. Im Vorzimmer , um bis an das Ende des Apartements zu gehen , sah man die Dienerschaft des Hauses die Erfrischungen herrichten , und die Limonaden sowie das Gefrorene vorher heimlicher Weise versuchen , ob es auch wohl würdig sei , den Gästen präsentirt zu werden ; - sowie auch den Herrn von Dankwart , der eigentlich hieher gehörte , und der einem Kammerdiener anempfahl , es ihm ja augenblicklich zu melden , sobald der Wagen der Frau Herzogin vorgefahren sei . Einen unserer Bekannten suchten wir bis jetzt überall vergebens , den Herrn von Brand nämlich , der aber eingeladen und auch erschienen war . Doch fanden wir ihn nicht , weil er , wie der Herr von Dankwart , bald hier bald dort war , übrigens eine ganz andere Rolle spielend ; denn während dieser sich vordrängte , viel sprach und also leicht bemerkbar war , zog Jener sich zurück , knüpfte fast gar keine Unterhaltungen an und schien nur aus der Ferne dies und das zu beobachten . Jetzt näherte er sich dem Spielzimmer , trat aber dort sogleich in eine Fensternische und ließ sich auf einem kleinen Fauteuil nieder , der ihn durch den daneben herabhängenden Vorhang fast ganz verbarg . Es waren in diesem Zimmer drei Spieltische aufgestellt , und man arbeitete fast überall mit dem Strohmann ; doch war der Stuhl desselben fast nirgendwo unbesetzt , und wenn sich ein Zuschauer von demselben erhob , so nahm gleich ein anderer darauf Platz . An dem Tische , der dem Baron zunächst stand , saß Seine Excellenz der Oberststallmeister , der Hofmarschall , sowie ein kleiner alter , vertrockneter Herr , dessen Bekanntschaft wir noch nicht gemacht . Er hatte ein spitziges Gesicht von unangenehmem Ausdruck , tief liegende , trübe Augen , wenig Zähne und auf dem Kopfe eine Perücke , deren Farbe offenbar zu dunkel abstach gegen seine fahle , verlebte Gesichtsfarbe . Der alte Herr saß mit ziemlich gekrümmtem Rücken da und bückte sich bei jeder Karte , die ein Anderer ausspielte , noch tiefer hinab , wobei er die Augen blinzelnd zusammen kniff . Zuweilen bediente er sich auch einer Lorgnette , die neben ihm lag , um einen etwas entfernten Stich betrachten zu können . Seine Finger waren unendlich mager und zitterten oftmals so heftig , daß er mit der rechten Hand nachhelfen mußte , um die in Unordnung gerathenen Karten wieder gehörig aufzurichten . Wenn wir dem geneigten Leser sagen , daß er von seinen Mitspielenden mit » Excellenz « angeredet wurde , daß er über der weißen Atlasweste ein breites Band trug , sowie auf dem schwarzen modischen Frack einen blitzenden Stern , so wird derselbe versichert sein , daß wir ihn soeben mit einer sehr vornehmen Person bekannt gemacht haben . Es war dies Seine Excellenz , der in dieser Geschichte schon einige Mal erwähnte pensionirte General-Adjutant Baron von W. , in seiner Jugend ein gewaltiger Eroberer in mancherlei Beziehungen , jetzt nur noch eine alte , verdrießliche Ruine , die nur in solchen Augenblicken etwas freundlicher aussah , wenn sie von der Sonne allerhöchster Huld und Gnade beschienen wurde . Neben ihm , auf dem Platze des Strohmanns , saß seine Frau , die Baronin W. , und man konnte sich keinen größern Kontrast denken , als dieses Ehepaar darstellte . Sie war eine schöne Frau in den Zwanzigen , hatte volle , schwellende Formen , einen unbeschreiblich weißen , aber sehr blassen Teint und die schönsten hellblonden Haare , die man sehen konnte . Die Baronin war einfach in hellblaue Seide gekleidet ; ihr Schmuck war unbedeutend und bestand nur in Perlen , die sie am Armband und in den Ohrringen trug . Sie war , wie gesagt , heute noch eine der reizendsten Erscheinungen , mußte aber vor Jahren wunderbar schön gewesen sein , als sich die Frische der Jugend noch in den Formen ihrer Gestalt ausdrückte und als ihr jetzt etwas umflortes Auge noch im vollen Glanze strahlte . Sie war etwas stark geworden und ihre Augenlider hatten eine eigenthümliche Färbung ; dunkler als die Stirne lag über ihnen ein Schimmer von Rosa und Braun , welches aber das Gesicht durchaus nicht entstellte , ja es womöglich noch anziehender und interessanter machte . Wie schon gesagt , saß sie an der Stelle des Strohmannes und hatte den vollen weißen Arm so auf die Ecke des Tisches gelegt , daß der Fächer , der am Handgelenke befestigt war , frei herab hing und hin- und herschwebte , welches Spiel sie angelegentlich zu betrachten schien . Zuweilen aber , wenn Seine Excellenz einen Ton des Mißfallens oder der Freude hören ließ , hob sie die müden Augenlider empor und schaute über die Karten hin , wobei ein leichtes Lächeln um ihren Mund spielte , wenn sie den Blicken des Gemahls begegnete . Der Herr von Brand saß so in seiner Ecke , daß ihm Seine Excellenz der General-Adjutant den Rücken zudrehte , er dagegen der Baronin in ' s Gesicht sehen konnte . Seine Excellenz bekam vortreffliche Karten und nahm häufig ihre Lorgnette , um die Stiche zu betrachten . Auch lachte sie zuweilen laut hinaus , was zwar durchaus nicht angenehm klang , aber die Freude ihres Herzens bekundete . Die Baronin schien an dieser Freude offenbar Antheil zu nehmen , denn sie ließ ihr Fächerspiel bleiben , stützte den Kopf auf ihren Arm und begleitete das triumphirende : » enfin - petit Schlemm ! « Seiner Excellenz mit einem freundlichen Kopfnicken . Als sie in diesem Momente das Gesicht erhob , und , gewiß zufälliger Weise , ihre Blicke durch das Zimmer schweifen ließ , begegneten sie denen des Herrn von Brand , der sie aufmerksam und fest ansah . Es mußte für sie etwas Seltsames in diesem Anschauen liegen , denn ihre Gesichtszüge änderten sich vielleicht während einer Sekunde , was sie fühlte , denn sie blickte fast erschrocken auf ihren Gemahl , der aber in seine Karten sah und durchaus