. - Dieser Letztere , ein rüstiger , noch junger Mann , wollte sich ohne weitere Umstände seiner Beute bemächtigen , und auf seinen Wink griffen die zweifelhaft zögernd Söldner zu , allein Bilger klammerte sich mit der Kraft eines Verzweifelnden an die rettende Pforte , und gewährte einen augenblicklichen Widerstand , der dem Oberreiter des Hauses Zeit ließ , sich in den Handel zu mengen . Er wies die Angreifenden mit Wort und That zurück , und das umstehende Volk nahm seine und des unglücklichen Verbrechers Partei . Der Schöff schien jedoch hierauf nicht zu achten in seinem Ungestüm , und legte in Person Hand an den Herrn von der Rhön . Verloren schien dieser in seiner Verfolger Gewalt , als der Komthur des Hauses rasch aus der Pforte kam , und mit kühner Faust den Ergriffenen wieder frei machte . » Wer wagt ' s , sich an unsern guten Rechten zu vergreifen ? « fragte er trotzig : » Hat uns der Stuhl zu Rom und Kaiser und Reich dieselben darum gegeben , daß ein Rathsherr , von Frankfurt mit ihnen verfahren könnte , wie ein Kind Mit seinem Spielwerke ? Laßt die Hand ab , und geht mit Gott ohne diesen Mann . « - Der Schöff behauptete , der Verfolgte habe noch nicht die gefegten Steine berührt gehabt , als man herangekommen ; aber die Stimme des Volks widersprach seinen Worten , und der Komthur hielt sich an die Rede des Volks . - » Zieht ab ; « rief er : » ohnehin gehört der Mönch vor sein eigen geistliches Gericht . « - » Er ist kein wirklicher Mönch ! « entgegnete der Schöffe zornig : » Er trägt die Kutte ohne Beruf und Vergunst . Unser muß er seyn . « - » Und wenn ' s der Teufel selbst wäre im Barfüßergewand , « - überschrie den Rathsherrn der Komthur , - » so muß er sicher seyn unter unserm schwarzen Kreuze , sonst sperren wir das Haus , und ziehen Euch vor dem Reichstage zu Rede und Antwort . Laßt darum den Mann und uns in Frieden ; über vier Wochen mögt Ihr wiederkommen ! « 2 - Mit diesen Worten , ohne seine Rede ferner zu vergeuden , zog der Komthur den Herrn von der Rhön nach sich in ' s Haus , und riegelte mit eigner Hand die Pforte zu , sich wenig bekümmernd um das Toben und Schelten der abziehenden Rathsknechte und Söldner . Bilger folgte seinem Schutzherrn ohne jede Überlegung in-den Saal des Erdgeschosses , wo sich zu gleicher Zeit der Trappierer und der Pfaffe des Hauses einfanden , um den Ankömmling neugierig zu betrachten . » Ihr habt Euer Probe- und Meisterstücklein herrlich gemacht , Herr Komthur ! « sprach der Pfaffe schmunzelnd zu dem Ritter : » Ihr seyd mit den Leuten umgesprungen , als ob Ihr seit einem Jahrzehend mit ihnen zu Felde gelegen . « - » Hm ! « entgegnete der deutsche Herr lächelnd : » Ihr wißt ja , Pater , daß man die Kinder hat , wie man sie zieht . Gleich von Anbeginn den Daumen wacker auf die Augen gedrückt , bewahrt vor dem Allzuhellsehen . Nun aber zu Dir , Du sauberer Vogel ; « fuhr er fort , zu Bilger gewendet : » Du hast ein leichtfertig und verpöntes Stücklein gemacht , wie ich vernommen . Der Todschlag mit offner Wehr kommt sonst in Deinem Gewand selten vor . Sag ' darum an , ob der Schöffe wahrgesprochen , da er schwur , Du seyst kein Mönch , und bekenne : wer bist Du denn ? « - Bilger hatte indessen den Blick starr und steif auf den Komthur gerichtet , schwieg noch eine Weile , und antwortete hierauf mit dumpfer Stimme : » Ich bin bereit , Euch zu sagen , was Ihr verlangt , Herr , doch eben und gerade nur Euch . « - » Da muß Erbauliches dahinterstecken , was wohl nicht mit einer Buße von vier Wochen abgethan seyn dürfte , « spottete der Ritter , beurlaubte indessen seine Freunde mit einem stolzen Kopfnicken und blieb mit dem von der Rhön allein . Dieser , statt ein Wort zu reden , begnügte sich , vor den Komthur hinzutreten , ihm fest in ' s Auge zu sehen , und die Kaputze vom Haupte zu ziehen . Der Ritter starrte ihn verwundert an , aber nur nach langem Zweifeln stieg eine Erinnerung in ihm empor , die seine Augenbraunen hoch emporzog und die kahle Stirne in trübe Falten legte . - » Bei meinem Eid ! « begann er endlich : » seh ' ich recht ? täuscht mich auch nicht der Bart und das fahle Gesicht , oder seyd Ihr ' s wirklich , Rudolph Bilger ? « - » Ich bin ' s , Herr , « entgegnete der von der Rhön , » und an Eurer gerunzelten Stirne sehe ich , daß Ihr mir ferner Euern Schutz nicht gewähren werdet für ein Verbrechen , dessen Wurzel eigentlich nur in Euch zu suchen ist ; wißt , ich erschlug Wallraden ! « - Da wurde der deutsche Herr bleich wie die Wand , und so ergriffen , daß er sich an das Fenstergesimse lehnen mußte . » Wallrade ? « seufzte er kaum vernehmlich : » Wallraden habt Ihr erschlagen ? « Er hielt die Hand vor die Stirne und Augen , und da er sie wieder wegzog , war die braune Röthe abermals auf sein Antlitz gestiegen , und seine Augen leuchteten wieder wie herausfordernde Irrwische und der Mund warf sich wieder trotzig auf unter dem borstigen Knebelbarte wie zuvor . » Seyd mir willkommen , von der Rhön ! « sagte er , dem Staunenden die Hand reichend : » Obschon Ihr an meinem Schutze verzweifelt , so liefre ich Euch dennoch nicht aus ; gerade jetzo nicht , denn der heilige Georg hat nicht besser gethan ,