für sie beten . « Er setzte sich dann wieder auf seinen Stuhl nieder . Darauf sprach Guido , der Kardinal : » Und nun höret mich weiter , Sprossen des Geschlechtes Premysl . Ich rede jetzt als Christ , ich rede als Priester , ich rede als Abgesandter des Stuhles der Menschheit , und ich rede mit der Zunge der Barmherzigkeit des Heiligen Vaters . Und was ich sage , gilt , welchem Lande ich immer angehöre , und welchem Lande ihr angehöret . Wenn ihr durch Reue , Buße und Genugtuung euch mit der Kirche und dem Bischofe von Mähren ausgesöhnt habt , so ist eure Sünde noch nicht getilgt . Ihr habt auch gegen euren rechtmäßigen Herrn , den Herzog von Böhmen und Mähren , gefehlt , da ihr mit den Waffen gegen ihn gestanden seid , da ihr das Blut der Seinen vergossen habt , und da ihr ihn gezwungen habt , das Blut der Eurigen zu vergießen . Ihr habt eine schwere Sünde gegen den heiligen Glauben begangen , der sagt , daß ihr der Obrigkeit gehorchen sollet , und der sagt , daß ihr nicht töten sollet . Ihr habet die Sünde der hoffärtigen Engel begangen , ihr habet die Sünde Kains begangen . Und wie heilig und wie groß der Glaube ist , gegen den ihr gesündiget habt , soll ich euch das sagen ? Haben es nicht die weisesten Männer aller Länder , haben es nicht die Männer , die wie eine Sonne unter den Völkern leuchteten , haben es nicht die Männer , welche von der ganzen Menschheit verehrt wurden , gezeigt ? Haben sie nicht mit ihrem Leben nach dem Glauben gerungen , durch den der Mensch zu Gott gelangt , und ohne den er nichts ist ? Ich rede nicht von den Apostelmännern Cyrillus und Methodius und ihren unsäglichen und unablässigen Bemühungen , mit denen sie bestrebt waren , dem Lande Mähren den Glauben zu geben , ich rede nicht von den tausend Martyrern , die in allen Teilen der Welt zu allen Zeiten für den Glauben gestorben sind , ich rede von den Heiligen des Landes Böhmen und von Männern des Landes Böhmen . Der heilige Wenzel , Herzog von Böhmen , baute die Kirche des heiligen Veit , und legte in sie einen Arm des heiligen Veit nieder , er gründete andere Kirchen , er tat demütig Dienste bei den gottesdienstlichen Handlungen , er betete in härenem Gewande , er fastete , und gab Almosen , und starb den Tod des Martyrers für den Glauben . Der heilige Adalbert ging in geringen Gewändern , und aß und trank nur zur Notdurft , und verwendete seinen Reichtum für den Glauben , er lebte nach den Vorschriften des Glaubens , und gab den Armen einen Teil seiner Einkünfte . An jedem Feiertage gab er den Bettlern große Almosen , an jedem Tage hatte er zwölf Arme bei sich , denen er in Erinnerung an die zwölf Apostel Speise und Trank reichte . Er ging in Mühsal in fremde Länder , den Glauben zu predigen , und litt dort den Tod für den Glauben . Und wie hoch haben die Menschen den heiligen Adalbert geehrt . Da der Fürst Bretislaw vor mehr als hundert Jahren von dem Kriege gegen Polen mit seinem Heere zurückkehrte , und die Nachricht sich erhob , daß er den Leichnam des heiligen Adalbert aus der Stadt Gnesen , dem Sitze der polnischen Fürsten , bringe , zog die ganze Priesterschaft von Prag und alles Volk dem Heere entgegen , daß das breite Feld am Bache Rokytnice die Menge der Menschen nicht faßte . Dann trugen der Herzog Bretislaw und der Bischof von Prag auf ihren Schultern den Schrein , in welchem der Leichnam des heiligen Adalbert war . Nach ihnen kamen die Äbte , und trugen die irdischen Überreste der fünf heiligen Einsiedler , die zur Zeit des polnischen Boleslaw den Martyrertod erlitten hatten . Dann trugen Erzpriester der Kirche von Prag den Leichnam Radims , des Bruders des heiligen Adalbert , welcher der erste Erzbischof von Gnesen gewesen war . Dann kamen die Kleinode , die zu Adalberts Grab gehört hatten , das hinter dem Altare der Kirche zu Gnesen gewesen war . Zwölf Priester trugen das goldene Kreuz , das der polnische Boleslaw hatte machen lassen , dreimal so schwer als er selber . Dann wurden drei goldene Tafeln getragen , die den Altar in Gnesen umgeben hatten , davon die größte dreihundert Pfund wog , und mit edlen Steinen besetzt war . Dann kam das Heer , und es kamen alle Menschen . Zuletzt gingen hundert Wägen , welche die Beute führten , und es gingen die Gefangenen . Sie gingen zuletzt , weil sie nicht zu der Verherrlichung Adalberts gehörten . Prag hat nie einen solchen Tag gesehen . Ich spreche weiter von andern Männern . Der Bischof Izzo besuchte eifrig die Gefangenen und Kranken , und speisete täglich vierzig Arme , denen er den Tisch segnete , und denen er die Speisen und Getränke austeilte . Der Herzog Spitihnew wohnte in der Fastenzeit in dem Priesterhause zu Prag , in ein Priestergewand gekleidet . Er schwieg von der ersten Abendstunde bis zu der ersten Morgenstunde , er brachte den Vormittag in geistlichen Dingen , beim Gottesdienste , in Almosengeben , in Wachen und Beten zu , und erst nach dem Mittagmahle übte er die weltlichen Geschäfte . Der Bischof Jaromir ging in der Fastenzeit in jeder Nacht in grobe Leinwand gekleidet in die Kirche , und betete dort auf dem Pflaster . Und in jeder Nacht teilte er vor den Psalmen und nach den Psalmen , und nach der Frühmesse , die noch in der Nacht war , vierzig Laibe Brod und vierzig Heringe aus , und bei der Morgendämmerung wusch er zwölf Pilgern die Füße , und gab jedem einen Denar , und am Mittage aß er mit vierzig Armen . Und zu jeder andern Zeit des ganzen Jahres