an . Fuchsius theilte ich sie Ende des vorigen Jahres mit , wir hatten darüber Gespräche , seit sechs Monaten ist er mit der Ausarbeitung des Promemoria beschäftigt , stückweise kannte ich die Arbeit schon früher , in ihrer vollendeten Gestalt legte er sie mir vor drei Monaten vor . Ihre Brochüre trägt die Jahreszahl 1806 an der Stirn . Die Sache ist damit zu Ende . « Walter verbeugte sich und ging . Der Minister schien es nicht erwartet zu haben : » Sie haben mir nichts mehr zu sagen ? « wandte er sich noch einmal um . » Seit Sie mir zu sprechen verboten haben . Ich würde sonst , was Excellenz vielleicht entgangen , bemerklich gemacht haben , daß es Buchhändlerart ist , auf Druckschriften , die am Ende eines Jahres erscheinen , die Jahreszahl des folgenden zu setzen ; daß ferner unter meinem Vorwort das Datum steht , an dem ich die Schrift vollendet , und das war schon in der Mitte vorigen Jahres , also ehe Euer Excellenz Herrn von Fuchsius die Aufgabe stellten ; ferner , wenn es in einer so unwichtigen Angelegenheit darauf ankäme , könnte ich durch den Buchdrucker mein Manuskript , durch das Zeugniß von Freunden darlegen , wie ich die betreffenden Stellen bereits Anfang vorigen Jahres niedergeschrieben hatte . Ich könnte auch bemerken , daß aus einer gedruckten Schrift , welche beinahe ein Jahr cirkulirt , sich leichter Auszüge machen lassen , als aus einer schriftlichen , die im Bureau eines Ministers unter dem Siegel der Amtsverschwiegenheit bewahrt ist . « » Halt ! Die sämmtlichen Exemplare Ihrer Schrift sind aufgekauft und makulirt worden , ehe sie ins Publikum kamen . « - » Wer that das ? « rief der Erstaunte . - - » Ihr eigener Vater . Weil er es bereute , ließ er mir das letzte Exemplar durch Herrn von Dohleneck zustellen . « - » So könnte ich schließlich darauf aufmerksam machen , « sagte Walter , » daß ich mit dem Herrn Regierungsrat in durchaus keinen Relationen stehe . « - » Kennen Sie Herrn von Fuchsius ? « unterbrach ihn der Minister , der schon in der Mitte de Rede mit eigenen Gedanken beschäftigt schien . - » Man rühmt ihn als einen unserer befähigtesten jüngeren Beamten , dem eine glänzende Karriere bevorsteht . « - » Ich frage , ob Sie ihn kennen ? Persönlich ? Schickten Sie ihm wirklich kein Exemplar ? Wissen Sie , daß er keines besessen ? « - Als Walter den Mund öffnete , schoß wieder ein Lichtstrahl durch das Zimmer . Er erinnerte sich , als er bei jenem anderen Minister eine Audienz erhalten , daß Herr von Fuchsius damals aus dem Zimmer gegangen , daß dem Minister kurz zuvor ein Vortrag über die Schrift gehalten sein musste . In dem ersten Moment fuhr ein Lächeln über sein Gesicht . Er erinnerte sich , daß Fuchsius , als er durch das Vorzimmer an ihm vorüber ging , eine Druckschrift aus der Tasche sah . » Herr Regierungsrath von Fuchsius ! « meldete in dem Augenblick der Amtsbote . - » Soll warten ! « sagte der Minister . » Im Bureau ! « rief er dem Voten nach . Er schien mit Gedanken beschäftigt , als er , die Hände auf dem Rücken , aus dem Fenster sah . War Walter vergessen ? Hatte der Staatsmann angenommen , daß er gehen müsse ? Sollte er jetzt gehen ? Sich räuspern ? Plötzlich wandte er sich um . Er hatte ihn nicht vergessen , aus dem Pult riß er ein Konzept , und warf es hin : » Versuchen Sie sich daran . Hier auf der Stelle . Da ist Papier und Feder . - Eine Ausarbeitung - ganz nach Ihrem Sinne - an die Lineamente brauchen Sie sich nicht zu halten ; da ist viel dummes Zeug darin . - Eine Stunde haben Sie Zeit . Ich habe Geschäfte , die mich wohl noch länger abhalten « Siebenundsechzigstes Kapitel . Blicke aus eines Ministers Fenster ins Volksleben . Die Thür schlug hinter ihm zu . - War das eine Rechtfertigung , daß der Minister dem jungen , ihm fremden Mann das Heiligthum seines Arbeitszimmers mit den offen stehenden Schränken überließ ? Walter konnte wieder lächeln , als aus einem halbgeöffneten Schubfach ein Körbchen mit Goldstücken ihm entgegenblitzte . Da lag auch ein versiegeltes Packet mit der Aufschrift : » Nach meinem Tode zu verbrennen . « Vornehme Leute haben oft eigene Vorstellungen , wie sie die von ihnen verletzte Ehre ihrer Untergebenen herstellen . Jedenfalls war es nur eine halbe Rechtfertigung ; der Minister wollte ihn durch die neue Aufgabe prüfen , ob er im Stande sei , selbstständig Gedanken zu entwickeln und auszuarbeiten . Das Konzept , das ihm übergeben war , enthielt flüchtige , von des Ministers Hand hingeworfene Sätze , etwa folgender Art : Was allgemeine Stimmung , wenn kein gesetzliches Organ dafür existirt ! - Jeder Minister ausschließlich in seinem Geschäftskreise - ein König oder Gliederpuppe . Fehlt jedes Element , den König aufzuklären über den wahren Status . - Geheime Kabinetsräthe . - Dahinter war ein dicker Dintenklecks . Der Schreiber hatte mit der stumpfen Feder aufgestaucht . Absolut nicht mehr möglich . Aut ! - aut ! - Fein anzufangen . - Dummes Zeug ! So Hardenberg nach heutiger Konferenz . Blücher würd ' s besser verstehen . - Dahinter einige Striche , Federproben , Eselsohren ! Daraus ein Promemoria entwerfen ! Allerdings das Zeichen eines großen Vertrauens . War Excellenz ' Denkweise so bekannt , daß er aus Chiffren und Hieroglyphen ein System konstruiren konnte ? Oder hatte er ihn absichtlich in ein Labyrinth gesetzt , um ihn auf bequeme Weise los zu werden , wenn er den Ausgang nicht fand ? Feder und Papier waren zurecht gelegt , aber Gedanken sollen dem Schreiben vorausgehen . Sie im Promeniren zu sammeln , war die Stube zu klein .