schien mir auch wohl , als hätte ich dies und das und jenes zum Opfer gebracht und in die durchwundeten Hände meines Heilandes gelegt ; nur war das alles so entsetzlich gering ! Woran ich aus ganzer Seele hing und was ich liebte wie mein Leben - das hatte ich ganz still für mich behalten . Das war nicht Geld und nicht Gut , das war nicht Ruhm und nicht Sinnenlust ; das war meine Unabhängigkeit , wie ich es nannte ; meine Wanderlust , meine Freiheit , meine Ungebundenheit ; zu kommen , zu gehen , nirgends gefesselt zu sein , durch die Welt zu ziehen , wie es mir gefiel . Ich durfte es tun ! ich verletzte keine Pflicht dadurch ! Aber es war nun einmal dies Licht von wegen des Opfers mir aufgesteckt .... und wo ich ging und stand , und was ich tat und trieb - eine Stimme sagte mir : Das ists , was du Gott zulieb opfern könntest ! willst du nicht ? willst du nicht ? Da ging ich in mich und sprach zu mir selbst : Die Stimme kommt von Gott ! so spricht nicht der Teufel , nicht die Welt , nicht Fleisch und Blut . Ich höre sie , ich verstehe sie , ich muß ihr folgen . Da ging ich zu den Kapuzinern am Platz Barberini und vor dem Bilde in ihrer Kirche , das der Erzmaler Raphael vom Erzengel Michael gemalt hat , flehte ich St. Michael an , der Führer meiner Seele zum Himmel zu sein - ging an die Klosterpforte und bat um Aufnahme als Laienbruder , denn an den heiligen Priesterstand dachte ich armer Priester nicht im Traum . Die Väter wollten mich aber auch gar nicht als Laienbruder aufnehmen , meinten , ich käme ein Vierteljahrhundert wenigstens ! zu spät - und dies und das . Ich war jedoch Zeit meines Lebens eigensinnig und bat und betete so lange , bis man mich versuchsweise annahm . Nun hatte ich , was ich wollte - nämlich nichts mehr . Nun war ich froh und merkwürdigerweise ! nun fühlte ich mich wundersam frei . Wie das Fischlein in seinem Element , schwamm ich im süßen , im angebeteten , im heiligsten Willen Gottes , indem ich meinen Oberen gehorchte und die heilige Ordensregel beobachtete . Nur einmal kam ein Choc - ein gewaltiger . Nicht des Ordens Laienbruder - sondern Priester sollt ich werden - ich Armseliger ! Das grämte mich furchtbar . Ich dachte , ich würde dem Orden Schmach und Schande bereiten . Ich sträubte und wehrte mich - aber diesmal waren die Oberen noch eigensinniger als ich und ich mußte gehorchen . Nun , ich war ja Kapuziner geworden , um zu gehorchen und um im Opfer meines Willens - das ja immer eine Buße für die sündige Natur ist - die selige Freiheit von der Last meines Ichs zu finden ; also ich gehorchte in Gottes Namen . Und so , Graf Uriel , treffen wir uns hier in Rom , bei mannigfachen Leiden in Ihrer Familie , die mir unvergeßlich geblieben ist - und am Fuß des Kreuzes . « » Wir werden uns hoffentlich auch noch anderswo treffen , mein Pater , « sagte Uriel , » denn auch ich gedenke Kapuziner zu werden . « » Unsinn ! « rief Pater Bonaventura , » Sie - und Kapuziner ! Sie - Graf , reich , hoch- und feingebildet , dazu der letzte Ihres Hauses ... « - » Gerade das ists ! « rief Uriel , » der letzte des Hauses nimmt die ganze Erbschaft an . Aus Onkel Levins und Hyazinths Hand fällt der heilige Kelch mir zu , den der Priester mit dem Blute Gottes füllt , und aus Reginas Hand - die drei Nägel , wie sie sie nannte , die drei Rubinen der heiligen Ordensgelübde . Das ist ein himmlisches Erbe . « » Aber Sie vergessen das irdische . « » Gott Dank , dem hab ' ich längst entsagt . « » Vergessen , daß Ihre Familie mit Ihnen ausstirbt . « » Mein Pater ! was der Welt not tut , sind nicht große und hochklingende Namen , sondern es ist die Bekehrung jedes einzelnen zu Gott , besiegelt durch sein Opfer . « » Aber diese Opfer sind verschieden , Graf Uriel . Sie können sie auch auf Windeck bringen . « » Jeder bringe sie nach seinem Maß und seiner Erkenntnis , mein Pater . Als Sie vorhin sagten , Ihre geliebte Unabhängigkeit hätten Sie ganz still für sich behalten , da sprach mein Gewissen : Das tue ich auch und in viel höherem Grade , denn ich verschleudere in Untätigkeit meine Tage , die Gott mir gegeben hat , um ihm zu dienen . « » Dienen Sie ihm in der Welt , Graf Uriel . « » Die Welt , mein Pater , ist so vermorscht und verwest , daß man bei jedem Schritt in ihrem Moder von Lüge und Sinnlichkeit versinkt und ihr nur dadurch helfen kann , daß man sich außerhalb ihrer Strömung hält , um die Schiffbrüchigen und die gefährlich Schwimmenden zu retten . Wenn sich der Masse der abgefallenen Geister gegenüber nicht andere erheben , welche sich der Gnade in die Arme werfen und genau den entgegengesetzten Weg gehen , den die Welt geht - mit einem Worte : die es so machen wie Sie , mein Pater ! was soll dann aus dem Christentum werden . « » Ich bin nicht der letzte Windecker , Graf Uriel ! soll der im Kapuzinerhabit verschwinden ? « » Mein Pater , die Scipionen , die Flavier , die Ämilier - das waren ganz andere Namen ! und sie verschwinden mit dem Christentum in dem Schatten des Kreuzes . « » Werden Sie lieber Jesuit ! Sie sind so fein gebildet . « » Der Weltgeist haßt den Jesuiten . Im Haß liegt ein