die Bäume , die Vögel in der Luft lachen ! Verstoßene , verlorene Helene , ruft mir ja jedes Atom , jedes Stäubchen zu , über das ich ohnmächtig hinschwebe ! Zwei Jahre des seligsten Glückes sind ja vernichtet , geschändet - o was sag ' ich geschändet ! Egon ! Was du thust ist wohlgethan . Tritt mich mit deinen Füßen , verstoße mich , morde mein Herz ! Nur stirb mir nicht ! Lebe ! Lebe ! Lebe ! Helene lag schluchzend auf dem Sopha ... Pauline mußte sich , selbst wenn sie der kältesten Fassung fähig war , von einem solchen Ausbruch wildester Verzweiflung erschüttert fühlen . Sie hatte seit einiger Zeit in einer Welt gelebt , die sich um sie her immer mehr erstarrte ; sie hatte früher in dieser Weise selbst geliebt , selbst empfunden . Aber jetzt nach so vielen Verknöcherungen und Versteinerungen ihrer nächsten Lebensbedingungen war ihr diese Scene fast wie Traum aus ihrer frühesten Jugendzeit . Die fünfundzwanzig Jahre , die sie mindestens vor der jungen verzweifelnden Frau voraus hatte , fühlte sie einen Augenblick nicht ; sie konnte das Zittern ihrer Hand nicht unterdrücken , konnte nicht von ihren Lippen wegwischen , daß sie einen Augenblick bebten . Sie dachte an Heinrich Rodewald und ihre Jugend ... Helene , sagte sie nach einer Pause allmäliger Sammlung , Helene , Sie sehen mich voll gerührtester Theilnahme , aber auch voll Überraschung . Ich weiß so wenig von Dem , was Sie betrifft . Ich hoffte dieser Tage durch einen Besuch bei Ihrer Schwester - Schweigen Sie von dieser Schwester ! rief Helene , und in die zarte Erscheinung fuhr plötzlich eine so elastische Beweglichkeit , eine so aufschnellende zornige Erregung , daß man die in Liebe zerflossene Weiblichkeit kaum wiedererkannte . Der Mund und das Kinn traten entschlossen hervor und die Augen blitzten von einem wilden , trotzigen Feuer . Schweigen Sie , rief sie , von dieser Heuchlerin , dieser lieblosen Moralistin ! Für die glühendsten Schilderungen meines Glückes , die ich ihr nach Odessa schrieb , hat sie mir im Tone einer Predigt geantwortet . Wenn sie mich tadelte , daß ich für Belcotti schwärmte , mit Addington tändelte , die Leiden des polnischen Volkes mit dem jungen lithauischen Flüchtling Bardansky verwechselte , o , alle diese Vorwürfe waren gerecht und ich nahm sie mit schwesterlicher Liebe hin . Aber endlich schrieb ich ihr , ich trenne mich von d ' Azimont , ich liebe , ich liebe zum ersten male , ich liebe , wie ein Weib lieben soll , ein Weib , das fühlt , ein Weib , das da ahnt , in ihr ruhe das Geheimniß der Schöpfung . Als ich ihr schrieb : Der , den ich liebe , ist ein Gott und seinen Namen nennen die Irdischen Egon Prinz von Hohenberg , und als sie mir auch darauf Moral , ewig Moral und immer Moral predigte , sehen Sie Pauline , ich habe geschworen , wer mir das Kleinod meines Lebens beschmutzt , mir die Sonne verdunkeln will , die ich anbete und mögen alle Priester der Erde sagen , die Anbetung der Sonne wäre Heidenthum ... ich könnte den Dolch erheben und jeden Lästerer meiner Religion durchbohren , sei ' s ein Bruder , sei ' s eine Schwester und diese Schwester existirt nicht mehr für mich . Pauline gedachte der Zeiten , wo sie auch mit Dolchen spielte ! Wäre sie eine Philosophin geworden , so hätte sie gelächelt ; aber sie lächelte nicht . So wild war zwar nicht ihr Haß gegen Anna , wie Helenens Haß gegen die Fürstin Wäsämskoi , aber sie erwärmte sich daran , doch wieder einmal auf dem Bereiche der Herzensgeltendmachungen etwas Kraftvolles , etwas Titanisches zu erleben . Sie jubelte , jene halb wahnwitzige Sittenlogik anerkannt zu sehen , in der sie früher selbst gedacht , dann geschrieben hatte und in deren ohnmächtigen letzten Trümmern sie sich absterbend verzehrte . O sie stand auf ! Sie hielt diese Sprache der Liebe nicht aus , ohne dafür mehr zu haben als bloße einfache Zustimmung ! Sie wurde jung , indem sie auf-und abschritt und Helene , selig über Paulinens Erschütterung , umschlang sie und zog sie zu sich unter die Camelien und fuhr , ihre Hand festhaltend , fort : Nichts von Adelen , Pauline ! Sie wohnt hier in der Nähe , ich weiß es . Ich kenne sie nicht . Ich schrieb es soeben schon an d ' Azimont nach Paris . Er wird meine Meinung billigen ; er ist sehr gut und was an ihm das Beste ist , er liebt , wie ich , den Charakter ! Wie geht es denn Desiré ? fragte Pauline . Recht übel ! bemerkte Helene . Desiré d ' Azimont war ihr kränkelnder Gatte . Wie lange ist es her , daß wir zum letzten male hier waren ? fuhr Helene fort . Vor drei Jahren ; sagte Pauline . Haben sich seine Übel verschlimmert ? Desiré ist recht krank . Man fürchtet für ihn . Seine Corpulenz wird beunruhigend . Die Mutter gibt ihn auf und Sie wissen , böse Augen sehen weiter , als die Augen guter Menschen . Keine Veränderung in den alten Verhältnissen ? Nur noch gesteigerter ! Die Mama ist förmlich eine Megäre und foltert mich . Desiré ' s himmlische Güte schützt mich allein . Sie will die Scheidung vor Desiré ' s Tode und Desiré , der Egon wahrhaft liebt - In der That ? O Desiré bleibt sich gleich . Desiré ist ein Philosoph . Er gefällt sich darin , wie Seneca zu sterben . Ich weiß nicht , ob ich ihn für größer halten soll als ... Warum stocken Sie ? Darf ich denn unbefangen über Desiré sprechen ? Helene ! Sie liebten ihn , Pauline , und waren glücklich , als er mich wählte . Sie drückten mich vor elf Jahren an Ihr Herz und nannten mich