Sie vielleicht zu hören interessiren wird , und was Ihnen mitzutheilen der hauptsächlichste Grund war , weshalb ich mir heute Nachmittag die Ehre einer Unterredung mit Ihnen erbeten hatte . Ich meinte nämlich , es würde Ihnen conveniren und vielleicht eine Zukunft für Sie sein , wenn ich Sie ersuchte , nachdem der Verkauf von Zehrendorf zu Stande gekommen ist , mir in der Verwaltung desselben und einiger anderen Güter hier herum behülflich zu sein . Der Fürst , mein Vater , verlangt durchaus , daß ich mich als Landwirth bethätige , bevor er mit mir seinen Frieden macht . Nun ist mir freilich an dem Zustandekommen dieses Friedens aus mehr als einem Grunde sehr viel gelegen ; mit der Bethätigung als Landwirth ist die Sache aber weniger einfach und die Acquisition eines Mannes , von dem ich so viel Rühmliches gehört , der sich in so mancher schwierigen Situationen bereits bewährt hat , und den ich , was mir das Wichtigste ist , selbst als Gentleman , als vollkommenen Gentleman kennen gelernt habe - die Acquisition eines solchen Mannes , sage ich , würde mir von einer großen , von einer sehr großen Wichtigkeit sein . « Der Fürst hatte zum ersten Male während unserer Unterredung mit einer Wärme gesprochen , die nicht ohne Einfluß auf mein empfängliches Herz blieb , und bei den letzten Worten hatte er sich gegen mich anmuthig verbeugt , und ein freundlich wohlwollendes Lächeln war über sein feines , blasses Gesicht gezogen . Es war ein großherziges , jedenfalls schönes Anerbieten , das er mir machte ; ich fühlte das , und ich fühlte auch , daß ich unter anderen Verhältnissen unbedingt ja gesagt haben würde ; aber so , aber so - » Sie sind ein vorsichtiger Mann , « sagte der Fürst , nachdem er eine kleine Weile höflich auf meine Antwort gewartet hatte ; » Sie denken : wird Carlo Prora auch halten , was er verspricht , oder wird er es halten können ? Ich glaube , Sie darüber beruhigen zu dürfen . Dem Fürsten , meinem Vater , muß an einer Versöhnung mit seinem einzigen Sohne nicht weniger gelegen sein , als mir selbst ; er würde mir auf die ersten Avancen hin , die ich ihm machte , mit ausgestreckten Händen entgegenkommen , und mich für die kleinsten Resultate , die ich ihm bieten könnte , mit fürstlicher Großmuth belohnen ; ich glaube , daß er mir sofort unsere sämmtlichen Güter in dieser Gegend übergeben würde . Das wäre für den Anfang ein Wirkungskreis , der , sollte ich meinen , selbst Ihrem Ehrgeiz - Sie sind ein wenig ehrgeizig , nicht wahr ? - genügen dürfte . Was mich selbst betrifft , so sollen Sie mit mir zufrieden sein . Ich bin von Natur ein wenig indolent , und meine Erziehung hat nicht viel gethan , diesen Fehler auszurotten ; ich würde Ihnen also vollkommen freie Hand lassen , oder wenigstens würden Sie mich stets geneigt finden , auf vernünftige Vorstellungen einzugehen . Ein harter Herr würde ich auf keinen Fall sein , und da Sie leider nicht in der Lage sind , wie soll ich es ausdrücken ? - Sie wissen , was ich meine - warum sollten Sie mir Ihre Dienste nicht ebenso willig , oder , ich schmeichle mir , williger leihen , als dem schrecklichen Plebejer drüben , mit dessen Angelegenheiten es überdies , wie ich aus sehr guter Quelle weiß , gar nicht besonders stehen soll . « Ich hatte , während der Fürst sprach , die Frage , mit welcher er schloß , schon vorweg genommen und dahin beantwortet , daß in der That nicht wohl abzusehen sei , weshalb ich in diesen neuen Verhältnissen nicht mindestens ebenso segensreich sollte wirken können , als in den alten . Und dennoch , dennoch wollte das Ja nicht über meine Lippen . Es wird dem Menschen so schwer , einem Glückestraum zu entsagen ! » Ich sehe , meine Proposition hat Sie doch etwas in Verlegenheit gesetzt , « sagte der Fürst , nicht ohne einige Empfindlichkeit . » Nun , ich will Sie nicht drängen ; überlegen Sie sich die Sache ; mein Wort haben Sie ; ich will mich einige Tage gedulden ; bin ich doch , wie es scheint , hier , um mich in der Geduld zu üben ! Ich werde also in einigen Tagen vielleicht das Vergnügen haben . « Er hatte sich aus der Sophaecke nach mir geneigt , um anzudeuten , daß die Unterredung zu Ende sei , als der schnelle Hufschlag eines Pferdes auf dem Platze vor dem Fenster ertönte . » Wer kann das sein ? « sagte der Fürst und berührte den Knopf der silbernen Glocke auf dem Tisch . In diesem Augenblicke trat aber auch schon der alte Diener herein , gefolgt von einem Reitknecht , der ein versiegeltes Schreiben in der Hand trug . Der alte Mann sah sehr blaß und der Reitknecht sehr roth aus , aber sie hatten beide verstörte Mienen , so daß der Fürst mit einiger Ungeduld rief : » Nun , zum Teufel , was giebt ' s denn ? « » Einen Brief von Seiner Durchl- wollte sagen , von dem Herrn Kanzleirath Hensel ; « sagte der Alte , dem Burschen den Brief aus der Hand nehmend und denselben , anstatt ihn auf dem silbernen Teller zu präsentiren , welchen er zu diesem Zwecke in der linken Hand trug , seinem Herrn ohne diese Vorsicht überreichend . Er mußte wohl schon von dem Boten den Inhalt des Briefes erfahren haben . Der Fürst erbrach das große Siegel , und ich sah , daß , während er den Inhalt des Schreibens durchflog , es gar seltsam in seinem Gesicht zu zucken begann und seine Hände heftig und immer heftiger zitterten . Dann hob er die Augen und sagte mit einer Stimme , die sich offenbar Mühe gab , möglichst fest zu klingen : » Seine