wurden täglich vierzig Arme in dem bischöflichen Hause gespeiset , und zweimal im Jahre gekleidet . Der Herzog Sobeslaw und seine Gattin Adelheid stifteten und hielten noch bei der Zeit ihres Lebens ihr Totenjahresgedächtnis . Es wurde eine Woche von Allerheiligen an mit Gottesdienst , Beten , Fasten , Almosen von dem Herzoge und der Herzogin und den Priestern und Nonnen Prags gefeiert , und am letzten Tage hielt der Herzog mit den Priestern ein festliches Mahl in dem Priesterhause des Wysehrad . Soll ich euch noch sagen , was die erlauchten Herzoge von Böhmen und Mähren für den Glauben und die Kirche gestiftet und getan haben ? Ihr wisset dieses alles ohnehin . So hoch haben solche Männer den Glauben geachtet . Du , Wratislaw , wirst in dieser Welt nicht zu Grunde gehen , und wirst nicht in die Erde versinken , wenn du für die Sünde gegen den Herzog nicht Buße tust ; aber du wirst in jener Welt ewig verdammt sein . Und wie die Freude kein Auge gesehen , und kein Ohr gehöret , und wie sie in keines Menschen Herz gekommen ist , die Gott denen bereitet hat , die ihn lieben : so hat die Strafe kein Auge gesehen , kein Ohr gehöret , und sie ist in keines Menschen Herz gekommen , welche die trifft , die seine Gebote verachten . Und von allem Fehler muß man sich reinigen , zur Zerknirschung , zur Reue , zur Buße , zur Genugtuung muß man kommen , wenn man zu dem Vater in dem Himmel eingehen will . Der Heiland hat gesagt : Ich bin sanftmütig und von Herzen demütig . Der Heiland hat gesagt : Wer in das Himmelreich eingehen will , nehme sein Kreuz auf sich , und folge mir nach . Der Heiland hat gesagt : Wenn ihr nicht unschuldig werdet wie diese Kleinen , werdet ihr nicht in das Himmelreich eingehen . Nicht nur um Verzeihung mußt du wegen der Sünde gegen den Herzog bitten , Wratislaw , du mußt Reue fühlen , du mußt Buße üben , du mußt Genugtuung leisten , und mußt alles das Gott opfern in der Liebe zu Gott . So habe ich zu dir gesprochen , so habe ich zu denen gesprochen , die gegen den Herzog gesündiget haben . Bedenket es , und denkt an den Glauben . « Nach diesen Worten schwiegen alle in der Versammlung , und es schwiegen die Abkömmlinge Premysls , an welche die Worte gerichtet gewesen waren . Nach einer Zeit sprach der Herzog : » Hocherhabener Kardinal , Ihr habt geredet in den Sachen des heilgen Glaubens , und für den heiligen Glauben . Wir haben gehöret . Und wie wir Euch danken für alles , was Ihr schon in unseren Ländern geredet und getan habt , und wie wir auch danken werden für das , was Ihr noch reden und tun werdet : so danken wir Euch für diese Worte . « Otto , der Bischof von Prag , stand auf , und sprach : » Wir danken demütig und ehrerbietig dem hocherhabenen Kardinale , dem Abgesandten des Heiligen Vaters . « Und alle Männer in der Versammlung erhoben sich , und sagten : » Wir danken demütig und ehrerbietig dem hocherhabenen Kardinale , dem Abgesandten des Heiligen Vaters . « Der Herzog sprach hierauf : » Und nun rede ich zu euch , ihr hohen Herren der Kirche , Priester der Kirche , Sprossen Premysls , hohe und niedere Herren der Länder Böhmen und Mähren . Weil wir zu Ende geführt haben , weshalb wir in diesem Saale versammelt waren , so danke ich euch , und verabschiede euch . Und wenn kleinere Rattage sind , so werden wir in dieser Zahl , und noch um Tausende vermehrt zusammen kommen , wenn die Kirche des heiligen Veit eingeweiht wird , die hergestellt ist , und in der der Gottesdienst beginnt . Und so gehabt euch wohl . « Die Versammelten blieben noch sitzen . Dann stand Guido , der Kardinal , auf , und sagte zu dem Herzoge Wladislaw : » Sei gesegnet , Sohn der Kirche . « Wladislaw stand auf , und entblößte sein Haupt . Dann sprach Guido , der Kardinal , zu den Versammelten : » Seid gesegnet , Söhne unseres Glaubens . « Die Versammelten standen alle auf , und entblößten ihre Häupter . Dann sagten der Herzog und der Kardinal einander die Abschiedsgrüße , und jeder von ihnen ging mit seinem Gefolge bei einer andern Tür hinaus . Die Männer , welche versammelt gewesen waren , zerstreuten sich jetzt auch von ihren Sitzen , und verließen den Saal . Die mährischen Fürsten gingen auch bei einer Tür hinaus . Von dem Tage an waren nun viele Versammlungen der hohen Herren der Kirche , zu denen auch Räte und Hofherren des Herzoges und Lechen und Herren des Landes geladen wurden . Es war an dem , daß kein Priester fortan mehr in der Ehe leben sollte , und der eine Gattin hatte , sollte sich von ihr trennen , oder seine Würde verlassen . Dann sollten die beiden Bischoftümer Böhmen und Mähren in einzelne ständige Pfarreien eingeteilt werden , und jeder Priester sollte die Weihe nur für eine voraus besagte Pfarre erhalten . Die heidnischen heiligen Haine und Bäume , Feste auf den Gräbern , Wahrsagerei und Zauberei sollten aufhören , und es sollten die christlichen Sonntäge und Feiertäge und Festtäge gehalten werden . Guido beriet mit den Kirchenherren die Mittel dazu . Es kamen nun aus vielen Gegenden Pfarrer und Priester , und selbst solche , die nur unvollkommene Weihen erhalten hatten , und der Kardinal Guido sprach mit einem jeden von ihnen . Er ließ auch manche berufen . Zu dem Rate über das mittägliche Waldland wurde auch Witiko , und es wurden die anderen Herren und Männer des Waldes geladen . Als Witiko gefragt wurde , wie es in dem Walde sei , sprach er : »