Schulzendorf mit seinem Wachtmeister Grützmacher aus Kocher am Fall dahertraben zu sehen ... Ja , sie waren es ! ... Wie die Rosse dampften ! ... Wie die Schnurrbärte der Reiter vom Kalkstaub der Landstraße so marsch- und manövermäßig gefärbt waren ! .. Der Gruß der Nachbarn aus Kocher am Fall that ihm so wohl , wie wenn sie ihm Grüße von der Hasen-Jette und vom David mitbrächten . Ei , Seligmann ! Schlag , wie kommen denn Sie hierher ? rief ebenso erheitert Major Schulzendorf und ritt etwas langsamer . Ja , aber Sie , Herr Major ? Von drüben ? Zwölf Stunden weit ? Dienstgeschäfte ! ... Bedeutungsvolle Pause ... Grützmacher spricht natürlich kein Wort , wenn der Chef redet ... Dieser wollte weiter ... Apropos ! hielt er plötzlich sein Roß an . Seligmann ! Wissen Sie hier keine Pferde ? Herr Major , wollen Sie wechseln ? Wechseln ! Kaufen ! Kaufen ! Seligmann besann sich ... Vielleicht war ein Geschäft zu machen . Der Major drängte ... Sie haben was , Seligmann ! Kommen Sie uns doch nach ! In den Palmbaum , heißt ja wol das Wirthshaus ? Zu Befehl , Herr Major , zu Befehl ! Wie wir wissen , war der Major ein berühmter Pferdehändler . Seligmann durfte annehmen , daß diese Aufforderung vollkommen ernst gemeint war . Grützmacher , der erst dicht neben seinem Chef ritt , sich jetzt aber drei Schritte zurückhielt , bestätigte mit einer eigenthümlichen Ironie in dem sonnenverbrannten , wie mit Speck und Staub überstrichenen Antlitz die Gelegenheit zu einem Geschäft . Und sein Brauner sogar schien den Seligmann zu erkennen . Er machte einen so gewaltigen Satz , daß ihm Grützmacher ' s Säbel fast an seine Vatermörder streifte . Na , na , Landsmann ! sagte Grützmacher zum Gaul und beruhigte ihn . Die eigenthümliche Ironie des seinem Chef Nachsprengenden verstand der Nachbar des Wachtmeisters zu Kocher am Fall auf den ersten Blick . Seligmann sagte sich : Gewiß ist blos ein Pferd dienstuntüchtig geworden ! Nun wird er eine Reise von zwölf Stunden und sogar über den Strom hinweg unterwärts mit der diessenbacher Fähre machen ! Nebenbei werden ein paar Wagenpferde für Herrn von Ingelheim , ein paar Ackerpferde für den Grafen Grafenberg , ein Reitpferd für dessen Herrn Sohn beschafft . Oder wär ' s noch etwas Anderes ? setzte er in sinnendem Selbstgespräch , aber nachfolgend hinzu ... Seligmann verstand sich auf die Zeit ... Ihm selbst lag der Streit der Guelfen und Ghibellinen seit gestern centnerschwer auf dem Herzen , so leicht auch nur ein einziger grüner Streifen Tuches von einem Jagdrock wiegt . Im Palmbaum fand er dann den Major , der bereits , wie er erzählte , heute sieben bis acht Pferde behandelt und theilweise schon erstanden hatte . So aufmerksam Schulzendorf dann zuhörte und sich Namen und Ortschaften notirte , wo Seligmann noch einige junge , tüchtige Pferde wußte , auch eines ganz in der Nähe auf einige hundert Schritt , so fand er den Major doch nicht in der Stimmung , den Duft des Stalles sogleich wieder einzuathmen , sondern erst vor allen Dingen den eines tüchtigen Mahles . Im Palmbaum gab es eine leidliche Table-d ' hôte . Das Gewühl von Menschen , die sich noch an der mit jedem neuen Gast mehr verdünnten Suppe und an ausgekochtem Rindfleisch mit Salzgurken satt aßen , war heute so groß , daß Seligmann plötzlich auf einen ihn selbst überraschenden Gedanken kam . Wie - dachte er ; wenn - überlegte er ; prächtig ! - beschloß er . Der Major war an der Villa vorübergeritten und hatte bei seinem außerordentlich seinen norddeutschen Spürsinn ( die Guelfen räumen den Ghibellinen vorzugsweise eine größere Feinheit der Geruchsnerven ein ) Seligmann beneidet , als dieser sich rühmte , dort zu diniren . Selbst wenn es nur Kugel-Schalet gab , wußten ja Grützmacher und er , daß der Major solchem Geruch manchmal selbst bei Jette Lippschütz nicht widerstehen konnte . Selbst unter deren Dach sah man ihn oft eintreten am Freitag Abend mit der feinsten Nase , die nur je jenseits der Elbe zum spürenden Organ alles Guten und Schönen sich ausgebildet ... Ueberhaupt sechsunddreißig Landdragoner standen unter dem Trefflichsten . Jeder von ihnen wußte , daß ein so tüchtiger Chef nur zum Wohle des Vaterlandes geboren werden konnte , und eine dies bezeugende Kleinigkeit , nämlich zu seinem Geburtstage - bezeugte auch an ihnen wieder , so arm sie waren , ein gutes Herz . Schulzendorf nahm jeden Hasen , auch wenn er geschenkt war . Und nun gar erst der Pferdehandel ! Sechzig Thaler kostete nun so eine tüchtige Mähre von einem Bauer z.B. hier im Enneper Thale ; dann hat man einen guten Freund , Grützmachern z.B. , die gute treue brave jüterbogker Seele macht so ein Thier » rittig « , setzt Leib und Leben , Frau und Kinder daran , das wilde Jungblut zuzureiten , und nach sechs Wochen nimmt es dann der beste aller Könige für achtundachtzig Thaler . Bei sechsunddreißig Pferden , die wie alle Pferde nur zu oft nicht einschlagen , kommt der Fall der Erneuerung und ein Gewinn von achtundzwanzig Thalern per Stück sehr häufig vor . Wollte man aber darum den Major anklagen , daß er im Dienste lässig gewesen ? Nimmermehr ! Er strafte wie einer ! Er machte Abzüge wie einer ! Er lächelte stets so scharf , so sarkastisch , so liebevoll mephistophelisch , aber zuweilen konnte sein Inneres auflodern , wie wenn seine Väter nicht geborene niederlausitzer Tuchmacher , sondern ( nach Shakspeare ) » von Deukalion her erbliche Fürstendiener « gewesen wären . Er vergaß keine Titulatur nach oben , aber wehe dem , der eine von unten vergaß ! Um zu zeigen , wie ein Chef Untergebene behandeln müsse , duldete er nimmermehr , daß Grützmacher von den Schreiben , die aus dem Landdragoneramte an untergeordnetes Volk gingen , den Streusand wegblies . Kreuzhimmeltausendsakkerment ! fluchte