Vortheil von dem andern Object zu erwarten scheint . Ein Größenwahn , der für Verdienste außer ihm überhaupt noch ein Auge hat , verliert schon seinen eigentlichen Charakter . Selbstbewußtsein und Größenwahn , sind gar verschiedene Dinge . In den Augen der modernsten Wissenschaft bleibt vom Menschenthum nur übrig - ein boshafter Affe . Das ist falsch . Es giebt viele schlechte Kerle , deren Lebensgenuß im Bösen besteht , wäre es auch nur im bösen Maul , das jedes Edle und Große zu ihrem eigenen Niveau herabzerrt . Allein , es mangelt auch nicht an gutartigen Naturen , deren Egoismus , diese natürliche Spiralfeder aller Dinge , sich liebevoll sänftigt und allem Lebenden freundlich gegenüber tritt . Traurig genug , daß die klare Erkenntniß , nur Selbstlosigkeit bedinge das wahre Glück , den dämonischen Trieb zur Selbstsucht auch beim Weisesten und Besten nicht zu brechen vermag . Häufig kann die gemüthloseste Streberei und wüthendste Eitelkeit entschuldigt werden durch die unglücklichen Verhältnisse eines von der Natur stiefmütterlich Behandelten oder von den Menschen Mißhandelten , dessen Energie sich an Natur und Menschen zu rächen sucht . Dies gelingt freilich um so leichter , als die Menschen , soweit es ihre eigene Selbstsucht erlaubt , selten der Bonhomie entbehren und gern einem fleißig Ringenden Raum gönnen , - ohne die Misanthropie eines solchen nervösen Irren durch dies Entgegenkommen zu ändern . Allein , wenn die Menschen auch keineswegs der guten Instinkte entbehren , so mangelt ihnen dafür gänzlich der ideale Instinkt . Man kann ein guter Mensch sein und doch unheilbar in alles Materielle verstrickt bleiben , wodurch denn zuguterletzt auch nur selbstsüchtige Motive entstehen . Man kann ein böser despotischer Mensch sein und doch sich zum Idealen erheben , wodurch denn trotzalledem eine allgemeine Immaterialität , also Selbstlosigkeit , sich erzeugt . Aus diesem Grunde verwirft der bärbeißige Carlyle alle sogenannte Philantropie . Der finstre Dante , als er einsam die Divina Comedia für die Menschheit schrieb , habe eine viel wichtigere Philantropie geübt . Aber gerade diesen Standpunkt wird die Alltagsherde nie verstehen und nie begreifen , daß ein dem Idealen geweihtes Wesen , dazu bestimmt , dem unirdischen Reich des Ewigen zahllose neue Jünger zu gewinnen , gänzlich außerhalb der gewöhnlichen Alltagsgesetze steht . Denn das wahre Sittengesetz wird es ja ohnehin nie verletzen . Weil etwa Leute sich einer sogenannten Wohlthätigkeit befleißigen , was denn auch auf ihr sonstiges Interessen-Kerbholz von der gläubigen Welt angekreidet wird , bewiesen sie noch keineswegs ihr Freisein von der Knechtschaft des starren Ich . Aber ein Mensch , dessen Geist sich unmateriellen Sphären völlig ergab und sein ganzes Sein auf idealen Zielen aufbaute , muß innerlich frei sein von allen Schranken der Sinnenwelt , bleibt daher jeder wahren Ichsucht fern , selbst wenn er seine Mitmenschen als bloße Zahlen behandelt oder gleichgültig ihre verächtlichen Leiden und Freuden flieht . Mit überwachtem überarbeitetem Gehirn wanderte der Graf eines Morgens bei Tagesanbruch hinaus , weit hinaus über Feld , dem nächsten Bergwalde zu . Die Sonne tauchte hinter den smaragdgrünen Baumwipfeln hervor . Eine schmeichelnde Wärme rieselte wollüstig durch alle Poren der Lebewesen . Von leisem Windhauch geläutet , schwangen sich die Blüthenglöckchen der Zweige hin und her und überschütteten die Vorübergehenden mit feinem silbernem Sprühregen . Wie ein Lämmlein mit Rosaband und Glöckchen , sprang hier der rosenbestandene Bach dahin , kletterte über Felsenkniee , wälzte sich in der Blumenau und ließ seine glockenhelle Melodie ertönen . Aber die Rosen waren jetzt verwelkt und welke Blätter raschelten umher , Vorboten der weißen Schneebienen des Winters . Wie ein Adler , der noch auf höchster Firne rastet , ehe er ins Reich der Wolken strebt , - schien die Sonne noch mit dem ersten Glühen ihrer Schwingen auf den Giebeln der Felsburgen zu rasten . Die Landleute begannen eben ihre Arbeit . Heiliger nährender Opferdienst der Erde ! Der alten vergessenen Natur rettendes Sinnbild bist du , o Pflug , der willige Aecker durchfurcht ! Zufrieden , wenn man die Frucht eurer Mühen euch mit kargem Lohne zahlt , verachtet ihr den hohlen Prunk der Städte , ihr Pflüger mit schwieliger Faust und sonnerbrannter Stirn ! Droben in der lichten Bläue und über den Feldern tirilirte es . Wie eine klanggewobene Jakobsleiter stieg vielstimmiger Vogelsang himmelan und himmelherab . Unbewußt sang seine Seele mit in rhythmischen Lauten : Lerche , aus Wolken schwang sich an mein Ohr dein Sang ! Liebe beseelt ihn und hat ihn gelehrt ! Gießt wie ein Sonnenstrahl Licht über Berg und Thal ! Dein Lied lebt im Himmel , dein Lieb auf der Erd ! Hoch über Wald und Moor , Wiese und Dorf empor , über der Morgensonne Erglühn , über der Wolke Rand , des Regenbogens Band , Herold des Tages , hinflatterst du kühn ! - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Er warf sich ins Gras und lauschte dem schrillen Zirpen der Grasmücken und dem Vogelzwitschern in den Fichtenzweigen . Ein Paroxismus knabenhafter Sehnsucht , eine mystische Brunst , befiel seine Künstlernatur . Er zerriß die keuschen Gräser mit den Zähnen , und schlürfte den Thau vom jungen Kleeblatt , wie trunken von corybantischer Attis-Begier . Er hätte , ein neuer Pygmalion , den Fels umarmen mögen , aber der blieb kalt , todt , steinern . Unwillkürlich umschlang er den Baum , unter dem er lag , aber dessen Rinde blieb trocken und starr und die Tropfen des Fichtenherzes , die aus den dürren Spalten quollen , waren kein warmes Blut , keine Thränen der Gegenliebe . Die Weltkraft , die alles durchdringt und besiegt , hätte er leibhaftig ans Herz reißen und mit ihr ringen mögen , Herr werdend durch der Liebe Riesenwollust . Tief unten im Grunde dufteten die Blüthen . Geister des Friedens entstiegen den Kelchen . Aus Felsenspalt entströmte leise , wehmüthig lispelnd , des Wildbachs Helle . Ach