in seinen Verhältnissen zerrüttet er sich , bei Hofe kehren sie ihm den Rücken , der Gemahlin muß er sich schämen , in der Kammer wird er aus übler Laune ein hohler widersprecherischer Schreier , kurz , er wird auf alle Weise ein elender und verkümmerter Mann . Weil er aber dazu gar keine Anlage hat , sondern vielmehr ungeachtet mancher Torheit bestimmt ist , sich zu einem ganz herrlichen und prächtigen Charakter herauszuarbeiten , zu einer Freude und Zier des Landes , deshalb Herr Diakonus , und deshalb , weil ich seiner sterbenden Mutter mein Wort auf ihn gegeben habe , ist es meine Pflicht , dieses Verhältnis , welches für mich eine Liebschaft bleibt , zu zerstören . « Die Streitenden gingen mit großen Schritten auf und nieder . Der Diakonus pries die Unschuld und den Schwung der Neigung , welche so entgegengesetzte Gefühle aufregte . Allein der hartnäckige Geschäftsmann ließ sich dadurch nicht rühren , sondern sagte : » Ich will ihn auch gar nicht daran hindern , das Mädchen geliebt zu haben . Er feire sie in seiner Erinnerung , er mache Gedichte der Wehmut an sie , Sonette und Terzinen soviel er will , er trage ihre Locke oder ihren Schattenriß , was er nun von ihr besitzt , auf dem Herzen , immerhin ! Liebe ist Liebe , aber Ehe ist Ehe . Die Ehe ist ein Geschäft , ein höchst wichtiges Geschäft . Nicht umsonst handelt ein Abschnitt in allen Landrechten von der Ehe und vom Eingebrachten und von der Gütergemeinschaft . Die Ehe soll dem Menschen einen Boden unter die Füße geben , nicht den Boden unter den Füßen wegziehen . Ein Geschäft muß ein Objekt haben , Liebe ist aber kein Objekt . Liebe gehört zur Ehe wie der fröhliche Trunk zum Abschluß eines guten Kaufes ; aber über das Glas Wein schließt man den Handel nicht . Er braucht noch gar nicht zu heiraten , denn er ist noch sehr jung , will er es aber tun , so gibt es unter unseren Gräfinnen und Fürstinnen und unter denen nebenan in Baden und Bayern auch schöne , blühende , gute Mädchen ; darunter soll er sich auslesen , die Bettlerin aber soll er lassen . Ich weiß wohl , daß jedes mißgefügte Liebespaar von seiner Torheit einen neuen Himmel und eine neue Erde datiert und die erste probehaltige Ausnahme . Wenn man aber nach wenigen Jahren die sogenannten Ausnahmen wiedersieht mit hangenden Flügeln , den Schmetterlingsstaub jämmerlich von den Schwingen gerieben , vernützt , abgeblaßt , so wendet sich einem das Herz im Leibe bei dem Anblicke von so trübseligen Bestätigungen der allgemeinen Regel um . « Der Diakonus , dessen Verstand unwillig manches zugeben mußte , was der andere vorbrachte , bediente sich jetzt der Wendung , welche bei einem Streite so ziemlich klar die Niederlage anzeigt . Er sagte nämlich , daß diese Drohungen wohl nicht ganz der Ernst des Oberamtmannes sein möchten , daß er gewiß Bedenken tragen werde , sie in ihrem vollen Umfange auszuführen . Darauf versetzte der Amtmann sehr kalt und fest : » Sie würden im Irrtume sein , wenn Sie diese Meinung wirklich hegten . Ich bemerke wohl , daß die Scherze , welche die junge Baronesse in ihrer liebenswürdigen Laune zuweilen über mich macht , Sie zum Lachen über mich anreizen , und es mag auch wahr sein , daß ich eine ziemlich sonderbare und graue Aktenfigur bin . - Ich habe neulich den sogenannten Patriotenkaspar verhört , darüber den Grafen vergessen , kam zu spät auf den Oberhof und fand meinen Freund , der vielleicht gesund mit mir gefahren wäre , erst wieder , als er blutend am Wege lag . Das war ein Schwabenstreich . - Indessen kann man solche begehen und doch bei manchem Punkte unbesieglich sein . - Glauben Sie mir , daß , wo ich mich in meinem Amte und Rechte fühle , alles von mir abgleitet , wie von einem Felsen und daß ich dann fest zu stehen weiß , wie ein Fels . Meinen liebsten Freund aber vor einem unsäglichen Elende zu bewahren , wie ich es nun einmal ansehe , das ist recht eigentlich meine Amtspflicht und mein Recht . Ich werde demnach , was ich angekündiget habe , durchzuführen wissen . « » Aber was wollen Sie denn mit ihm beginnen ? Er ist doch mündig ! « rief der Diakonus ereifert . » Leider ! « versetzte der Oberamtmann . » Es gibt Leute , die wenigstens bis zum dreißigsten Jahre unter Kuratel stehen sollten . Indessen ist auch ein Mündiger anzufassen . Was ich beginnen will ? Ihm jeden nur möglichen Grund vortragen , die Verbindung ihm unleidlich machen ; Urlaub mir verlängern lassen , mit ihm auf sein Schloß reisen , Oheime , Vettern und Basen in Bewegung setzen , die Sache vor den König bringen , seine Standesgenossen aufregen , es darauf ankommen lassen , daß er mir die Türe weiset , dann doch nicht gehen , immerfort einsprechen , den Einspruch noch zwischen die Verlobung werfen , ja selbst am Altare , wenn es notwendig ist , einen Skandal bereiten . O ein Mann und Freund kann viel , wenn er nur beharrlich will . So wahr ich der Oberamtmann Ernst vom Schwarzwalde bin , mit meiner Zustimmung wird sie nicht Gräfin Waldburg-Bergheim . « » Und mit meiner auch nicht « , sprach hier eine dritte Stimme . Die schöne Clelia war , von ihrem Spaziergange zurückgekehrt , in den Saal getreten und hatte unbemerkt von den Männern , gehört , wovon die Rede war . » Nein , Herr Diakonus « , sagte sie , » Sie sehen die Sache doch etwas zu sehr von Ihrem Standpunkte an . Ich bin gewiß gut und freundlich gegen jeden und wünsche allen ein solches Lebensglück , wie ich es erlangt habe , aber auch meine Erfahrung hat mich gelehrt , daß Mißbündnisse nie zum Heile führen ,