die Uhr warfen und schmerzliche auf ihre Füße , deren Hühneraugen unter den engen Schuhen von Glanzleder entsetzlich brannten und schmerzten . Im Uebrigen war jetzt der Ball vollkommen en train ; man tanzte , man lachte , man spielte , man unterhielt sich , und dabei rauschten Kleider und Bänder , glänzten Diamanten , Perlen und Sterne , glühten frische Wangen und funkelten schöne Augen . Der geneigte Leser wird in dem Gewühle hier und in allen Theilen des Apartements viele seiner Bekannten wieder finden : in dem Spielzimmer die Excellenzen , denen er im königlichen Vorzimmer begegnete , hier aber ihrer würdevollen Mienen sowie der Uniform entkleidet , und dagegen angethan mit dem schwarzen Frack , der weißen Weste , über welcher das breite , farbige Ordensband glänzt ; - sowie auch den Herrn von Dankwart , der sich bemüht in alle Karten zu schauen , über das Spiel im Allgemeinen zu sprechen , oder hie und da gute Rathschläge im Einzelnen zu ertheilen , die ihm aber höchstens einen erstaunten Blick eintragen . Im Tanzsaale finden wir den Major von S. , der , obgleich über die Jahre des Tanzens schon fast hinüber , sich doch neulich auf heute Abend zu einem Walzer verpflichtete , ein Leichtsinn , den er nun im Schweiße seines Angesichtes abbüßen muß ; den nunmehrigen Regierungsrath Eduard von B. , der es an der Zeit findet , sich gründlich unter den Töchtern des Landes umzuschauen ; - sowie auch abermals den Herrn von Dankwart , der ohne selbst zu tanzen , über diese Kunst im Allgemeinen sehr gründlich abspricht und einzelnen jungen Damen Rathschläge ertheilt , die aber bei den Schönen und Gesuchten ein vornehmes Achselzucken , bei den Bescheidenern und minder Hervorragenden ein leichtes mitleidiges Lächeln hervorbringen . In den entfernteren Zimmern , an den Tischen mit den Albums sehen wir jene Herren mit den altmodischen Fräcken , Beamte des kriegsministeriellen Departements , junge , noch schüchterne Offiziere und Künstler ; - sowie auch wieder den Herrn von Dankwart , der hier als Protektor und Kritiker auftritt , sich so hoch streckt , als es seine kleinen Beine erlauben , die Nase gewaltig erhebt und mit großer Bescheidenheit versichert , wenn auch seine Anwesenheit in hiesiger Stadt im Allgemeinen noch von keinen großen Folgen gewesen sei , so müsse er sich doch selbst zugestehen , daß sein Urtheil , sein Lob und Tadel auf dem Gebiete der Kunst schon außerordentliche Früchte getragen . - » Man fürchtet sich vor mir , « sagte er , » man weiß , wie ich nur das Gute schätze , aber dem Mittelmäßigen streng entgegen trete ; man muß es anerkennen , daß ich die Aufmerksamkeit der Frau Herzogin auf manches bisher unbekannte Talent gelenkt , und daß ich so zu sagen Künstler erzogen habe , die es noch zu etwas Großem bringen werden , wenn sie wie bisher meinen Winken und Rathschlägen Folge leisten . « Im Wintergarten finden wir einige Hofdamen , die plaudernd auf- und abgehen , bald vor dieser Blumengruppe , bald vor jener bewundernd stehen bleiben , während sie häufig ausrufen : » Charmant ! - köstlich ! - deliciös ! « - die dabei ihre weißseidenen Roben sehr in Acht nehmen , damit sie nicht an irgend ein nasses Blatt streifen , und die Alle mit dem Fächer wedeln , sobald Eine die Bemerkung macht , in dem Saale sei es unerträglich heiß ; - sowie auch den unvermeidlichen Herrn von Dankwart , der über Blumenzucht im Allgemeinen spricht , auch recht anerkennend über den Gärtner des Kriegsministers urtheilt , im Einzelnen aber die bündige Erklärung abgibt , daß , obgleich hier viel für Blumenzucht geschähe , die hiesigen Gewächshäuser doch keinen Vergleich aushalten könnten mit denen , die er zu Haus verlassen , und daß , ohne ungerecht zu sein , was Pflanzen und Blumen anbetreffe , hier sich gegen dort wie Sibirien zu Italien verhalte . Im Salon des jungen Grafen ist dieser selbst und nimmt freundlich und bescheiden die ausschweifenden Lobsprüche einiger alten Hofdamen in Empfang , die ihn versichern , so etwas Magnifikes und wirklich Graziöses noch nie gesehen zu haben ; - sowie auch der Herr von Dankwart , der lächelnd hinzu tritt , und dem Grafen vertraulich auf die Schulter klopfen will . Es bleibt jedoch bei dem Versuche , denn Graf Fohrbach macht eine entschieden rückgängige Bewegung , von einem sonderbaren Blicke begleitet , was aber den Herrn von Dankwart durchaus nicht abzuschrecken scheint ; denn er nähert sich abermals , reibt seine Hände , und sagt , indem er sich auf den Fußspitzen wiegt : » Bei Gott ! dieser gute Graf hat etwas gelernt . Gestehen Sie , Ihnen hat der Salon der Fürstin X. bei uns vorgeschwebt und Sie haben den hiesigen darnach gebildet , aber wirklich mit vielem Geschmack und Eleganz . Wahrhaftig , Graf Fohrbach , Ihr Geist ist ein dankbares Feld für Bemerkungen , die man Ihnen gelegentlich macht ; Sie haben da meine Idee mit den transparenten Blumen vortrefflich benützt , - in der That , vortrefflich benützt . Nur wissen Sie , was ich hie und da noch besser gemacht hätte ? - Zwischen dem Grün hindurch ein Bouquet Wachskerzen . Ich versichere Sie , der Glanz der Lichter zwischen den Blättern macht eine fabelhafte Wirkung . So war es auch bei der Fürstin X. , das allein haben Sie vergessen . « So plauderte Herr von Dankwart unermüdlich fort und eilte dabei mit außerordentlicher Beweglichkeit , ohne auf seine Reden irgend eine Entgegnung abzuwarten , zu den verschiedenen Gruppen wo er Wachslichter angebracht zu haben wünschte , und als er sich endlich wieder zu der Gesellschaft umdrehte , bemerkte er , daß Alle das Zimmer verlassen hatten bis auf eine alte Gräfin , die ihm mit wahrer Bewunderung zuzulauschen schien , denn sie war von der Frau Herzogin sehr abhängig und erhielt durch die Hand des Herrn von Dankwart vertraulicher Weise manche Unterstützung