- Aber so wie ihr Geschrei , - das eines schwachen Weibes fruchtlos verhallte unter dem Toben der Menge , also war überhaupt nicht mehr aufzuhalten das Rad des Unglücks , das vom Zufalle entfesselt worden war , und nun zerschmetternd daherrollte . Der Stifterin alles Übels nahte ihre verhängnißvolle Stunde , denn sie begegnete , wenige Schritte von der Pforte dem Rasenden , der wie ein böser Geist an sie heranstürmte . - » Willkommen , Ungeheuer ! « rief er ihr zu , daß sie entsetzend vor ihm wich , und sich an ihre Begleiterin festhielt : » Kennst Du dies Kind ? Kennst Du mich ? und soll ferner noch Dein schändlich Lügengewebe bestehen ? Wo ist die Mutter dieses Kindes ? « » Gott der Barmherzigkeit ! « flüsterte erschrocken Wallradens Begleiterin , und das Fräulein schrie : » Kommt Willhild , kommt ! befreit mich von dem Tollgewordenen ! « - » Wo ist dieses Kindes Mutter ? « brüllte der Verzweifelnde , und schleuderte sie mit mächtiger Faust zurück : » In dem Strome ? Lüge ist ' s ! darum bekenne , oder fürchte das Äußerste , Höllengespenst ! « - » Der Mensch will mich ermorden ! « jammerte Wallrade , verblassend und bebend an allen Gliedern : » Willhild ! helft mir von dannen ! « - » Ermorden ? ja bei Gott ! « donnerte Bilger : » Nicht leben sollst Du , wenn Du nicht auf der Stelle bekennst ! « - Vor seinen fürchterlichen Blicken wich die Menge zurück , die das Schauspiel umbraußte . Wache von der Pforte näherte sich nun , um auf Willhild ' s durchdringendes , Geschrei Ruhe zu stiften . Bilger stürzte jedoch mit der Wuth eines Tigers auf den Anführer der Söldner und entriß ihm gewaltsam die blanke Waffe . Sie in einem leuchtenden Kreise schwingend , schreckte er die Knechte von sich , und verdoppelte Wallradens Angst , an welche er die vorige Frage wiederholte , außer sich vor Zorn und Grimm . Da gewahrte Willhild den Junker Dagobert , der , von der heulenden Gundel geleitet , sich durch das Volk drängte , und schrie , was sie vermochte , nach Hülfe , und nach seinem Schutz . - » Erbarme Dich meiner , Bruder ! « wimmerte Wallrade , vor dem Wüthenden zurückweichend . - » Du schweigst ? « stammelte dieser : » So stirb , Verfluchte ! - Und mit einem gewaltigen Schwertstoß auf die Brust der Feindin warf er sie in den Staub , daß sie , schwer blutend und ächzend zusammenfiel , ohne ferneres Zeichen des Lebens . - « » Zeter ! « schrie der Haufe und fuhr weit zurück vor dem Herrn von der Rhön : » Ein Mord ! Genade der Armen Gott ! Ein Mord ! - Wer bist Du , Entsetzlicher ! « rief Dagobert , der die in seinen Arm Gesunkne , Willhild und Gundel überließ . Der Herr von der Rhön war beim Anblick der Verletzten und der Ströme ihres Bluts wie gefühllos geworden , und dieser Schreck gewann ihm die Herzen des Pöbels , und Dagobert ' s Mitleid , der seinen Mann plötzlich erkannte , und wie von einem Gespenste berührt , zurücktaumelte . - » Herr von der Rhön ? « schrie er : » Unglücklicher ! Abscheulicher ! was habt Ihr gethan ? « - » Stoßt mich nieder , « antwortete ihm Bilger wie bewußtlos , und die triefende Klinge entfiel seiner Hand . - » Das walte Gott ! « versetzte Dagobert schaudernd : » Dort naht schon die zurückkehrende Wache , Schöffen an der Spitze . Euer Blut komme nicht über mich , flieht ! « - » Flieht ! flieht ! « schrie die Menge : » Flieht , unglücklicher Vater ! Nach der Freistadt , nach der Freistadt ! fort , fort ! « - » Wo ? wo ? « stotterte Rhön , in dem die Lust zum Leben wieder erwachte . - » Nach dem deutschen Hause ! « raunte ihm Dagobert in das Ohr , und stieß ihn in das Gewühl des Volks , das dem bewußtlos Fliehenden geräumigen Platz machte . - » So versorgt Ihr mein Kind ? « entgegnete der arme Vater , und im Nu hatte es Dagobert schon auf seinen Armen gezogen . Bilger entfloh , so schnell , als seine Füße es erlaubten und die unbequeme Tracht . Das Mitleid der aus den Häusern laufenden Bürger bahnte ihm den Weg . » Laßt ihn durch ! « riefen einige Stimmen : » er ist ein armer Mörder ! « - » Zu den deutschen Herren mit ihm ! « riefen wieder andre . » Haltet die Wache auf ! « schrieen die Kühnsten , Meister und Knechte der Metzgerzunft , und schleuderten Steine , Äxte und dergleichen Dinge mehr den eifrig Nachsetzenden zwischen die Beine . Am Brückenthore wollten die Söldner den Mönch nicht durchlassen . Metzgerfäuste stießen sie zurück . Zweie von der handfesten Schifferzunft packten den ermatteten Bilger bei den Händen , nahmen ihn in die Mitte , und rannten mit ihm , schnell wie der Wind , über die Brücke . Wagen sogar mußten ausweichen , und aus den Fenstern des Deutschherrenhauses wurde der Auflauf gesehen . Eifersüchtig , ihr heiliges Vorrecht zu üben , gaben die Obern Befehl , die Thüre weit zu öffnen . Bilger nahte dem Ziele , aber auch die Verfolger waren nur einen Schritt hinter ihm zurück . Auch sie machten sich durch Hellebardenschläge und Rippenstöße Luft und freien Weg , und ihre Hände berührten schon die Kutte des Unglücklichen , als er die Schwelle des deutschen Hauses erreichte , und athemlos darauf zusammen sank . » Rühre nur die Mauer an , armer Mann ! « riefen ihm Mitleidige zu , und seine matte Hand erfaßte einen Stein der Pfortensäule , als der Schöffe anlangte , ihn in Haft zu ziehen