Dingen verwendet sehe . Wir wollen auf unser aller gute Zukunft anstoßen ! « Er schenkte die Gläser voll , und wir ließen dieselben zusammenklingen , ohne daß ich mich jedoch bemühte , über den Sinn seiner Worte klarzuwerden ; denn ich sah unversehens Dorothea mit dem rosengeschmückten Körbchen herankommen . » Auch ich will einen Spruch tun « , sagte sie , als sie mir zur Seite stand ; » aber ich überlasse die Abfassung dem Zufall dieses wohlbekannten Orakelkorbes ; nehmen Sie sich ein Bonbon heraus , nur eines , aber vorsichtig und bedächtig ! « Ich sah erstaunt und fragend zu ihr auf ; denn ich wußte ja , daß in jedem der zierlichen Paketchen der gleiche Spruch lag . » Welches raten Sie mir denn zu nehmen ? « fragte ich mit innerer Bewegung ; allein gleichmütig erwiderte sie : » Ich darf mich nicht dareinmischen , wenn das Orakel wirken soll ! « » Soll ich dieses nehmen ? « » Ich weiß nicht ! « » Oder dieses ? « » Ich sage nichts , weder ja noch nein ! « » So nehm ich dieses und bedanke mich schönstens ! « rief ich , indem ich das Papierchen öffnete und Dortchen rasch das Körbchen zurückzog . » Nun , was steht darin ? « rief der Kaplan , über welche Frage ich froh war , da ich die Verse kaum vernehmbar vorzutragen vermochte . Ich gab ihm den Zettel mit der Bitte , denselben selbst zu lesen . Das tat er mit gutem Ausdruck . » Ein ganz schöner Spruch ! « sagte er ; » damit können Sie zufrieden sein ; er beruht auf einer frommen und getreuen Weltanschauung , dergleichen nicht mehr allzu häufig ist ! Aber nun , Gnädigste ! reichen Sie mir das Körbchen auch dar , und lassen Sie mich sehen , was ich als Dableibender erhalten werde ! « Er griff begierig nach dem Körbchen . Sie versetzte aber : » Nächsten Sonntag dürfen Sie etwas zum Dableiben auswählen , Hochwürden ! Heute bekommt nur der , welcher geht ! « Damit eilte sie weg und verschloß das Körbchen sorgfältig in einem Schranke . Als am nächsten Vormittag der Graf und ich bereits in dem bequemen Reisewagen saßen , sagte Dorothea , die uns beiden schon die Hand gegeben und jetzt plötzlich nochmals zum Wagen trat : » Nun ist doch etwas vergessen ! Ihr grünes Buch , Herr Heinrich , liegt noch in meiner Verwahrung ! Soll ich es rasch holen ? « » Laß nur ! « sagte mein Reisegefährte ; » es hält uns zu lange auf ; wenn er uns , wie zu hoffen , bald schreibt , so können wir ihm das Buch wohlbehalten nachsenden , nicht so ? « Ich nickte nur froh aufatmend meine Zustimmung , da mit dem Buche ein Teil meiner selbst in der unmittelbaren Nähe Dortchens zu bleiben schien . » Ich will es in sicherm Verschluß halten , und es soll ihm nichts geschehen ! « , sagte sie und winkte mir , während wir wegfuhren , mit vollem freundlichem Blicke zu . Damals habe ich das schöne Wesen dennoch zum letzen Mal in meinem Leben gesehen . Vierzehntes Kapitel Die Rückkehr und ein Ave Cäsar Zwei breite Goldrahmen , im voraus bestellt , waren fertig , als wir in der Stadt ankamen , die wir nun zum zweiten Male gemeinschaftlich besuchten . Mein Beschützer machte sich sofort daran , den Einfluß zu benutzen , der ihm der Titel und auch seiner Person wegen in unverfänglichen Dingen nicht verkümmert war ; die Bilder hingen deshalb nach wenigen Tagen im besten Lichte der Ausstellungsräume , in welchen ich einst so ungeschickt und dunkel aufgetreten . Sie waren freilich keine Meisterwerke , aber auch nicht gehaltlos und konnten ebensowohl einen Fortschritt als den Stillstand begrenzter Fähigkeit in sich bergen , das ewige Ausruhen von einem einmaligen Anlaufe , wo der Anläufer in sich gegangen ist und am Wegbord der goldenen Mittelstraße , der vielbegangenen , sitzen bleibt . Zu meiner Verwunderung hingen auch jene zwei kleinen Bilder daneben , die von mir dem israelitischen Schneider und Gemäldehändler um ein Kleid überlassen worden . Der Graf hatte sie , da er von der Sache wußte , aufgestöbert und aus dritter Hand an sich gebracht . Jetzt waren sie mit Zetteln verziert , worauf das stattliche Wort » Verkauft « geschrieben stand . Diese List des Grafen erweckte ein günstiges Vorurteil für die ganze kleine Sammlung der vier Stücke , und in dem nächsten Kunstbericht einer verbreiteten großen Zeitung war ihrer schon in einigen aufmunternden Zeilen gedacht , wenn auch nicht mit sehr zutreffenden Worten . Kurz , nach wenigen Tagen meldete sich ein bedeutender Kunsthändler , welcher die deutschen Malerschulen bereiste , um ganze Bildersammlungen für entlegene Hinterländer zu erwerben . Durch diesen Käufer , der meine Bilder zu bescheidenem Preise anzukaufen hoffte , würde mein Name den Zusatz » Mitglied der X ' er Schule « erhalten haben , eine Ehre , die ich mir nicht hätte träumen lassen . Der Graf jedoch meinte , die Bilder müßten an einen Liebhaber und nicht an einen Handelsmann verkauft werden und er sei einem solchen bereits auf der Spur . Nach abermals einigen Tagen aber übergab mir der Kustos der Ausstellung einen für mich aus dem Norden angekommenen Brief . Er war von Erikson , welcher schrieb : » Lieber Heinrich , ich lese eben in der dortigen Zeitung , die ich meiner Frau wegen halte , daß Du noch dort bist und vier Arbeiten ausgestellt hast , zwei kleine und zwei größere . Wenn Du für die einen oder andern noch keine Bestimmung weißt , so überlasse mir eines der beiden Paare und schick es mir ; ich zähle darauf ! Den Preis setze auf anständigem Fuße und nicht zu schüchtern an ; denn Du mußt wissen , daß es mir gut geht . Ich habe den Stand unsers