an seinem Platze gewesen wäre , in denen seine Seele hätte Schaden leiden können und , er wies den Ausdruck Anfangs von sich , aber er drängte sich ihm ihm immer wieder auf , in denen er in Gefahr gewesen war , sich zu erniedrigen . Wie er sich auf den stolzen Schwingen seiner guten Vorsätze über seine Eltern erhob , so sah er von seiner neu erklommenen Höhe auf alle seine bisherigen Verhältnisse herab , und wie fern er sich auch von der bürgerlichen Gesellschaft fortan zu halten entschlossen war , wollte er doch nicht , daß irgend Jemand sich über ihn zu beklagen oder ihn der Versäumniß einer gesellschaftlichen Form zu zeihen haben sollte . An ihm , an einem Freiherrn von Arten , sollte , so weit er es verhindern konnte , kein gerechter Vorwurf haften . Er hatte bis zum nächsten Mittage noch vollauf Muße , alles , was ihm oblag , zu ordnen und abzuthun . Er sendete seinen Burschen fort , einige Rechnungen zu bezahlen , verschiedene kleine Besorgungen zu machen ; dann suchte er die Bücher zusammen , welche er im Laufe der Zeit von Seba entliehen hatte , packte sie sorgfältig ein und setzte sich nieder , ihr zu schreiben ; indeß er konnte die Form dafür nicht finden . Er wünschte sich einfach zu verabschieden , aber es kam ein vornehmer , feierlicher Ton in seine Worte , der ihm selbst fremd und dann auch kränkend für Seba erschien , bis er nach mehreren vergeblichen Versuchen , ein förmliches und doch freundliches Billet zu Stande zu bringen , sich sagte , daß er ein Unrecht begehe , wenn er sich zu einer Vertraulichkeit zwinge , die er nicht mehr fühle , und daß es demjenigen , der sich zu einem Charakter zu erziehen wünsche , weil er die Kraft eines solchen in sich trage , wohl anstehe , auch in Kleinigkeiten den Muth seiner Meinung zu haben . Er las sein Schreiben mehrmals durch , es gefiel ihm allmählich immer besser , und als er das freiherrlich von Arten ' sche Siegel mit seinem » Fortis in adversis « darauf drückte , hatte er eine Genugthuung , als ob er eine gute That vollbracht oder eine schwierige Arbeit beendet hätte . Er ließ die Koffer zuschnallen , die Kisten vernageln , in denen alles , was nicht zu seiner Feldausrüstung gehörte , in Berlin zurückbleiben sollte . Die Gräfin Rhoden hatte sich erboten , ihm diese Sachen aufzuheben . Es that ihm leid , daß er sie , deren Wohnung sehr eng war , damit beschweren mußte , und er dachte an die großen , weiten Räume , an die Fluren , Zimmer , Galerien und Remisen im Flies ' schen Hause , um dabei die Betrachtung anzustellen , wie gut sein Vater es in seiner Jugend gehabt habe , als dieses Haus noch in Tante Esther ' s Händen gewesen war , und um es zu beklagen , daß ein so schicklicher Besitz für seine Familie verloren gegangen sei . Er hatte das nie vergessen können , wenn er bei Seba gewesen war , und schon deßhalb war es ihm lieb , mit den Eigenthümern jenes Hauses künftighin nicht mehr in Verkehr zu bleiben . Es dunkelte schon , als die bestellten Träger sich mit seinen Sachen auf den Weg machten , und es war ziemlich spät , als der heimkehrende Diener ihm ein Briefchen der Gräfin einhändigte , in welchem diese die Erwartung aussprach , daß sie ihn heute noch sehen werde , da sein letzter Abend in Berlin , falls er nicht mit jüngeren Genossen eine Verabredung getroffen habe , nothwendig seinen ältesten Freunden zugehören müsse . Er sah aus den wenigen Zeilen , daß Hildegard der Mutter ihren heutigen Streit mit ihm verschwiegen hatte , denn die Gräfin würde desselben sonst in einer oder der anderen Weise erwähnt oder unter den obwaltenden Umständen es vielleicht vermieden haben , den Jüngling , der ihr Haus im Mißmuthe verlassen hatte , zur Wiederkehr aufzufordern . Renatus fand sich dadurch aber in Verlegenheit gesetzt , und da er nun begonnen hatte , sein Thun und Handeln , wie er es nannte , einem strengen Urtheile zu unterwerfen , dünkte ihn sein ganzes Verhalten gegen seine mütterliche Freundin , gegen die Gräfin Rhoden , die ihm zutrauensvoll den freiesten Verkehr mit ihren Töchtern gestattet hatte , noch weniger tadellos , als sein Betragen gegen Hildegard . Beiden war er eine Erklärung schuldig , aber um sie zu machen , bedurfte er einer genauen Prüfung seines Herzens , und er war nicht ruhig genug , eine solche anzustellen . Die Fragen seines Dieners , die mancherlei Anordnungen , welche er zu treffen hatte , unterbrachen und zerstreuten ihn , wenn er sich zu sammeln strebte , nur daß er vor sehr ernsten Entscheidungen stehe , fühlte er deutlich und immerfort . Es war kein Tanz , zu dem er morgen auszog ! Seit die Geschichte die Thaten der Menschen aufgezeichnet hatte , war kein so gewaltiger Heereszug unternommen worden . Die ungeheuren Vorbereitungen , welche Napoleon getroffen hatte , ließen auf die Schwierigkeiten und auf den furchtbaren Widerstand schließen , den er selbst erwartete . Glänzende Erfolge waren für den Theilnehmer an diesem Kriege eben so möglich als das größte Unheil und Elend . Renatus konnte ruhmgekrönt , er konnte siech und verstümmelt wiederkehren : der Abschied , den er heute von dem Mädchen nahm , das er seit einiger Zeit als seine Geliebte und künftige Gattin im Herzen getragen hatte , konnte ein ewiger sein . Aber eben das machte ihn nur bedenklicher , Versprechungen zu leisten oder zu begehren , und dazwischen wunderte er sich , daß die Aussicht , von Hildegard zu scheiden , ihn nicht mehr erschüttere , daß er weit weniger an sie , als an die bevorstehenden wechselnden Ereignisse und Abenteuer seines Kriegerlebens denke , daß ihn die Hoffnung , Vittoria wahrscheinlich wiederzusehen , weit lebhafter