, der Welt das idealische Modell einer vollkommnen Republik zu hinterlassen , würde es da wohl seiner oder irgend eines andern ächten Philosophen würdig gewesen seyn , eine so wichtige Sache als die Religion ist , dem Delphischen Apollo , d.i. den Priestern des Tempels zu Delphi zu überlassen ? Und wäre er selbst von der innern Güte und Realität seiner Republik , d.i. von ihrer reinen Uebereinstimmung mit der menschlichen Natur , überzeugt gewesen , würde er wohl alle seine Hoffnungen , daß sie sich bei seinen Gesetzen werde erhalten können , auf einen Gott aus einer Maschine gegründet haben ? Keines von beiden , däucht mich . - Was ist es also , was er eigentlich damit wollte ? - Durch den Compromiß auf den Delphischen Apollo wollt ' er sich , denke ich , den häkeligsten und gefährlichsten Theil der Gesetzgebung seiner Republik vom Halse schaffen ; und glücklich für ihn , daß er dieß um so schicklicher thun konnte , da der starke Glaube des wirklichen Sokrates an jenen Gott ein bekannter Umstand ist . Mit der frommen Hoffnung hingegen , womit er die Erhaltung seiner Gesetzgebung dem Willen Gottes anheimstellt , konnt ' er uns wohl nichts anders zu verstehen geben wollen , als daß er selbst von ihrer innern Lebenskraft und Dauerhaftigkeit keine große Meinung hege , und so gut als andre wisse , daß eine idealische Republik nur für idealische Menschen passe , und , um so frei in der Luft schweben zu können , an den Fußschemel von Jupiters Thron angehängt werden müsse . Denn freilich , wenn die Götter das Beste dabei thun wollten , könnte auch die Aristophanische Nephelokokkygia so gut existiren als die Platonische Republik . 6. Fortsetzung des Vorigen . Wir sind nun ganz nahe bis zu dem Punkt vorgerückt , um dessentwillen vermuthlich diese ganze Unterredung angefangen und durch so vielerlei Mäandrische Umschweife und Aus- und Einbeugungen bis hierher geführt worden ; aber so wohlfeil gibt es unser poetisirender Philosoph oder philosophirender Dichter nicht . Er hat sich nun einmal vorgesetzt , uns in diesem dramatischen Dialog zu weisen , daß er sich so gut als irgend ein Tragödienmacher auf die Kunst verstehe , den Punkt , auf welchen wir losgehen , alle Augenblicke bald zu zeigen , bald wieder aus dem Gesichte zu rücken , um uns desto angenehmer zu überraschen , wenn wir das , was er uns so lange durch einen unmerklich wieder in sich selbst zurückkehrenden Umweg suchen ließ , endlich unversehens vor unsrer Nase liegen finden . Unser verkappter Sokrates , der itzt für eine ziemliche Weile die Larve wieder weggeschoben hat und mit seinem eigenen Gesichte spielt , meint : sie hätten ihre Republik so gut angeordnet , daß es nun weiter nichts bedürfe , als daß Adimanth seinen Bruder und Polemarchen und die übrigen Anwesenden aufrufe , ihm mit einer tüchtigen Fackel so lange in derselben herum suchen zu helfen , bis sie die irgendwo in ihr versteckte Gerechtigkeit ausfindig gemacht haben würden . In der That muthet er diesen wackern jungen Männern damit nicht mehr zu , als was sie mit einer mäßigen Anstrengung ihres Menschenverstandes sehr leicht leisten konnten und sollten . Aber dabei hätte der Verfasser des Dialogs seine Rechnung nicht gefunden . Glaukon besteht darauf , daß Sokrates seinem Versprechen gemäß das Beste bei der Sache thun müsse , und dieser schickt sich denn auch um so williger dazu an , da er wirklich in einer ganz eigenen Laune zu seyn scheint , sich mit der Treuherzigkeit der jungen Leute einen dialektischen Spaß zu machen , und sie nach dem Ding , das er in der Hand hat , fein lange überall wo es nicht ist herumstöbern zu lassen . Wohlan also ( sagt er ) hier zeigt sich mir ein Weg , der uns hoffe ich zu dem , was wir suchen , führen soll . Wenn wir unsre Republik gehörig angeordnet haben , so sollte sie , dächt ' ich , durchaus gut seyn . - Nothwendig , antwortet Glaukon . - S. Augenscheinlich ist sie also weise , tapfer , wohlgezüchtet und gerecht ? - Gl . Augenscheinlich . - S. Wenn wir nun von diesen Vieren Eins , welches es sey , in ihr finden , so ist das übrige das , was wir nicht gefunden haben ; nicht wahr ? - Gl . Wie meinst du das ? - S. Wenn wir unter vier Dingen , welcher Art sie auch seyn mögen , nur Eines suchen , und ( indem wir glücklicherweise zuerst darauf stoßen ) es sogleich für das Gesuchte erkennen , so lassen wir ' s dabei bewenden ; haben wir hingegen die drei ersten vorher ausfindig gemacht , so kennen wir eben dadurch auch das , was wir suchen ; denn es ist klar , daß es kein anderes seyn kann als das vierte , so noch übrig ist . - Richtig , antwortet Glaukon wie ein unbesonnener Knabe ; denn es greift sich doch mit Händen , daß er nur unter der Bedingung , wofern diese vier Dinge uns schon bekannt sind , mit Ja antworten konnte ; denn wofern sie es nicht sind , so weiß ich , in dem gegebenen Falle , zwar , daß das noch nicht gefundene , das gesuchte ist ; aber wozu kann mir das helfen , wenn ich nicht weiß , was es ist ? Glaukon mußte einfältiger seyn als Praxillens Adonis22 , wenn er nicht sah , wo Sokrates mit seinem mathematischen Axiom hinaus wollte ; daß er es nämlich auf die nur eben seiner Republik nachgerühmten vier charakteristischen Eigenschaften anwenden , und wenn er die drei zuerst genannten in ihr gefunden hätte , versichern würde , daß ihnen nun auch die Gerechtigkeit nicht entgehen könne ; wiewohl dieser Umweg im Grunde zu nichts helfen konnte , als sie , ohne alle Noth , eine gute halbe Stunde länger aufzuhalten . Da sich aber seine Zuhörer nun einmal alles