von seinem Gegentheil unterscheiden . Wir unterrichten uns hierüber , indem wir uns an die Stelle der Andern versetzen . Aus dieser allgemeinen Vorstellung entstammt die allgemeine Sympathie . Diesem Mitgefühl entspringen nun sämmtliche Handlungen , gute und böse . Und im Mitgefühl , obschon es ein ideelles Vergnügen bereite , läge dennoch kein Gran von Selbstsucht . Als Ergänzung aber dieser » Theorie der sittlichen Gefühle « sprang Smith auf das gerade Gegentheil über , indem er nunmehr in seinem grandiosen Werke vom » Nationalreichthum « nur die Selbstsucht als Motor annimmt . Jeder folge nur seinem eignen Interesse und fördere hierdurch , ohne es zu wollen , das Interesse andrer . Der persönliche Wunsch , den jeder Einzelne fühlt , seine Lage zu verbessern , bringt die Gesellschaft im Ganzen vorwärts . Jetzt wurde die große Idee der Nothwendigkeit auf das sociale Leben angewandt . Man erkannte Arbeitslöhne als unvermeidliche Folge der Verhältnisse gegen welche die Wünsche aller Einzelnen oder des ganzen vierten Standes ohnmächtig , das spätere » eiserne Lohngesetz « nach Angebot und Nachfrage . Man ahnte die Theorie der Pacht , wie Malthus und Ricardo sie später ausbauten . Dann kamen Hume ' s Theorien von der Ideenassoziation und vom Causalnexus und von der Nützlichkeit als einzigem Grundpfeiler der Moral . Diese genialen Geister verachteten jedoch die bloß compilatorische nüchterne Thatsachenanhäufung als Grundlage , sie mißtrauten der Statistik und hielten die Ideen für so viel wichtiger als Thatsachen , daß erst Ideen vorangehen müßten , ehe man überhaupt die Thatsachen beobachte . Reid und Black wandelten fort auf ähnlichen Gleisen , wie denn später Watt die Dampfmaschine nicht aus Thatsachen-Experimenten , sondern aus der Spekulation über Black ' s Gesetz von der latenten Wärme , angewandt auf die Verbindung von Luft und Wasser , also aus einer Idee heraus erfand . Graf Xaver Krastinik , dies Enfant terrible seiner umliegenden Dörfer und Standesgenossen , schloß sich völlig von der Welt ab und studirte ununterbrochen . Muthig hieb er sich lichte Bahn durch das Dickicht seiner Unwissenheit . So drang er denn allmählich in das ganze Geheimniß der inductiven Methode ein , welche auch das Kunstprinzip des Realismus leitet . Hier lernte er jene Deklamationen einer deductiven Weltanschauung verachten , von welcher im Grunde alles äußerliche Scheintreiben der Menschheit bestimmt wird . Angenommene Voraussetzungen als höchste Prinzipien aufstellen und dialektisch verfechten - darin besteht das wahre System des hohlen gedankenlosen Weltgetriebes . Ob der Metaphysiker oder der Zeitungsjournalist , der Pfaffe oder der Soldat , - jeder wählt sich ein beliebiges traditionell überkommenes Prinzip und argumentirt daraufhin sein Lebenlang , ohne dessen Gehalt zu prüfen . Der theologische Gott , Staat , Autorität , Ehre , Freiheit , - alle solche Begriffe werden zu unnützen Kinderklappern , mit denen die thörichte Menge ihr Gehirn betäubt . Indem er mit verzweifelter Kraftanstrengung sich der Lectüre philosophischer Naturwissenschaften ergab , durch Chemie , allgemeine Physik und Physiologie langsam zu den Ergebnissen der neusten Epoche unter Liebig , Darwin , Helmholtz , Dubois-Reymond vorrückte , begann sein spekulativer Geist , der nie dichterisch-gestaltend , sondern didaktisch seine Anschauungen vollzog , allgemeine Schlüsse aus nüchternen Thatsachen zu ziehen . Die Theorie des Kraftwechsels und die zunehmende Darlegung der Thatsache , daß überhaupt nichts unregelmäßig , gestört oder dem Naturgesetz zuwider sei , beruhigte ihn über die scheinbare Wirrung und unlogische Ungerechtigkeit menschlicher Schicksale . Die Theorie des großen Pathologen Hunter , betreffend die innere Balance des Mitgefühls zur Thätigkeit , eröffnete dem einsamen Wahrheitsucher seltsame Schlüsse , worunter der vornehmste : daß Passivität weder der Menschennatur entspreche noch zur Tugend werden könne , da nur Thätigkeit das Mitgefühl fördert . Damit fiel sein Wunsch , sich einsam » einzubuddeln « über den Haufen . Selbst das heilige Licht , das uns Lebensbedingung , ist ja Bewegung . Wärme ist Licht in Ruhe , Licht ist Wärme in reißender Bewegung . So ist Genie vielleicht nur eine Metamorphose der stillen vorbereiteten Wärme seiner Zeitumgebung . Ob nun die deutschen Geologen wie Buch und Humboldt sich an Werner ' s Wassertheorie oder die Briten sich an Hutton ' s Feuertheorie über Entstehung und Veränderung der Erde anschlossen , überall wurde den großen Urkräften der Natur sorgsam nachgestellt . Nur die neptunischen und plutonischen Urkräfte , die im Geistesleben der Natur , also der Menschheitsgeschichte wirken , blieben verhüllt wie zuvor . Man vermochte die vulkanischen Kräfte der französischen Revolution noch immer nicht nach ihrer Gattungsart und ihrer inneren geologischen Lage genau in ihre Bestandtheile aufzulösen . Und doch lehrt jene große Auffassung , welche die Unzerstörbarkeit der Kraft und die Unzerstörbarkeit der Materie zugleich erfaßt , welche die geringste Bewegung des kleinsten Körpers in weitester Ferne als Ursache ewiger Folgen erkennt , wunderbare Schlüsse auch über die Menschenentwickelung . Ja , die Erhaltung oder Beharrlichkeit der Materie-Kraft , wie sie Herbert Spencer in seinen » First principles « bereits in die abstracte Philosophie einführte , scheint gewiß nur ein größeres allgemeines Vorbild der Geistkraft-Erhaltung , so daß nichts im Haushalt des Menschendaseins umsonst geschieht und kein Körnchen von der großen Gesammtheit getrennt werden kann , ohne den ganzen Bau zu stören . Hierdurch wird das Gejammer über jegliches persönliches Leid zur Narrheit , da es ja zur Gesammtordnung mitgehört , zugleich aber auch die Ueberhebung jeder Größe ein eitler Wahn , da alles Existirende in gleichem Maße dem großen Endzweck dient . Der Baum der Erkenntniß ist nicht der des Lebens , wohl wahr , wenn man das thörichte Sinnenleben im Kampf ums Dasein meint . Wohl aber pflückt man von diesem Baume eine süße Frucht , welche gottähnlich macht und doch gerade durch diese gottähnliche Milde jeden Größenwahn für immer zerstört . Denn das eigentliche innere Wesen des Größenwahns ist die Selbstsucht , eine tollgewordene Selbstsucht , die mit einer Art Farbenblindheit nichts sieht als sich selbst und mit neidischem Haß alles verfolgt , was außer ihr selber existirt . Diese Neidwuth zähmt sie nur dann , falls irgend ein augenblicklicher