, deren Devise die Unübertrefflichkeit ihrer Heimat ist . Beim Gespräch über Lindenwerth , die Pensionärinnen , Armgart , mußte man denn auch auf Armgart ' s Mutter kommen , Monika von Hülleshoven . Sie kennen sie ? fragte der Geistliche Terschka . Auch Schulzendorf horchte auf . Einen Namen hörte er , den er von Kocher am Fall kannte . Sie hat eine Tochter hier in der Erziehungsanstalt auf der Insel ! fuhr Terschka fort . Ich hoffe sie heute noch zum Kaffee auf der Terrasse kennen zu lernen ! Gnädige Frau hatte die vortreffliche Idee , die Terrasse heute zum Salon der kleinen Zöglinge zu machen ! Engeltraut schwieg zu der freudigen allgemeinen Acclamation . Zu vieles wußte er , was mit dieser Bemerkung schmerzlich zusammenhing . Erstens , welche Bedenken diese Einladung drüben bei den Englischen Fräulein überhaupt hervorgerufen hatte . Doch hatte er der Schwester Aloysia gesagt : Unser Herr spricht : » Reinige zum ersten das Innenwendige am Becher ! « woran er die Betrachtung knüpfte , daß man von dem Auswendigen nicht zu viel Wesens zu machen brauchte ... Dann hatte er vor wenig mehr als einer Stunde erst mit Angelika und Schwester Aloysia die Briefe aus Wien und Kocher lesen können ( denn zwei Taufen und ein Krankenbesuch hatten ihn sogleich nach der Application in Anspruch genommen ) ; den Rath hatte er gegeben , » abzuwarten « - ein für Armgart nicht minder als das Wort » Geduld « höchst antipathischer Begriff ... Den Major fragte er nach dem Obersten , Armgart ' s Vater . Jedes allgemeine Gespräch pflegt sonst von dem Uebergang zu Persönlichkeiten gestört zu werden . Hier aber ereignete sich der Fall , daß die Mittheilungen , die der Major von dem Obersten von Hülleshoven machte , manchen interessirten . Ja als er auf Kocher am Fall überhaupt zu sprechen kam und das neueste nachbarliche Erlebniß erwähnte , das Erbrechen eines Grabes drüben , als er den Antheil schilderte , den daran eine gewisse Lucinde Schwarz hätte , die den noch immer nicht aufgefundenen Thäter auf die Idee gebracht , in einem Sarge Schätze zu suchen , da wurde plötzlich alles rege und ging wild durcheinander . Selbst der immer stummer gewordene Herr von Binnenthal fuhr auf und die gerade von möglichen Gewittern und der richtigen Abgangszeit der Dampfschiffe sprechende Frau von Guthmann und beide ganz in Beethoven , Mozart und jetzt wieder die köstlichen Früchte des Desserts und die Vergleichung der geographischen Breitengrade des Enneper Thals mit den » Vierlanden « bei Hamburg verlorenen Damen Carstens riefen wie elektrisch berührt : Lucinde Schwarz ? ! Eine ultramontane Emissärin , die in den gegenwärtig schwebenden Zeitläufen - begann der Major ... Der Major würde mit diesem für die Nähe eines Pfarrers ziemlich scharfen Worte und den naturgemäß zu erwartenden Repliken , dann wieder bei den darauf folgenden nähern Erläuterungen leicht bei dem vortrefflichen Dessertwein sich eine leise Anspielung erlaubt haben können auf den nicht ostensibeln Grund seiner heutigen Anwesenheit in dieser Gegend , wenn nicht in diesem Augenblick der allgemeinsten Spannung und durcheinander fahrenden Fragen : Lucinde ? - katholisch ? - wo ? - wann ? - ein Blitzstrahl das seither immer dunkler gewordene Zimmer erleuchtet hätte . Der erschreckenden Helle folgte in so raschem Aufeinander ein erschütternder Donner , daß alles aufsprang , weil man voraussetzte , es müßte irgendwo in der Nähe eingeschlagen haben . Das Diner war damit zu Ende . Rasch lehnte man die bunten Fenster zurück und sah entsetzt ins Freie . Zum Glück wurde nirgends ein Feuer oder Rauch ersichtlich , aber der ganze Himmel war eine einzige große graue Wolke ; ein Gewitter tobte und der Regen floß . Die Damen Carstens vergaßen alle Gemüse- und Obstzucht in der Welt , alle Confessionsunterschiede und bedachten nur ihre Schuhe von Zeug und die mangelnden Regenschirme und die Weiterfahrt auf dem Dampfschiff . Ueberall fanden sie gefährlichen Zugwind , riethen zum Schließen von hundert Fenstern , die sie in der Nähe und dann auch sogleich weit offen stehend witterten . Auch Frau von Guthmann verlor ihre erkünstelte Heiterkeit und flüsterte mit ihrem Gatten . Herr von Binnenthal hatte noch mit dem Dampfboot in die Residenz des Kirchenfürsten zurück wollen ! Bereits zum öftern war von ihm die Nothwendigkeit einer Eisenbahn nach Belgien behauptet worden ... Wirklich war es nun ein Gewitter , als hätte sich wochenlang darauf die Natur vorbereitet . Während man gemüthlich aß und plauderte , hatten Stürme die Wolken immer dichter heraufgejagt . Sie entluden sich in Blitzen , die dicht in der Nähe schon in den dunkelwallenden Strom schlugen . Das hatte sich erst von Westen her in einzelnen Vorboten angekündigt . Dann kam ein dunkelblauer Streifen , der sich ausdehnte wie mit Drachenflügeln , Staubwirbel aufriß , die wie in Trichterwindungen sich drehten , die Thüren zuschlugen , Fenster zerklirrten ... Jetzt brach ein Regen mit Schloßen aus und mit Blitz und mit Donnergekrach ... Nun das ganze von Besuchern überdeckte Thal ! ... Ueberall in Berg und Flur weißschimmernd die hochaufgenommenen Kleider ! ... Stimmen dazwischen ! ... Hülferufe nach einem Kinde , das fehlte und nicht geborgen ! ... Die Sonntagsfreude allen dahin ! ... Wo sollten die Lustgänger sich bergen ! ... Wo sollte sich alles ducken und verstecken ! ... Arme Jugend auch von drüben , von Lindenwerth , dein Besuch der Villa wird zu Wasser ! Oder - ist es denn möglich ? Nein ! Neuer Schrecken ! In diesem Tumult der Elemente kommen ja eben wirklich vom Ufer , dort unten ausgestiegen , die neunundzwanzig jungen Mädchen wie eine versprengte Wallfahrt daher ! Wie ebenso viele Tauben zeichnen sie sich am grauen Horizonte ab ! ... Man sieht sie im aufgeweichten Boden versinken , kämpfen gegen die Fluten vom Himmel mit ein paar alten Regenschirmen ! ... Sieben auf einen , den dann alle sieben auch halten müssen , wie wenn sie mit Sturmböcken gegen die empörte Natur anliefen ! Schirme