des Winters mehrmals vorkam , so wurden hiezu die unteren Apartements des palastähnlichen Hauses , die sonst immer verschlossen waren , geöffnet . Sie bestanden aus einem großen Tanzsaal mit Nebenzimmern zu allen möglichen Zwecken ; hier konnten die Tänzer ausruhen , dort konnten Mütter und andere Anverwandte sich einer angenehmen Konversation hingeben und doch mit einem einzigen Blick den Ballsaal und somit ihre Töchter und Schutzbefohlenen übersehen . Etwas entfernter von der rauschenden Musik waren Konversations- und Spielzimmer , sowie auch ein Gemach , dessen schwere eichene Tische mit Albums aller Art und illustrirten Werken überladen waren . Wie wir bereits wissen , verband der kleine Wintergarten das Haupthaus mit dem Hintergebäude , wo der junge Graf Fohrbach wohnte . An solchen Abenden aber wie der heutige war nicht blos der Blumengarten geöffnet , beleuchtet und zum Eingang von Gästen eingerichtet , sondern das Apartement des jungen Grafen mit Ausnahme des Schlafzimmers in die ganze Reihe hinein gezogen , und es wurde hier gewöhnlich soupirt . Wenn man nun vor Beginn der Soirée durch die ganze Zimmerreihe dahin schritt , wo die hohen Wachskerzen soeben angezündet waren und der Glanz ihrer Lichter noch durch keinen Staub getrübt wurde , wo die Blumen in den Ecken und auf den Tischen noch in ihrer ganzen Frische prangten , wo sich die Möbel der verschiedenen Zimmer und Salons noch in jener gut berechneten Unordnung befanden , die dem Auge so wohl thut , wenn die reine Atmosphäre noch versüßt war durch den Duft der Blumen und Gesträuche aus dem geöffneten Wintergarten , - so mußte man sich gestehen , daß dies Apartement , wenn auch wohl in der Größe und Ausdehnung manchem andern nachstehend , doch an zierlicher Eleganz , Geschmack und Lieblichkeit gewiß weit und breit seines Gleichen vergeblich suchte . Namentlich machte es dem jungen Grafen vieles Vergnügen , seinen ersten großen Salon , der an das Gewächshaus stieß , immer wieder auf neue Art zu dekoriren und einzurichten . Heute nun schien er eine Fortsetzung des Wintergartens zu sein , und wenn man hinein trat , so glaubte man in ein großes Gewächshaus zu kommen . Alle Ecken waren mit dichten Gebüschpartieen besetzt , von welchen sich nach verschiedenen Seiten hin Blumen und Sträucher in das Zimmer hinein zogen , so daß sie dasselbe in eine ganze Menge kleiner Pflanzenkabinete abtheilten . Diese nun waren auf das Mannigfaltigste möblirt ; hier bot eins Platz für zehn und zwölf Personen , dort vielleicht für fünf und sechs , weiterhin aber sah man recht lauschige Plätzchen , wo nur ein einsamer Sopha oder zwei Fauteuils standen , wie geschaffen zu einem heimlichen Zwiegespräch . Einen Kronleuchter hatte der Salon nicht ; er würde auch die ganze Wirkung dieses künstlichen Gartens zerstört haben . Zwischen den Blumenpartieen , namentlich aber am Ende derselben , standen kleine Postamente und auf diesen Lampen , welche über die Pflanzen emporragten oder zwischen ihnen durchschimmerten . Die Kugeln dieser Lampen waren mit künstlichen , gemachten und transparenten Blumen umgeben , die nun aus dem dunkeln Grün magisch hervorleuchteten , hier ein Bouquet riesenhafter , glühender Rosen darstellend , dort einen Strauß anderer sanft schimmernder Blüthen , oder weiterhin eine Partie weißer , glänzender Lilien . Auch zu Anfang des Balles , wo sich Alles in den vorderen Zimmern befand , war hier ein recht heimlicher , anmuthiger Aufenthalt . Da hörte man aus weiter Entfernung das Murmeln der Stimmen , die Akkorde der Tanzmusik , oder , wenn diese einen Augenblick schwieg , das sanfte Plätschern der Springbrunnen in dem anstoßenden Wintergarten . Doch ließen sich wenige Gäste hier nieder ; man spazierte nur hindurch , um die schönen Arrangements zu bewundern und zog sich hierauf wieder nach dem vorderen Theile des Apartements zurück , weil dort Tanz und Spiel zu finden war , und weil , wie Jedes wußte , der zierliche Salon des jungen Grafen für die allerhöchsten Herrschaften so zu sagen reservirt war , wohin sich diese auch häufig mit einzelnen auserwählten Vertrauten zurückzogen . Wenige Minuten nach acht Uhr hatte übrigens das ganze Apartement am heutigen Abend den Reiz der Einsamkeit und auch schon theilweise der Frische verloren und diente nur noch zu dem Aufenthalt eines wahrhaft fabelhaften Glanzes , der sich in seinen Räumen ausbreitete . Vor dem Tanzsaale empfing der Kriegsminister die hohen Herrschaften , wobei der alte Herr mehrere tiefe Verbeugungen machte , die bald mit vertraulichem Gruß und einigen freundlichen Worten erwidert wurden , bald auch nur mit einem steifen und sehr vornehmen Nicken des Kopfes , je nachdem man damit eine größere oder kleinere Gnade andeuten wollte . Nachdem so der allgemeine Empfang vorüber war , zu welchem sich Alles , was auf das Recht bemerkt zu werden Anspruch machen konnte , in den Vorzimmern und dem Eingang des Tanzsaales zusammengedrängt hatte , lösten sich die Anwesenden in einzelne Gruppen auf , die hohen Personen hielten in den verschiedenen Zimmern ihre kleinen oder großen Cercles , die jungen Herren und Damen folgten der rauschenden Tanzmusik , die alten Excellenzen und sonstigen Würdenträger zogen sich in die Spielzimmer zurück , und jene Eingeladenen , deren schwarze Fräcke schon mehreren Moden siegreich widerstanden , deren weiße Westen etwas zu kurz , die Handschuhe dagegen etwas zu lang waren , tapezierten die Wände , standen , in der Absicht , auffallend bescheiden und schüchtern zu sein , Jedermann im Wege , traten sich gegenseitig auf die Füße , machten vor jedem Stern einen tiefen Bückling , wobei sie nicht selten von hinten mit einer alten Dame sehr unangenehm karambolirten , und schwammen im Allgemeinen für sich und Andere sehr unerquicklich auf der Woge dieses glänzenden Lebens dahin , bis sie endlich von der gewaltigen Fluth in ein entferntes Nebenzimmer geschleudert wurden , um hier in irgend einer Ecke ruhig zu warten , bis sie mit Anstand verschwinden konnten ; oder um ein paar Stunden lang mit großer Geduld und Ausdauer verschiedene Albums zu durchblättern , wobei sie sehnsüchtige Blicke auf