sie die großmüthige Absicht der edlen Frau , ihr eine Pflicht , ein Bedürfniß aufnöthigen zu wollen ; - und wie wahr , wie gefühlvoll war doch dabei ihr Ausdruck ! Ueberredend schien er ein wirkliches Bedürfniß anzudeuten . Waren diese innigen Töne des Gefühls zu der Schläferin gedrungen , war sie von selbst erwacht - genug , Emmy ' s Augen öffneten sich und hafteten mit ihrer eigenthümlichen Schärfe auf Beiden . » Das wird Deine Gräfin d ' Aubaine sein , « sagte sie dann mit ihrem rauhen Tone . » Es ist schon gut , daß sie da ist - ihr will ich wohl das Weitere sagen ; - sie hat , wie ich , um meinen Liebling getrauert ; - oft habe ich an sie gedacht ; - sie muß wissen , was leiden heißt . « - » Und wir sind uns , wenn auch getrennt , dennoch in manchem ähnlichen Gefühle begegnet , gute Emmy , « sagte die Gräfin d ' Aubaine , sich auf den Rand des Bettes setzend . - » Auch in unserer Liebe zu Elmerice ; - und recht eigentlich bin ich gekommen , um Dir den Trost zu geben , wie innig ich sie liebe . « » So schafft ihr auch Recht ! Denn wer kann besser , als Ihr , erkennen , daß es Reginald ' s Tochter ist ! « - Niemals hörte Franziska d ' Aubaine diesen theuern Namen ohne eine große innere Bewegung . Seltsam aber traf er sie in diesem Augenblicke , wo sie ihn von der alten , treuen Wärterin des geliebten Mannes aussprechen hörte . Feierlich streckte sie die Hand nach ihr aus und sagte : » Lebe nur noch einige Tage , so wird die Sehnsucht Deines Herzens erfüllt werden ! « Sie wurde von der eigenthümlichen Lage fortgerissen und fühlte , daß sie mehr gesagt hatte , als sie sicher war , halten zu können . So ward auch sie von Emmy ' s gebietendem Wesen beherrscht , und es erregte daher ihren ganzen Antheil , als sie Elmerice neben sich niedergleiten sah , aufs tiefste von den entstandenen Erklärungen erschüttert . » Nein , nein , Emmy , « stammelte das junge Mädchen - » das Recht , von dem Du träumst , ist für Fennimor ' s unglückliche Enkelin nicht da ! O , meine Wohlthäterin , gehen Sie in Emmy ' s eigensüchtige Pläne nicht ein ! Nie - niemals trete ich Ihren Neffen entgegen ; - ich will Nichts vom Leben , als ruhige Zurückgezogenheit ! Sichern Sie mir diese an Ihrer Seite , und ich habe Alles , was ich noch begehre ! « » Was aber das Leben von Dir begehren wird , geliebtes Kind , « sagte die Gräfin - » das möchte im Widerspruche damit stehen . Denn glaubst Du , daß wir ihm nichts schuldig sind ? Glaubst Du , wir dürfen sagen , es solle kein Recht mehr an uns haben ? Nicht also . Der Himmel hat uns ausgerüstet - er fordert die Erledigung der Aufgabe , die er uns diesen Kräften gemäß gestellt hat . Es ist vergeblich , wenn wir uns verbergen - er sucht und findet uns ; - darum müssen wir ihm muthig entgegen treten und ihm seine Aufgabe abfragen , in freudigem Gehorsam - mit edler Willenskraft , die , wenn auch kein Glück , doch eine würdige , menschliche Entwickelung begehrt . « » Folge ihr ! « sagte Emmy matt - und sank schlafend zurück . » Thue das , mein geliebtes Kind ! « rief die Gräfin aufstehend . » Asta soll den Schlummer Deiner alten Freundin bewachen , und an der Thüre soll ein Bote harren , der Dir sogleich Nachricht bringt , wenn mit ihrem Erwachen auch Bewußtsein zurückkehrt . Du aber folge mir zu meinen Verwandten , die Dich mit Sehnsucht erwarten . « Wohl fühlte die Gräfin , wie Elmerice bei diesem Vorschlage in ihren Armen zusammen zuckte ; aber sie war entschlossen , sich nicht abweisen zu lassen , und die mütterliche Sicherheit , mit der sie verfuhr , übte eine beruhigende Gewalt über Elmerice aus , der sie sich um so weniger entzog , da hiermit auch das rathlose Gefühl der Vereinsamung aufhörte - So kehrte die Gräfin d ' Aubaine in den Salon zurück , wo man sie mit der Spannung der Ungewißheit erwartete . Als die edle , majestätische Gestalt erschien , ihren Liebling an der Hand , drängte sich aus Aller Munde ein Laut der Freude . Noch trug Elmerice die schöne , ideale Tracht Fennimor ' s , jetzt ihr so gewohnt , daß sie derselben nicht mehr gedachte , und so hatte Beider Persönlichkeit etwas so höchst Ausgezeichnetes , daß Alle einen Augenblick zurückgehalten wurden , als müsse das Auge erst sein Recht genießen - als wäre ihre schöne Erscheinung kaum ein Gut , das man sich anzueignen wagen dürfe ! » Hier , hier ! « rief die Gräfin jedoch , lächelnd voreilend ; - » hoffentlich werdet Ihr alle die alte Tante loben , der es gelungen ist , Euren Flüchtling zu Euch zurück zu bringen . « » Elmerice ! « rief eine zärtliche Stimme - und Maria Duncan flog in die Arme der Ueberraschten . Das Entzücken , die theure Freundin so unerwartet wiederzusehen , machte auf Elmerice einen unbeschreiblichen Eindruck ; und indem es sie von ihrem augenblicklichen Verhältnisse zur Gesellschaft abzog , gab es sie ihrer eigene , wahren Natur zurück . Ihr Engelsantlitz strahlte von Liebe und Heiterkeit - ihre Bewegungen zeigten wieder die elastische Anmuth , die kindliche Schmiegsamkeit , die ihr zärtlich hingebendes Herz verrieth ; und man hätte den Pinsel Lesüeur ' s herbei wünschen mögen , um den schönen Eindruck zu verewigen , als jetzt die hohe Greisengestalt des Lord Duncan zwischen die zarten Mädchen trat , und Beide , wie an ihren Vater , sich in