immer im Familienzimmer stehen . « Heinrich ging aber dennoch höchst unruhig hin und her ; denn er mochte nicht unhöflich und eigensinnig dem Tun der ungewöhnlichen und tüchtigen Dame entgegen sein , und doch fühlte er sich ganz befangen und beschämt , sich dergestalt einzuquartieren und umzukleiden in einem adeligen Hause . Inzwischen entstand Geräusch in dem Gartenhaus , und Dorothea trat wieder ein und sagte » So , nun gehen Sie und tun mir den Gefallen , sich umzukleiden ; kommen Sie , hierhin , zu Apollönchens Vater ! Komm , zeig ihm den Weg , mein Mädchen ! « Er ging nach der Anweisung der Frauenzimmer durch einen Gang und trat in die Gärtnerstube , wo der alte Gärtner und der Küster beisammensaßen und eifrig Tabak rauchten . Als er da abgegeben war , zog sich das Fräulein zurück , und das Apollönchen huschte hinter ihr drein ebenfalls auf und davon . » Kommen Sie nur , Herr oder wer Sie sind ! « sagte der Gärtner treuherzig , als er sah , daß Heinrich verblüfft dastand , » hier geht es nicht anders zu . Der Herr und das junge Fräulein stellen immer solche Geschichten auf , das sind wir schon gewohnt , und es hat noch nie ein schlimmes Ende genommen , sondern sich immer als richtig und erbaulich herausgestellt ! Treten Sie nur in diese Kammer , wenn ' s beliebt , da hat die gute Dame einen ganzen Kram herschleppen lassen aus des Grafen Garderobe und selbst mitgetragen ! « Heinrich ging demzufolge in die Kammer und fand da einen vollständigen Anzug vor vom Kopf bis zum Fuß , nebst feiner frischer Leibwäsche ; nichts war vergessen , selbst die warme seidene Halsbinde nicht . Er wusch sich erst Gesicht und Hände und kämmte sein wirres Haar ; dann kleidete er sich langsam und bedenklich an , und als er fertig war , getraute er sich nicht hervorzukommen , sondern setzte sich auf einen Stuhl und stellte allerlei Betrachtungen an . Da fiel sein Blick auf seine schlechten , beschmutzten Kleider , die am Boden lagen , und er schämte sich , daß er sie nun da lassen sollte , und wußte nicht , was mit ihnen zu beginnen sei , bis er sie wieder anzöge . » Wahrhaftig « , sagte er , » ganz , wie ich es geträumt ! Nun , zum Teufel , solange das Leben so alle Traumgedichte überbietet , wollen wir munter sein ! « Er glaubte sich endlich am besten aus der Sache zu ziehen , wenn er die armen Kleidchen ordentlich zusammenlegte . Er legte sie säuberlich auf einen Stuhl in der Ecke , stellte die zerrissenen Stiefelchen ehrbar unter den Stuhl , als ob es die feinste Fußbekleidung wäre , und machte sich endlich auf den Weg nach dem Saale . Dort fand er unversehens den Grafen vor nebst einem stattlichen katholischen Priester , die beide von der Jagd gekommen schienen ; denn der Graf war im grünen Jagdkleide mit hohen Stiefeln , und der Geistliche trug noch über seinen wohlausgefüllten schwarzen Rock eine Weidtasche , und seine kanonischen Stiefeln waren arg voll Kot . Auf dem Boden lagen Hasen und Hühner nebst einem toten Reh , und am Tische lehnten die Gewehre . Der Graf selbst war ein großer schöner Mann , und Heinrich erkannte ihn sogleich wieder , nur daß seine Haare und sein Bart stark mit Grau gefärbt waren , was ihm indessen sehr wohl anstand . Er ging rasch auf Heinrich zu , schüttelte ihm die Hand und sagte » Das ist ja eine kostbare Geschichte , hören Sie ! Nun sein Sie willkommen , junger Mann ! Ich erinnere mich Ihrer noch sehr wohl und bin neugierig wie ein Stubenmädchen , was Sie uns zu erzählen haben werden . Morgen wollen wir des weitläufigsten plaudern , jetzt aber ungesäumt ans Abendbrot gehen ! Herr Pfarrer ! Sie werden nichts dagegen haben , kommen Sie ! « Er faßte Heinrich unter den Arm , der Pfarrer gab der Dorothea den Arm , indem er einen höflichen Kratzfuß machte und ein schalkhaft lächelndes Gesicht schnitt , und so brach die Gesellschaft auf und ging durch einen langen Garten nach dem Hause , während die Gärtnerstochter ihrer Herrenfreundin mutwillig Gutnacht nachrief . Man trat jetzt in ein wohlgeheiztes behagliches Zimmer und setzte sich um einen runden Tisch , der bereits sehr elegant und stattlich gedeckt und angerichtet war , und Heinrich aß abermals und mit gutem Behagen , da das sichere und edle Wesen des gräflichen Mannes ihn vollständig aufgeweckt und beruhigt hatte . Denn für einen ordentlichen Menschen ist es fast ebenso wohltuend und erbaulich , einen wohlbestellten , schönen und rechten Mann zu sehen als schöne und gute Frauen . Die trefflichen Leute unterhielten sich heiter und behaglich , ohne Heinrich besonders in Anspruch zu nehmen , und es atmete alles , was sie sagten , ein festes und offenes Gemüt . Doch sagte der Graf nach einer Weile zu ihm » Es ist doch eine allerliebste Geschichte ! Ei , erinnern Sie sich auch noch der Ursache unserer Bekanntschaft , der groben Schlingel , die Ihnen damals die Mütze abschlugen ? « » Sicher « , sagte Heinrich lachend , » aber was diesen Punkt betrifft , so habe ich heute bei meinem Abzug jenen Einzugsgruß mit Zinsen zurückgegeben ! « Er erzählte hierauf sein Abenteuer mit dem Flurschützen . Der Graf warf ihm einen feurigen Blick zu und sagte » Wenn Sie aber müde sind , so gehen Sie ohne Zaudern zu Bett , damit wir morgen desto munterer sind ! « » Wenn Sie ' s erlauben ! « sagte Heinrich , stand auf und machte die zierlichste Verbeugung , die er in seinem Leben je gemacht und von der er am Morgen nicht geträumt hätte , daß er sie je machen würde ; doch mußte er beinahe dazu lachen . Die kleine Gesellschaft lächelte ebenfalls freundlich