Elmerice keine Schutzwehr in ihren Verhältnissen , da von Pflege der Alten fast nicht die Rede sein konnte ; indem ihr stiller , träumerischer Zustand kein Symptom zeigte , das einen thätigen Beistand erfordert hätte . Die Damen wurden durch diese Beobachtung ermuthigt , der liebenswürdigen Miß Eton ihre Besuche zu machen , und besonders schien der Marquis d ' Anville es seit einiger Zeit von seiner Gemahlin zu fordern ; er selbst zeigte sich jeden Morgen vor Elmerice ' s Thür , um von Asta zu erfahren , wie ihre Gebieterin geschlafen habe . Er hatte lange Unterredungen mit dem alten Arzte - sendete Boten nach Paris , die ihm Papiere brachten , die er mit dem alten Herrn bei verschlossenen Thüren zu prüfen schien , und dennoch erfuhr Niemand etwas Bestimmtes von ihm ; und Alles , was er seiner jungen Gemahlin mittheilte , war der achtungsvolle Brief des Lord Duncan , der seine Ankunft verhieß . Man hatte an einem der nächsten Tage so eben die Tafel aufgehoben und schweifte durch den schönen Audienzsaal der Königin Katharina , um in dem Burggarten die freie Luft zu genießen , als die gegenüberliegenden Flügelthüren sich plötzlich öffneten , und , ohne vorhergehende Meldung einige Fremde eintraten , unter denen sich eine Dame auszeichnete , deren hohe , schlanke Gestalt von langen , schwarzen Gewändern umflossen war , und deren Gesicht ein Schleier den Anwesenden entzog . Sie ging schnell den Anderen voraus und blieb dann stehen - ihre Hände ausstreckend , als verlange sie , daß man sie ergriffe . Der Marquis und Lucile traten ihr auch schnell entgegen , und in demselben Augenblicke schlug sie den Schleier zurück . Mit einem Schrei des Entzückens stürzte Lucile in ihre Arme , während Alle jetzt die Tante Franziska d ' Aubaine erkannten , und Margot , der Marquis , Leonce - ganz außer sich vor Freude und Entzücken - Sich mit dem Ungestüme kindlicher Berechtigung um sie drängten . Wie war das Herz der Gräfin dazu geschaffen , einen solchen Moment der Liebe zu fühlen und die rührenden Beweise derselben durch die holdesten Worte und Liebkosungen zu erwiedern ! » Doch schon zu lange , « rief sie , sich heiter lächelnd losmachend - » genieße ich eigenmächtig das Glück , Euch wiederzusehen . Ich komme nicht allein - ich bringe einen alten Freund mit mir - Lord Duncan-Leithmorin und Lady Marie , seine Tochter ! « Der Marquis erfüllte nun mit der liebenswürdigen Courtoisie , die ihm eigen und so wohlkleidend war , die Pflichten des gastfreundlichsten Willkommens , und Lucile unterstützte ihn mit ihrer bezaubernden Anmuth , während die Gräfin d ' Aubaine von dem übrigen Kreise begrüßt ward , der eben so entzückt war , wie ihre Verwandten , der seltenen Erscheinung der hochgefeierten Gräfin Franziska theilhaftig werden zu können . Mademoiselle de la Beaume war eine alte Jugendbekannte von ihr - die Eltern der Gräfin Guiche waren ihr befreundet - Graf Bussy hatte sie als Knaben oft gesehen - den schönen Grafen Guiche aber , zu Aller Ueberraschung , aus der Taufe gehoben ! Genug , es entstand ein Freudentaumel um die hohe , edle Frau , die eine so kindliche , naive Heiterkeit zeigte , daß Jeder Muth gewann , ihr sein Herz zu Füßen zu legen . » Und dennoch begreife ich mein Glück nicht , theure Tante ! « rief Lucile . - » Sie reisend ? Sie wo anders , als in Ardoise ? Es scheint mir ein Traum , und ich fürchte zu erwachen ! « » Dies Mal nicht , meine theure Lucile ! « sagte die Gräfin . » Ich habe in vollem Ernste meine schwerfällige Ruhe aufgegeben , um bei Euch zu sein ; doch gestehe ich ein , ich suche außer Euch noch meinen lieben Flüchtling - meine theure Elmerice auf , und zähle auf Euren Beistand , sie uns für immer wiederzugewinnen ! « » O gelänge Dir doch , theure Tante , was wir nicht zu erreichen wußten , ohne eine Art von Zwang gegen ihr tiefes , rührendes Pflichtgefühl auszuüben ! Doch Dir wird sie nicht widerstehen - und dann wird unserem Glücke Nichts fehlen ! « » So laßt mich sogleich zu ihr , « sagte die Gräfin und erhob sich . - » Doch will ich nicht gemeldet sein - ich will ihr Herz überraschen . « Wem hätte nicht Alles , was die Tante Franziska beschloß , das Beste geschienen ! Ihre Liebesfülle , von so viel Einsicht und tiefem Menschenblicke unterstützt , brachte einen sich immer wiederholenden Segen über Alles , was sie ergriff . Jeder war im voraus überzeugt , ihr könne Nichts mißlingen ; und nur die Ehrfurcht für ihre Ruhe machte , daß man ihre Einmischung so selten begehrte , da sie dieselbe nie versagte , und ihr doch die schüchterne Zurückhaltung anzufühlen war , die sie immer erst mit ihrer Menschenliebe überwinden mußte ; da sie die Meinung Anderer über sich nicht theilte , sondern geneigt war , sich unpassend und unzureichend für die an sie gerichteten Wünsche zu halten . - Elmerice saß an dem Bette der schlummernden Alten . In ihrem Herzen war eine solche Fülle von Schwermuth , daß sie ihr Beschäftigung schien und sie über die trostlose Unthätigkeit täuschte , in welche diese Stimmung sie stürzte , den Trübsinn nährend , der nichts wollte , als ein stetes Nachdenken über die Schmerzen ihrer jungen Brust . Wie seufzte sie , daß ihr Leben noch lang sein sollte ; - da es doch , wenn das schwache Wesen vor ihr versunken sei , für Keinen mehr Werth haben werde ! Sie schauderte bei dem Gedanken , diese stille Welt , in der sie so viel Anklang für ihr leidendes Herz gefunden hatte , vielleicht bald verlassen zu müssen , unberechtigt - wie sie Allen erscheinen mußte - hier um eine Stelle für ihr Grab zu bitten . Genug , sie gestaltete in sich