und ihr Bild in seiner geängstigten Seele aufsteigen lassen , um diesem sodann ein anderes , entsetzlicheres unterzuschieben . Dieses grausame Experiment gelang ihr bewunderungswürdig . Schon nach wenigen Minuten hob sich die Brust des Schlummernden unter schmerzlichem Stöhnen . Er bewegte das bleiche , schweißtriefende Haupt und die Lippen öffneten sich zu flüsterndem Gespräch . » Grausame ! « stöhnte Adrian . » Warum diese Dolchspitzen in Deinen Blicken ? ... Sie verwunden ... mein Herz ... sie schneiden tief ... tief in das Mark ... meiner Gebeine ! .. Sieh ... Du kannst lächeln ... o wie süß lächeln ! ... Nun kommst Du ... näher ... nun fühle ich ... Deinen warmen ... Athem ... Dein Busen ... klopft an meiner Brust ... o welche Wonne ! ... Ha , Gespenst ... Fort , fort ! ... « Adrian wand sich convulsivisch auf seinem Lager , während Bianca lautlos , kalt , mit entsetzlicher Entschlossenheit und verstärktem Willen tiefer und immer tiefer , gleich einer grauen Riesenschlange , sich über das Bett des Unglücklichen beugte , ihre langen aufgelösten feuchten Haare darüber breitend , bis sie die Brust des Träumenden berührten . Ihr Hauch traf seine Lippen , seine Augen , und unbewegt fuhr Bianca fort , ihre schrecklichen Blicke auf den Gefolterten zu heften . » Therese , « wimmerte der Träumende , » noch immer verfolgst Du mich ? ... Willst Du mir ... denn nie ... vergeben ? ... O diese brennenden Locken ! ... Wie sie glühen ! ... Wie sie mich umlohen ... wie Flammen ... der Hölle ! ... Nein , ich will nicht ... diese triefende Hand ! ... Diese blauen , schaudernden Lippen sollen ... mich nicht berühren ... Bianca ! O rettender , heiliger , geliebter , süßer Engel ... verscheuche ... erwürge ... dies Gespenst ! ... « Bianca warf ihre Haare zurück und erhob sich etwas , doch ohne ihre Augen von dem Röchelnden zu verwenden . Mit der Hand winkte sie Martell , daß er sich langsam bis an die Thür zurückziehen solle . Adrian ' s Gesichtszüge trugen die Spuren der furchtbarsten Seelenschmerzen , aber gebannt von dem dämonischen Auge des schönen Mädchens konnte er die qualvollen Bande des Schlafes nicht abschütteln , den Geisterarmen des Traumes , unter dessen Umarmungen er litt , nicht sich entwinden . » Tödte mich ! « flehte er wimmernd , » nur diese Blicke ... bohre nicht in meine jammernde Seele ! ... Ich war nicht Schuld ... an Deinem Tode ... « » Elender ! Selbst im Traume noch lügt er ! « flüsterte Bianca verächtlich und wich , Martell folgend , Schritt vor Schritt nach der Thür zurück . » Ha ... Gott Lob ... Gott Lob ... das Gespenst ... zerrinnt ! ... Ich lebe ... wieder ... Ich fühle meine Pulse wieder schlagen ! ... O des Jammers ! « Mit einem stöhnenden Schrei fuhr Adrian wild auf vom Lager . Seine Augen waren noch auf Bianca gerichtet , die in diesem Augenblick an der Thür verschwand . Ihren Schatten erhaschte der erwachende Graf , und beide Hände heulend über sein Gesicht drückend , warf er sich zurück in die Kissen und wimmerte : » Barmherziger Himmel , es ist wirklich ihr Geist , der mich peinigt ! der mich noch wahnsinnig machen wird ... « Geräuschlos und schweigend , wie Bianca den Spinner die Treppe heraufgeleitet hatte , führte sie ihn wieder hinunter . Auf der Flur öffnete sie abermals ihre Blendlaterne . Alle Fibern ihres schönen Gesichtes zitterten , aber sie lächelte . » Nun , Martell , gefällt Ihnen diese Art Rache ? « fragte sie mit einem Zuge teuflischer Schalkheit um den jetzt bleich gewordenen Mund . » Sie ist eines Weibes würdig , « erwiederte Martell . » Dünkt Ihnen diese Art , sich an seinem Todfeinde zu rächen , allzu grausam ? « » Nein , schönes Fräulein ! Sie gefällt mir blos nicht . « » Warum , mein Freund ? « » Weil der Bestrafte bewußtlos leidet . « » Haben Sie sein Stöhnen gehört , seine Worte vernommen , sein krampfhaftes Beben gesehen ? Und nennen Sie das bewußtlos leiden ? « » Sobald er erwacht , glaubt er , ein böser Traum hat ihn gequält , oder hält es für Alpdrücken ! Es bleibt immer nur ein vorübergehender Spuk . « » Aber ein Spuk , der sich allnächtlich wiederholt ! Der Tag beginnt ihm nur zu scheinen , damit er sich während seiner Dauer vor den höllischen Schrecknissen der Nacht fürchtet ! Wäre dies aber auch nicht der Fall , so peinigte ihn doch seine Liebe zu mir . « » Er - Adrian liebt Sie ? « » Ja , mein Freund , « lächelte Bianca und strich sich die wilden Locken aus der Stirn , » er liebt mich bis zur Tollheit und ich bin so freundlich , ihn immer noch verliebter in mich zu machen . Das gibt mir größere Gewalt über ihn , und daß ich diese auf die denkbarste Weise zu benutzen verstehe , haben Sie gesehen ! Sie könnten künftighin Theil nehmen an meiner Rache ! « » Nein , Fräulein ! Ich will lieber warten , bis ich ihn wachend quälen kann , das ist männlicher ; gegen wache Qual kann er sich , wenn er Kraft und Muth besitzt , vertheidigen . « » Wie Sie wünschen , mein Freund ! Aber nicht wahr , Martell , mein Wort hab ' ich gehalten und die Schwester , die seinetwegen frewillig aus dem Leben ging und mich um Tugend und Ehre brachte , gerächt , wie nur ein Weib es kann ? « » Ich muß Sie bewundern , ohne Sie loben zu können . « » Gute Nacht denn , mein Freund ! Sinnen Sie alsbald nach , wie Sie den Wachenden züchtigen wollen , ich will indeß fortfahren , den Schlafenden auf die