, daß die Republik nicht durch die üble Staatsverwaltung kupferner und eiserner Regenten zu Grunde gehe . - Wenn diese Reden nicht ganz ohne Salz seyn sollen , muß man , dünkt mich , annehmen , Glaukon und Sokrates werfen hier beide einen Seitenblick auf Athen und andere Griechische Städte , in welchen die schlechten Metalle dermalen ein sehr nachtheiliges Uebergewicht zu haben scheinen . Aber wozu hatte Plato - er , der an mehrern Stellen dieses Dialogs seinen Mitbürgern und Zeitgenossen die derbesten und ungefälligsten Wahrheiten ganz unverblümt ins Gesicht sagt - wozu hatte er gerade hier einer so zwecklosen Behutsamkeit nöthig ? Uebrigens täusche ich mich vielleicht , indem es mir vorkommt , als ob Sokrates , von diesem Mährchen an , durch alle folgenden Bücher sich selbst verloren habe , und sich mit aller Mühe nicht wieder finden , oder , wenn er auch zuweilen in seinen eigenen Ton zurückfällt , sich doch nicht lange darin erhalten könne . Ich drücke mich hierüber so schüchtern aus , weil es sehr möglich ist , daß die Ursache , warum mir dieß so vorkommt , vielmehr in meiner Gewohnheit , mir einen ganz andern Sokrates zu denken , als in einem Mangel an Haltung liegt , der dem Verfasser des Dialogs Schuld gegeben werden könnte . Die Wahrheit zu sagen , der Sokrates , den er darin die doppelte Rolle des Erzählers und der Hauptperson des Drama ' s spielen läßt , ist und bleibt sich selbst durchgehends immer ähnlich ; denn es ist immer Plato selbst , der unter einer ziemlich gut gearbeiteten und seinem eigenen Kopfe so genau als möglich angepaßten Sokrateslarve , nicht den Sohn des Sophroniskus , sondern sich selbst spielt . Hinter dieser Larve sieht er zuweilen , je nachdem er uns eine Seite zeigt , dem wahren Sokrates so ähnlich , daß man einige Augenblicke getäuscht wird : aber seine Stimme kann oder will er vielmehr nicht so sehr verstellen , daß die Täuschung lange dauern könnte ; und überhaupt braucht man ihm nur näher auf den Leib zu rücken und ihn scharf ins Auge zu fassen , um den leibhaften Plato überall durchschimmern zu sehen . Dieser scheint sogar von Zeit zu Zeit die unbequeme Larve ganz wegzuschieben , und uns auf einmal mit seiner eigenen , von jener so stark abstechenden Physiognomie zu überraschen ; und da er dieses seltsame Spiel , eben dieselbe Person bald mit bald ohne Larve zu machen , einen ganzen Tag lang treibt , so kann es nicht wohl fehlen , daß der Zuschauer endlich irre wird , und nicht recht weiß was man mit ihm vorhat , und ob er beim Schluß des Stücks zischen oder applaudiren soll . Diese Ungewißheit ist indessen keineswegs der Fall im Rest des dritten und im Anfang des vierten Buchs . Eine unserm Philosophen eigene dialektische Spitzfündigkeit , die auch hier von Zeit zu Zeit durch die Lücken der Sokrateslarve durchguckt , abgerechnet , scheint er darin die angenommene Person wieder ziemlich gut zu spielen ; so gut wenigstens , daß man sich geneigt fühlt , der Täuschung mit halb geschloss ' nen Augen nachzuhelfen ; und wiewohl man sich hier und da nicht wohl erwehren kann ein wenig ungehalten auf den Schauspieler zu seyn , wenn er unversehens aus seiner Rolle heraustritt und anstatt den Sokrates rein fortzuspielen , in seine eigene Person zurücksinkt : so macht uns doch die Gewandtheit , womit er sich unvermerkt wieder in die angenommene hineinwirft , so viel Vergnügen , daß es wenig Mühe kostet ihm zu verzeihen und im Ganzen recht wohl mit ihm zufrieden zu seyn . Die Rede ist nun im Rest des dritten Buchs davon , wie die aus dem Schooß der Erde in voller Rüstung hervorgesprungnen Beschirmer oder Soldaten unsers idealischen Staats in Ansehung der Wohnung , Nahrung und aller übrigen zum Leben gehörigen Stücke gehalten werden sollen . Da in der vollkommensten Republik alles rein consequent und zweckmäßig seyn muß ; da es in derselben nicht darum zu thun ist , die einzelnen Gliedmaßen des Staats , sondern das Ganze so glücklich als möglich zu machen , und das letztere auf keine andere Weise zu erhalten steht , als wenn jede Classe , und jeder einzelne Bürger in der seinigen , gerade das und nichts anders ist , als was sie vermöge ihres Verhältnisses zum Ganzen nothwendig seyn müssen ; so dürfen wir uns nicht wundern , daß Plato den bewaffneten Theil der Bürger , welcher bloß zum Schutz der Gesetze und des Staats , zu Vollziehung der Befehle der Regenten und zu Vertheidigung aller übrigen Bürger da ist , in allen Stücken auf das bloße Unentbehrliche setzt . Sie wohnen in schlechten Baracken , haben außer ihren Waffen und was die höchste Nothdurft zum Leben fordert , nicht das geringste Eigenthum ; halten ihre äußerst frugalen Mahlzeiten gemeinschaftlich in öffentlichen Sälen , und leben in allen Stücken in der nämlichen Ordnung beisammen , wie sie im Lager leben müßten . In diesem und allen andern Stücken sind sie der strengsten Disciplin unterworfen ; mit Einem Wort , nichts ist vergessen , was es ihnen unmöglich macht , jemals aus den Schranken ihrer Bestimmung herauszutreten , und » aus treuen und wachsamen Hunden der Heerde sich in Wölfe zu verwandeln . « - Alles dieß und was dahin einschlägt , führt Sokrates gegen die Zweifel und Einwürfe Adimanths so gründlich und sinnreich aus , daß weder diesem noch dem Leser das Geringste gegen die Zweckmäßigkeit dieses Theils der Verfassung der Republik einzuwenden übrig bleibt . Was bei dem allem nicht wenig zum Vergnügen der Leser beizutragen scheint , ist die anscheinende Unordnung , oder , richtiger zu reden , die unter diesem Schein sich verbergende Kunst , wie der Dialog , gleich einem dem bloßen Zufall überlassenen Spaziergang , indem er sich mit vieler Freiheit hin und her bewegt , unter lauter Digressionen dennoch immer vorwärts schreitet , und dem eigentlichen Ziel des Verfassers ( wie