bevorstehenden Ableben des alten Fürsten , die ich ihm gestern überbracht , den beabsichtigten Verkauf von Zehrendorf in weite Ferne gerückt , ja , sehr unwahrscheinlich gemacht ! Was konnte dem jungen Fürsten , wenn er seinem Vater succedirte und in den Vollbesitz des Vermögens kam , an dem einen Gute mehr oder weniger gelegen sein ? Es liegt auch dem alten Fürsten im Grunde gar nichts daran , hatte der Commerzienrath immer gesagt ; aber der junge Herr soll sich bei dem Ankauf die Sporen verdienen ; soll zeigen , daß er solche Geschäfte bewältigen kann . Das weiß der junge Herr recht gut und darum wird er den Hamen doch herunterschlucken , so wenig verlockend auch der Köder ist ; verlassen Sie sich darauf ! So hatte der Commerzienrath gerechnet , und , wie die Sachen jetzt lagen , voraussichtlich falsch gerechnet . Meine Nachricht hatte ihn gestern ganz augenscheinlich sehr erschreckt . - Es war höchst sonderbar , daß er gerade heute hatte in die Stadt müssen ! Oder wollte er mir nur einfach aus dem Wege gehen , nachdem er seine Absicht , mich bei Herminen in Ungnade zu bringen , so vollkommen erreicht ! Brauchte er mich nicht mehr , nachdem ich ihm die Maschinen aufgestellt und die Angelegenheit mit dem Fürsten sich so gut wie zerschlagen ? Sehr möglich , sehr wahrscheinlich ; aber vielleicht brauchte ich ihn noch weniger ; vielleicht war ich in der Lage , ihm , bevor er mir den Abschied gab , Lebewohl sagen zu können . Diese Abwesenheit des Mannes , die wie eine Flucht vor mir aussah - kam sie doch just in dem Augenblicke wie eine Mahnung für mich , das verlockende Anerbieten des jungen Fürsten anzunehmen ! Was hatte ich bis jetzt für meine eigentlichen Zwecke von dem Commerzienrath erlangt ? Versprechungen die Hülle und Fülle , einen Schwall von Complimenten - weiter nichts ! Und dabei würde es voraussichtlich bleiben , vor Allem , wenn er Zehrendorf nicht verkaufte , und er so seines Wortes , das er mir bezüglich der Fabrik in der Stadt gegeben , los und ledig war , ja , und möglicherweise auch , wenn der Verkauf trotz alledem zu Stande kam . Es gab wohl sehr Weniges , was dem Herrn Commerzienrath heilig war , und ich hatte Ursache zu glauben , daß unter diesem Wenigen sein Wort sich nicht befand . So hatte er mir versprochen , den Mann in der Schneidemühle , dem er gekündigt , nicht zu entlassen ; und als ich heute Morgen an der Mühle vorbeiging , hatte sie gestanden und der Knecht mir gesagt , der Herr sei gestern Abend - während ich in Rossow war - dagewesen und habe den Meister nach einem kurzen Wortwechsel von der Stelle fortgejagt . Das war ein Fall ! aber eben nur der neueste ; ich hatte ihn schon wiederholt auf dergleichen Wortbrüchigkeiten ertappt ! Nein , nein , der Mann schien nicht dazu angethan , sich von mir zur Religion der Humanität bekehren zu lassen . Und der Fürst ? Je deutlicher ich mir die Einzelheiten unsrer gestrigen Unterredung in die Erinnerung rief , je klarer mir das Bild des Mannes vor die Seele trat , desto mehr liebenswürdige und achtungswerthe Züge glaubte ich in ihm zu entdecken , desto mehr glaubte ich zu finden , daß es sich wohl verlohne , mit ihm anzuknüpfen . Es ist eine schwere Aufgabe , gänzlich ungerührt zu bleiben , wenn uns Jemand mit einem ausgesprochenen Wohlwollen entgegenkommt , noch dazu , wenn dieser Gönner eine hochgestellte , einflußreiche Persönlichkeit ist . Nun möchte ich nicht sagen , daß ich damals oder jemals in der Gunst eines Fürsten die höchste irdische Glückseligkeit gefunden hätte , aber ich kann doch auch nicht leugnen , daß , wenigstens zu jener Zeit , die anerzogene Ehrerbietung vor der irdischen Hoheit - ein Nachklang jedenfalls aus meinen Jugendtagen - dazu beitragen mochte , mir das Benehmen des jungen Fürsten in dem möglichst günstigen Lichte zu zeigen . Ich glaubte , jetzt den Schlüssel zu diesem Benehmen , das mir gestern so räthselhaft erschienen war , gefunden zu haben , und ich rechnete ihm die Delicatesse hoch an , mit welcher er , bevor er mir seine eigentliche Absicht entdeckte , aus dem Wege geräumt hatte , wovon er wußte , daß es als ein Stein des Anstoßes zwischen ihm und mir lag . Er hatte der bedenklichen Scene vor neun Jahren im Walde von Zehrendorf mit keiner Sylbe Erwähnung gethan ; aber er hatte es mir nicht vergessen , daß und wie ich ihn damals geschont und er hatte in seiner Weise versucht , seine Schuld gegen mich abzutragen . Ich mußte mir sagen , daß die Weise , Alles in Allem , eine edle , ritterliche war . Sodann hatte er mich wiederum über die zweite Begegnung in Paula ' s Atelier aufgeklärt und mich gewissermaßen wegen seines damaligen Benehmens um Entschuldigung gebeten ; und war der Versuch , sich gegen mich abzufinden , den er noch an demselben Tage gemacht , vielleicht übereilt und unpassend gewesen , so hatte er das jetzt durch sein großherziges und bedeutendes Anerbieten in meinen Augen mehr als ausgeglichen . Ja , es war ein großherziges und bedeutendes Anerbieten : großherzig , wenn ich die offene loyale Weise bedachte , in welcher mir es ohne Winkelzüge , ohne Markten und Feilschen gemacht ; bedeutend , indem ich mir sagen mußte , daß , war es wirklich des Fürsten Absicht , mir einen großen Wirkungskreis zu verschaffen , er auch durchaus in der Lage war , seine Versprechungen zu realisiren . Angenommen wirklich , der Commerzienrath war der Mann , für den er sich gab - obgleich meine Zweifel nach dieser Seite keineswegs geschwunden , ja vielleicht jetzt größer waren , als je - aber angenommen , er war der reiche Mann , der einflußreiche Mann , was bedeutete sein Reichthum , sein Einfluß im Vergleich