seine Arme drückten . Wie reich war Elmerice in kurzer Zeit geworden ! Als sie an Lord Duncan ' s Brust die Augen zur Gräfin Franziska aufschlug , kam sie sich gesichert und außer Zweifel gestellt vor ; und ein stolzer Muth erhob sich in ihrem kranken Gemüthe , der sie mit einem Hauche von Glück anwehte . Wie war auch Alles dazu geschaffen , dies neue Leben und diese Ansprüche ihres jungen Herzens zu nähren ! Ueberall kam man ihr entgegen , Jeder wollte sie nach seiner Art zu fesseln suchen , ihre Aufmerksamkeit auf sich lenken , von seinen wohlmeinenden Gesinnungen sie überzeugen ; und leichter trat dies hervor , in dem Maaße , als der Gegenstand so vieler Bemühungen Alles bemerkte , erwiederte oder mit dem bezaubernden Lächeln der Freude und Dankbarkeit hinnahm . Sie übte eine Gewalt über die Gesellschaft aus , von der sie keine Ahnung hatte ; Mademoiselle de la Beaume bezeichnete sie , indem sie sagte : » Wenn auch meine eigenen Augen nicht immer hinter Miß Eton herreisten , würde ich doch jedes Mal wissen , wo sie sich befindet ; denn wenn sie den Platz ändert , wenden sich alle Köpfe wie auf ein Kommando ihr nach ; - und ich verdenke es Niemandem und bin nicht einmal eifersüchtig , daß man darüber meine Schönheit und Jugend vergißt ! « Aber Einer blieb übrig in diesem Kreise , der nur gezwungen die heitere Stimmung der Gesellschaft theilte , wenn wir ihn auch nicht als gleichgültig gegen Miß Eton bezeichnen wollen . Es war Leonce ! - Die Peinlichkeit seines Zustandes verrieth sich in jedem Zuge , und seine auffallende Blässe hätte ihn vielleicht sogar Miß Eton verrathen , wenn sie nicht , wie ein schüchternes Reh , den Kreis mit ihren Augen geflohen hätte , wo er sich am meisten aufhielt ; da er von den anderen jungen Männern umgeben war , deren leuchtende Blicke sie verscheuchten . Von da an blieb Miß Eton dem heitern Kreise zugesellt , bis auf die Zwischenstunden , die sie mit treuer Ergebung an dem Lager der armen Alten zubrachte . Der Arzt prophezeihte ihr ein sanftes , schmerzloses Ende und benutzte ihr meist bewußtloses Träumen , um Elmerice langsam von ihrem Lager zu entfernen ; da in ihrer Gegenwart , wie er behauptete , eine aufregende Gewalt läge , die diesen friedlichen Zustand leicht zu einer Krisis bringen und ihren Tod schneller und unter heftigen Zufällen veranlassen könnte . Am anderen Morgen jedoch , nach dem heiteren Frühstücke , führte der Marquis d ' Anville Lord Duncan , den alten Arzt und den ehrwürdigen Vikar nach seinen Zimmern , wohin ihnen bald die Gräfin Franziska und Leonce folgten . » Helfen Sie mir jetzt Alle , « rief der liebenswürdige Marquis , mit einem Tone , der aus dem Herzen kam , als man um ihn her Platz genommen hatte ; - » helfen Sie mir Recht stiften und geben Sie mir den Trost , daß Sie mir glauben wollen , wie ich auf das lebhafteste wünsche , ein schmachvolles Unrecht , das meine Vorfahren begingen , gut zu machen ! - Hierher , mein Leonce ! Laß ' Deine umwölkte Stirn - die irgend einem Privatinteresse gilt , dessen Widerstand ich bald besiegt zu sehen hoffe - laß ' diese trübe Stirn keinen Zweifel über Deine Gesinnungen erregen , deren edle Uneigennützigkeit ich am besten kenne . « » O , « rief der Marquis Leonce , lebhaft auf Lord Duncan zueilend , während hohe Röthe plötzlich sein Angesicht färbte - » o , wäre es das ? Ist es möglich , haben Sie an mir gezweifelt ? Waren Sie , theurer Lord , deshalb so kalt gegen den Jüngling , den Sie einst wie einen Sohn liebten ? O , womit habe ich das verdient ? « » Mein Gott , « sagte der Lord , überrascht und verlegen - » welche Voraussetzungen ! Ich wüßte nicht , daß ich Etwas versah ; bitte aber für Alles um Verzeihung , was Sie beleidigt haben könnte , Herr Marquis . « - » Das ist nicht die Sprache des väterlichen Wohlwollens , die ich einst aus Ihrem Munde gewohnt war . Sie weisen mich mit der Sprache der Welt zurück ; - und doch hätte ich gerade Anspruch auf Ihre Theilnahme - Sie , Lord Duncan , müßten den Unglücklichen nicht verlassen ! « - » Meine Theilnahme , Herr Marquis , hat jedenfalls durch Ihre Fürsorge eine andere Richtung bekommen , « erwiederte der Lord . » Ich habe , denke ich , jetzt nur Gelegenheit , an Ihrem neu entstandenen Glücke Theil zu nehmen ; das werde ich gewiß mit der Zeit . Doch zürnen Sie dem Alter nicht , daß es nicht so schnell , wie die Jugend seine Zustände wechselt . Ich sehe es ein , es war zu viel verlangt , als ich Sie bat , ein Jahr auf meine Ankunft hierher zu warten ! « - » Und womit habe ich den Verdacht Eurer Herrlichkeit verdient , « - sprach Leonce , jetzt seinerseits etwas stolz zurücktretend ; - » daß ich ein gegebenes Wort gebrochen , was mir unter allen Umständen heilig sein mußte ? Sie wissen überdies , daß es ein Wort war , an welchem die letzte Lebenshoffnung meines schwer getroffenen Herzens hing - dessen Erfüllung ich mit einer Sehnsucht erwartete , die mir dies Jahr zu einer Ewigkeit ausdehnte . « - Lord Duncan ' s Blicke richteten sich bei diesen Worten , die ein tief bewegtes Gefühl verriethen , forschend auf den jungen Mann , und seine vorher so kalten Züge zeigten wenigstens Antheil , wenn auch noch kein Wohlwollen . » Leonce , « sagte er plötzlich - » ich hatte vielleicht Unrecht , Sie ungehört anzuklagen , Sie sollen mich nicht umsonst an mein väterliches Wohlwollen erinnert haben ; ich will Sie hören , und Sie sollen den väterlichen Richter