasie des Mädchens war der seinigen seit langer Zeit vorausgeeilt , denn Mädchen reifen immer schneller als der Jüngling . In dem Bestreben , ihrer Mutter zu erklären , daß sie nicht anders habe handeln können und daß sie ihrem Herzen habe folgen müssen , erzählte Hildegard mit frohem , liebevollem Rückerinnern , wie Alles sich in den letzten Monaten zwischen ihr und dem Geliebten begeben habe , und Renatus ' eigenes Herz wurde davon erweicht und entflammt . Er fragte sich , wie er das alles habe vergessen können , er sagte sich daneben , daß ein Edelmann , der mit einer Dame seines Standes so weit gegangen sei , sich auch ohne eine bestimmte Erklärung an sie gebunden habe , und es fiel ihm nicht ein , daß er mit diesem bloßen Gedanken seine Verlobung als eine nicht frei gewollte That anerkannte , daß er es stillschweigend beklagte , seine Freiheit verloren zu haben . Er hatte auch zu solchen Ueberlegungen die äußere Ruhe nicht . Die Gräfin sprach es ihm mit ihrer sanften Würde offen aus , daß seine Liebe für Hildegard ihr kein Geheimniß gewesen sei und ihr den liebsten Wunsch ihres Herzens erfülle , daß sie aber fürchte , der Freiherr werde anderer Ansicht sein und eine mittellose Schwiegertochter nicht willkommen heißen . Sie klagte sich an , in ihrer Rührung voreilig ein Bündniß gesegnet zu haben , für welches Renatus die Zustimmung seines Vaters noch fehle ; sie hielt ihm seine Jugend , die Gefahren des bevorstehenden Krieges vor , sie ersparte ihm keines der Bedenken , die er sich selbst entgegengehalten hatte - und ohne daß sie es wollte oder auch an eine solche Möglichkeit dachte , half sie ihm damit , sich in seiner neuen Lage festzusetzen . Die Nothwendigkeit , die Gräfin zu überreden , zwang ihn , nach Gründen zu suchen , welche sie widerlegen konnten und welche also auch seine früher gehegten Besorgnisse widerlegten . Der Hinweis auf seine Jugend , auf seine Abhängigkeit von seinem Vater regte sein männliches Selbstgefühl auf , und da er wenig gewohnt war , auf Widerstand zu stoßen , trieb ein solcher ihn nur an , es darzuthun , wie er ihn zu besiegen wisse . Die berechnetste Absichtlichkeit hätte für Hildegard ' s Wünsche und gegen die früher gefaßten Vorsätze des jungen Freiherrn nicht wirksamer eintreten können , als die edle Gewissenhaftigkeit der Gräfin . Kein Mann mag vor den Augen eines Weibes