den Phöniciern her20 , und hat sich , wie die Poeten mit großer Zuversichtlichkeit versichern , vor Zeiten an vielen Orten zugetragen . In unsern Tagen ereignet sich freilich so etwas nicht mehr , und ich weiß nicht , ob es sich künftig jemals wieder zutragen dürfte . « - Es muß etwas Seltsames seyn , daß du so hinterm Berge damit hältst , sagt Glaukon . - » Wenn du es gehört haben wirst , « antwortet Sokrates , » wirst du finden daß ich Ursache hatte , nicht gern damit herauszurücken . « - Sag ' es immerhin und befürchte nichts . - » Nun so will ich ' s denn sagen , wiewohl ich selbst nicht weiß , wo ich die Kühnheit und die Worte dazu hernehme . « Nachdem er durch diesen dramatischen Kunstgriff die Erwartung seiner Zuhörer aufs höchste gespannt hatte , mußte ihnen doch wohl zu Muthe seyn als ob sie aus den Wolken fielen , da er fortfuhr : » Vor allem also will ich mich bemühen , die Archonten meiner Stadt und die Krieger , und dann auch die übrigen Bürger dahin zu bringen , daß sie sich einbilden , alles was bisher mit ihnen vorgegangen und die ganze Erziehung , die wir ihnen gegeben haben , sey ein bloßer Traum gewesen . Dagegen sollen sie glauben , sie selbst sammt ihren Waffen und allem ihrem übrigen Geräthe seyen wirklich und wahrhaftig im Schooß der Erde gebildet , genährt und ausgearbeitet worden ; und erst , nachdem sie in allen Stücken fertig und vollendet da gestanden , habe die Erde , ihre Mutter , sie zu Tage gefördert . Demnach sey es ihre erste Pflicht , das Stück Erde , welches sie bewohnen , als ihre Mutter und Erzieherin zu betrachten , jeden feindlichen Anfall von ihr abzuhalten , und alle ihre Mitbürger , ebenfalls Kinder derselben Erde , als ihre Brüder anzusehen . « - Nun begreif ' ich freilich , sagt Glaukon , warum du mit einer so platten Lüge so verschämt zurückhieltest . - » Da hast du wohl Recht , « versetzt Sokrates ; » aber höre nun auch den Rest des Mährchens . Ihr alle ( werden wir nun , die Fabel fortsetzend , zu ihnen sagen ) , so viele euer in dieser Stadt leben , seyd Brüder ; aber der Gott , der euch bildete , vermischte den Thon , den er dazu nahm , mit ungleichartigem Metall . Bei denjenigen von euch , die zum Regieren tauglich sind , mischte er Gold unter den Thon , daher sind sie die geehrtesten von allen ; zu denen , die er für den Soldatenstand bestimmte , Silber ; Kupfer zu den Ackerleuten und Eisen zu den übrigen Handarbeitern . Da ihr nun alle zu einer und eben derselben Familie gehört , so zeugt zwar meistens jeder seines gleichen ; doch geschieht es auch wohl zuweilen , daß sich aus Gold Silber , und dagegen aus Silber Gold , und eben so auch Kupfer aus Silber , oder Gold aus Kupfer erzeugt , und so weiter . Diesem zufolge macht der Gott , euer Schöpfer , den Regierern zur ersten und wichtigsten Pflicht , die Kinder , die unter euch geboren werden , genau zu untersuchen , mit welchem von den besagten vier Metallen ihre Seelen legirt sind , und wofern ihnen selbst kupfer- oder eisenhaltige geboren würden , sie ohne Schonung , wie es ihrer Natur gemäß ist , in die Classe der Handwerker oder Ackerleute zu versetzen ; hingegen , wofern diese letztern einen gold-oder silberhaltigen Sohn erzeugten , solchen in die Classe der Regierer , oder der Vertheidiger der Republik zu erheben ; und dieß einem Orakel zufolge , welches dem Staat den Untergang ankündigt , wofern er je von Kupfer oder Eisen regiert würde . « Was sagst du zu diesem Ammenmährchen , Eurybates ? Sollte der göttliche Plato wohl eine so verächtliche Meinung von seinen Lesern hegen , daß er für nöthig hält , uns von Zeit zu Zeit wie kleine Knaben mit einem Fabelchen in diesem kindischen Geschmack zufrieden zu stellen , weil er uns nicht Menschenverstand genug zutraut , eine männlichere Unterhaltung , wie z.B. die unmittelbar vorhergehende , in die Länge auszuhalten ? Wenn er es ja für dienlich hielt , zu mehrerem Vergnügen der Leser den Ton zuweilen abzuändern , wie konnt ' er sich selbst verbergen , daß nur Kinder , die noch unter den Händen der Wärterin sind , an einem so platten Mährchen Gefallen haben könnten ? Oder sollte er vielleicht die geheime Absicht , die ihm Schuld gegeben wird , wirklich hegen , die Ilias aus den Kinderschulen der Griechen zu verdrängen , und diesen Dialog bloß darum mit so vielen Fabeln und allegorischen Wundermährchen gespickt haben , um desto eher hoffen zu können , sich selbst dereinst an die Stelle des verbannten Homers gesetzt zu sehen ? Beinahe muß man auf einen solchen Argwohn verfallen ; zumal wenn man die sonderbare Hitze bedenkt , womit er sich an mehrern Stellen dieses Werkes mit einer sonst kaum begreiflichen Ausführlichkeit beeifert , den sittlichen Einfluß der Werke unsrer Dichter auf die Jugend in das verhaßteste Licht zu stellen . Wie dem auch seyn mag , immer ist es lustig genug , zu sehen , wie er seinen Sokrates vorbauen läßt , daß die Leser sein Phönicisches Mährchen nicht für so ganz einfältig und anspruchlos halten möchten als es aussieht . - Weißt du wohl ein Mittel , läßt er ihn den Glaukon fragen , wie man unsre Leute dieses Mährchen glauben machen könnte ? Sie selbst nicht , antwortet Glaukon , aber wohl allenfalls ihre Söhne und Nachkommen und die andern Menschen der Folgezeit , sollt ' ich denken . Ich merke wo du hinaus willst , versetzt Sokrates ; es könnte doch immer dazu gut seyn , sie desto ernstlicher besorgt zu machen , daß die Absicht des Orakels erreicht werde ; - nämlich