seinen communistischen Thorheiten zu heilen . Die Begeisterung für all das Romantische , was ihn umgab , lieh mir die Kraft , ihn wieder zu uns zurückzuführen , denn weil ich seine Hingebung an die Sphäre des Volkes schön fand , weil ich ihm Beweise gab , daß ich ihn verstand , ihn begreifen konnte , widersprach er mir nicht , als ich ihn allmälig doch von seinen Kameraden , von armen Handwerkern und Grisetten trennte . Vortrefflich ! Vortrefflich ! Wie psychologisch ! Sie sind eine Weise geworden , unterbrach die Geheimräthin . Helene d ' Azimont fuhr fort : Egon wurde mein ! Ich durfte ihn mein nennen , denn ich hatte ihn mir erobert . Er kehrte zurück in die Welt , die für ihn bestimmt war und wie glänzte er in ihr ! Pauline , welch ein Triumph , den Mann zu lieben , der Alle blendete ! Wenn er in die Salons trat in seinem edlen Wuchs , mit dem fast lockigen Haar , dem sanften blauen Auge , dem lächelnden Mund , um den ein gewisser Schmerz die ganze Seele verkündete - o Pauline , ist es denn möglich , daß Das war ! Daß ich ihn zwei ganzer , voller , wie eine göttliche Minute dahingerauschter Jahre mein nennen konnte . Mein , mein - und dann - dann - ! Sie regen sich auf Helene ! Lassen Sie Das ! Erzählen Sie nicht ! Une rupture ! Das sagt ja Alles ! Ich kenn ' es ... O , in dieser Form nicht ! Pauline , in dieser Form nicht ! sagte Helene dumpf . Das war ja nichts , was Menschen ertragen können ! Das war ja nichts von dem Jammer aller Derer , die schon vor uns am gebrochenen Herzen starben - Pauline und wenn ein Messer vor meiner Brust zückte und Jemand sagte : Ich laß dich leben , aber du hast Das erlebt , so würde ich antworten : Laß mich sterben ; nur nicht das erlebt ! Da , da saß ich auf einem Sopha , es war dasselbe , auf dem einst jenes Mädchen sich erholt hatte ... sein Arm war um meinen Nacken geschlungen , ich sog die Küsse der Liebe von seinen Lippen ... da tritt ein Handwerker ein , den ich seit einiger Zeit angenommen hatte , um meine Villa schöner zu schmücken . Desiré war in Paris . Ich wohnte in Enghien ... Egon in der Nähe . Meine Phantasie hatte ein Spiegelzimmer erfunden , mit dem ich ihn überraschen wollte . Ach ! Egon bewunderte meine Phantasie im Erfinden ! O , sagte er oft , Helene , du bist die Göttin des Erfindens ! Du bist eine Schöpferin , eine Künstlerin des Lebens ! Deine Phantasie ist orientalisch ! Man sieht , daß du eine Nachbarin der Cirkassierinnen warst ... O Pauline ... der unglücklichste Zufall führte mich auf einen gewissen Louis Armand , den Bruder jenes Mädchens , in deren intriguantem Netze der arme Egon Jahre lang geschmachtet hatte . Louison hieß dies Mädchen . Schon von Lyon aus hatte sie den aus der Pension in Genf entflohenen halb unreifen Knaben zu all ' den Thorheiten verleitet , die hier und in Paris das Gelächter der großen Welt machten . Egon wußte nichts von den geheimnißvollen Arbeiten dieses Armand , nichts von den Malereien eines deutschen Malers , Reichmeyer , der mir heute aufwarten wollte und den ich zu Ihnen beschied ... Vergeben Sie mir - die Maler haben ja Zutritt bei Ihnen ... ich sehe Niemanden - Niemanden - Sind Sie nicht bös ? Pauline schaltete ein : Bitte ! Er soll mir willkommen sein ! und freute sich zugleich über die Aussicht , daß die Gräfin trotz ihrer furchtbaren Aufregung für den Abend vielleicht nun bleiben würde ... Helene fuhr fort : Einige Tage war Armand nicht gekommen . Unwillig hatt ' ich ihm geschrieben und meinen Leuten gesagt , ich wollte ihn selbst sprechen , um ihn für seine Nachlässigkeit zu zanken . Da tritt er ein , schwarzgekleidet . Egon springt auf : Louis ! ruft er . Ich ahne , daß er ihn kennt . Ohne auf Egon zu merken , antwortet der Handwerker : Madame la Comtesse , ... Sie haben Recht , meine Verzögerung zu tadeln , aber Sie werden entschuldigen , daß ein Bruder am Sterbebette seiner Schwester ... seine Pflichten als Arbeiter vergißt . Ich bin im Begriff , sie heute zu begraben und kam selbst nach Enghien , nur um mich auch für heute noch zu entschuldigen ... Das ist ja entsetzlich ! rief Pauline . Das war Louison ? Und Egon ? Egon , fuhr Helene in fieberhafter Aufregung fort , Egon hört diese dumpfen Worte meines Mörders , stößt mich zurück , mich Helene , die sich ermannen und den Störenfried entfernen wollte , ruft : Louison ist todt ! und reißt sich von mir los und den Bruder mit sich fort . Meine Leute hielten mich , denn was lag denn mir daran , daß man mich für eine Rasende hielt ! Ich sah , daß Egon nach Paris zurückwollte , ich ahnete , daß er sich von mir trennen konnte ; denn furchtbar war , was er mir von der Macht dieses Armand über sich geschildert hatte . Ich sah Alles vor mir , hielt ihn krampfhaft mit den Armen , warf mich auf die Schwelle vor die Thür des Hauses und schrie : Tritt mich Egon , ehe du mich verlässest , mich die Lebende um die Todte ! Mein Haar war aufgelöst , meine eiskalten Hände bebten , meine Zähne klapperten vor Fieberfrost ... Und Egon - Egon schritt über mich hinweg ... schritt über mich hinweg ! Ha , er flog an den Bahnhof - schon war zufällig das zweite Zeichen gegeben worden . Als ich aus meiner Betäubung erwachte , ein Pfiff , er war davon , ich allein . Er