Schwester ! Ich dächte , mein Kind nannt ' ich Sie , Helene ! O Sie sind gut , Pauline ! Sie blieben mir die treueste Freundin trotzdem , daß es Ihnen wehe that , das Band , das Sie an den guten Desiré fesselte , getrennt zu sehen . Aber wie bewundert man Sie auch Beide in Paris ... O Helene ! Ja , alle Cirkel sind noch jetzt von Ihnen voll . Balzac hat mir versprochen , über uns alle einen Roman zu schreiben . Ich verbot es ihm , weil ich nach dem Nadasdi nichts mehr von Ihnen angezeigt fand . Deshalb ? Warum Nadasdi - Ich vermuthete , daß Sie selbst dieses Sujet behandeln würden . Sie haben so lange geschwiegen ? Warum erscheint nichts von Ihnen ? O ! ... antwortete Pauline ablehnend . Wie lieb ' ich Alles , was Sie schreiben , fuhr die gute , kritiklose Helene fort , die gar nicht ahnte , welche wunde Stellen sie berührte und wie sie eigentlich hinter dem Gegenwärtigen zurück war . In Amarantha erkannt ' ich Ihr Herz , in Nadasdi Ihre vorgeschrittene Kunst . Wäre ich nicht durch Egon um meine Besinnung gekommen , ich hätte ein Capitel von Nadasdi unter dem Titel : Moeurs hongrois ... übersetzt . Welche Phantasie haben Sie ! Hier dieses Zelt , Ihr Costüme , Pauline ! Sie sollten in Paris leben . Man würde Sie aufsuchen wie eine Priesterin des Geschmackes , eine Velleda , eine Druidin der Inspiration . Wir haben es jetzt sehr mit den Velleden und Druidinnen ! Ach , was bleibt uns auch nach dem Schmerze noch übrig als die Weissagung ! Auf unsern Trümmern wird man uns entweder zerschmettert finden , oder wenn wir uns erheben können , so ist es nur in der Mission der Prophetie ! O meine liebe Pauline , was erlebt ' ich seitdem ! Sähen Sie in Alles hinein bis auf den Grund , wie würden Sie , wenn Sie ' s beschreiben wollten , die Menschen rühren , während denen freilich , deren Herz Sie sicher vertheidigen würden , es bräche ! Pauline war über alle diese Bemerkungen überglücklich . Es waren ihr Das nicht die Phraseologieen der neuromantischen Schule , sondern wirkliche Ergüsse reinster Aufrichtigkeit und Hingebung , ohne die Idee einer Ironie ! Das Lob , das sie so oft für ihre Feder empfangen hatte , war meist satirisch gemeint gewesen . Sie war weltklug und in einem gewissen Punkte nicht eitel genug , um auf diesem Bereiche Wahres und Falsches nicht sogleich zu unterscheiden . Aber diese Huldigungen der d ' Azimont , das wußte sie , die waren ganz naiv und aufrichtig gemeint . Auch die förmlich auf den Kopf gestellte Moral der beiden Frauen war zwischen ihnen chose convenue . Als ich von Odessa kam , sagte Helene , ich unerfahrenes dummes Ding , was wußt ' ich von der Welt ! Desiré gestand mir , daß Ihr Beide Euch geliebt hattet und ich fand Das edel und gut von Ihnen , denn Desiré verdient , daß man ihm wohl will . Sie drückten mich vor elf Jahren an Ihr Herz und die Thränen , die Sie weinten , als Sie die kleine Comtesse d ' Azimont zum ersten male sahen , werd ' ich Ihnen ewig gedenken . Wie oft fand ich diese Thränen in dem Nadasdi und der Amarantha wieder ! Sie entsagten und förderten mein Glück . Ihre Liebe , Ihre Freundschaft hat mich erst die Welt kennen gelehrt ; denn o Himmel , was war ich ? Was wußt ' ich ? Sylvester Rafflard in Osteggen war ebenso ein Ignorant , wie er jetzt ein Bösewicht ist und aus Rache , daß wir ihn , einem deutschen Pedanten zu Liebe , verabschiedeten , mich noch jetzt verfolgt . Er ist der treueste Rathgeber meiner Schwiegermutter geworden , dieser bösen Frau , die trotz ihres Strebens , kanonisirt zu werden , mein Unglück will . Rafflard ? sagte Pauline . Ich fand den Namen kürzlich in den Blättern angezeigt . Ein Name dieses Klanges , scheint mir , ist ... hier angekommen ? Der Himmel gebe , daß Sie sich irren ! rief Helene entsetzt . Ich haß ' ihn trotz seiner Freundlichkeit und alle Welt sagt , es ist ein Jesuit . Ich entsinne mich , Rafflard ! Professor Rafflard reist , um die Gefängnisse zu studiren - Das ist er ! Rafflard ist hier ? In den Zeitungen las ich , daß er einer Gesellschaft angehört , die es sich zur Aufgabe macht , das Loos der Gefangenen zu mildern ... Lug und Trug ! Es ist ein Jesuit , wie nur irgend einer in der Rue Jean Jaques Rousseau gebacken wird ! Er verließ die reformirte Religion nach den schlimmsten Streichen , die er sich in Genf erlaubte und muß durch den boshaftesten Zufall von der Welt der Rathgeber meiner Schwiegermutter werden ! Nach Egon ' s Abreise flog ich dem Geliebten nach und glauben Sie mir , nicht die Gefangenen sind es , die ihn herführen . Ich bin es ! Ich , die er wie eine Schlange umringelt hält , um mich von Egon loszureißen ... Die Gräfin theilt nicht die Toleranz ihres Sohnes ? Sie betreibt eine Scheidung . Sie will das Vermögen , das nach Desiré ' s liebevoller Anordnung mir allein anheimfällt , sich , der Kirche , dem Beichtstuhl , den Jesuiten erhalten . Rafflard hier ! Auch Das noch ? O ich bin sehr , sehr unglücklich , Pauline . Damit flossen Helenens Thränen , wie die eines Kindes , dem alle seine liebsten Hoffnungen von der unerbittlichen Strenge eines Lehrers oder einer weisen Mutter zerstört werden . Pauline suchte Helenen zu trösten und versprach ihr Rath und Beistand . Nur sammeln Sie sich , sagte sie und vertrauen Sie mir ! Wie kommen Sie denn nur zu dieser verzehrenden Flamme , zu dem Prinzen Egon ?