die gleichfalls freundlich antworteten , Klotilde war in ihrem Festanzuge sehr befangen , was auch fast bei allen andern der Fall war . Mein Vater löste die Stimmung , indem er zu einem Tische schritt , auf welchen er ein Kästchen niedergestellt hatte . Er nahm das Kästchen , näherte sich Natalien und sagte : » Liebe Braut und künftige Tochter , hier bringe ich ein kleines Geschenk ; aber es ist eine Bedingung daran geknüpft . Ihr seht , daß ein Faden um das Schloß liegt , und daß der Faden ein Siegel trägt . Schneidet den Faden nicht eher ab als nach Eurer Vermählung . Den Grund meiner Bitte werdet Ihr dann auch sehen . Wollt Ihr sie freundlich erfüllen ? « » Ich danke für Eure Güte innig , « antwortete Natalie , » und ich werde die Bedingung erfüllen . « Sie empfing das Kästchen aus der Hand des Vaters . Auch die Mutter und Klotilde gaben ihr Geschenke , so wie Mathilde und Natalie Gegenstände aus den benachbarten Zimmern herbeiholten , um die Mutter , Klotilden und den Vater zu beschenken . Natalie und ich gaben uns nichts . Dann setzten wir uns um einen Tisch nieder , und es begannen herzliche Gespräche . Am Schlusse sagte Mathilde . » So wäre denn der Bund , den die Herzen unserer Kinder geschlossen haben , auch durch die Beistimmung der Eltern bekräftigt . Der Tag der ewigen Verbindung mag nach ihrem Wunsche und unserer Meinung festgesetzt werden . Wir wollen darüber jetzt nicht sprechen , sondern es der Beratung und Vereinbarung anheimgeben . « Nach diesen Worten trennten wir uns und begaben uns in unsere Zimmer . Die festlichen Kleider wurden nun abgelegt , und es begann das Besuchsleben , wie es in ähnlichen Verhältnissen , und namentlich , wenn man in so nahe Beziehungen getreten ist , der Fall zu sein pflegt . Mathilde führte nach und nach den Vater und die Mutter in alle Teile des Schlosses , des Gartens , des Meierhofes , der Felder , der Wiesen und der Wälder . Sie zeigte ihnen alle Zimmer des Hauses : ihre Wohnzimmer , die Zimmer mit den alten Geräten , sie zeigte ihnen die Bilder und was sich nur immer in dem Schlosse befand . Sie ging mit ihnen in den Garten : zu den Linden , zu allen Obstbäumen , zu den Blumenbeeten , in die Grotte mit der Brunnennymphe , auf die Eppichwand und in jede Anlage , die in dem Garten enthalten war . Ebenso wurde alles , was sich auf die Landwirtschaft bezog , auf das genaueste durchgenommen . Gegen den Abend , wenn die Sonnenstrahlen milde auf die blühende Erde leuchteten , wurde ein gemeinschaftlicher Gang durch irgend einen Teil der Gegend gemacht . Wiederholt gingen wir die ganze Länge des Berührweges durch , und die Eltern fanden Gefallen an dieser Bahn , die eine freie und rüstige Bewegung in trüben Tagen so wie im Winter auf eine angenehme Weise gestatte . Der Vater konnte über alles der Freude und des Lobes kein Ende finden . Mathilde und die Mutter sprachen oft lange und immer sehr freundlich mit einander , sie tauschten wahrscheinlich ihre Ansichten über Häuslichkeit und Verwaltung des Zugehörigen aus . Natalie und Klotilde waren fast unzertrennlich , sie schlossen sich an einander an , bezeigten sich jede Innigkeit , und oft , wenn wir alle in das Schloß zurückgekehrt waren , gingen sie noch auf einem einsamen Wege des Gartens oder auf einem Pfade des nächstgelegenen Feldes herum . » Siehst du , Klotilde , « sagte ich , » ich konnte dir kein Bild von Natalien bringen , weil keins da war , jetzt hast du sie selber . « » Um wie viel lieber als jedes Bild , « antwortete sie , » aber ein Bild muß doch ausgeführt werden , damit man später wisse , wie sie in diesen Jahren ausgesehen habe . « Acht Tage entließ uns Mathilde nicht von dem Sternenhofe , und jeder Tag fand seine freundliche Beschäftigung . Am neunten wurden die Anstalten gemacht , daß wir alle in das Rosenhaus abreisen konnten . Mathilde und die Eltern fuhren in unserem Reisewagen . Natalie , Klotilde und ich in dem Wagen Mathildens . Als wir den Hügel hinanfuhren , konnte mein Vater seine Neugierde kaum mehr bemeistern . Ich sah ihn öfter in dem Wagen aufstehen und herumblicken . Es war ein wolkig heiterer Tag , Strichregen gingen auf entferntere Wälder nieder , Sonnenblicke schnitten goldne Bilder auf den Hügeln und Ebenen aus , und das Haus meines Gastfreundes schaute sanft von seiner Anhöhe hernieder . Obwohl , da wir von der Stadt abfuhren , dort bereits alles in Blüte stand , war in der Umgebung des Rosenhauses trotz der Zeit , die wir auf der Reise und in dem Hause Mathildens zugebracht hatten , doch noch die Baumblüte nicht vorüber , sondern sie war erst in ihrer vollen Entfaltung . Denn das Land hier lag um ein Bedeutendes höher als die Stadt . Ein Teil des Wintergetreides stand auf dem Hügel in üppigstem Wuchse , ein Teil schickte sich dazu an , das Sommergetreide keimte hie und da , und hie und da war noch die braune Erde zu sehen . Mein Gastfreund hatte durch Mathilden Nachricht von unserer Ankunft erhalten . Als wir bei dem Gitter anfuhren , stand er mit Gustav , Eustach , Roland , mit der Haushälterin Katharine , mit dem Hausverwalter , mit dem Gärtner und anderen Leuten auf dem Sandplatze vor dem Gitter , um uns zu empfangen . Wir stiegen aus , und da standen sich nun mein Vater und mein Gastfreund gegenüber . Der letztere hatte schneeweiße Haare , mein Vater etwas minder weiße , aber liebe , ehrwürdige Männer waren beide . Sie reichten sich die Hand , sahen sich einen Augenblick an , und schüttelten sich dann ihre Rechte herzlich . » Seid mir gegrüßt , seid