hatten sich an einen großen viereckigen Tisch zurückgezogen , der in der Mitte des Saales stand , und sprachen dort mit halblauter Stimme miteinander , als ob sonst niemand zugegen wäre ; denn es schien deutlich , daß Dorothea einstweilen das Ihrige getan glaubte und sich einer gemessenen Zurückhaltung ergab ; aber in derselben war sie unbefangen und anmutig , daß Heinrich nur in um so größere Verlegenheit geriet und er , der eben noch kaum seine Glieder zusammenhalten konnte , alsogleich von der Opposition besessen ward , in welche ein unverdorbener junger Mensch solchen Erscheinungen gegenüber gerät , als müßte er sich seiner Haut wehren , wo niemand denkt , ihn in Unruhe zu versetzen . Doch ließ er sich nichts ansehen , und da der Wein inzwischen gekommen war und Apollönchen ihm eingeschenkt hatte , wobei sie ihn im Fluge und mit kritischen Äugelein musterte , trank er binnen kurzem ein großes Glas voll aus und sah nun dem Treiben der Frauenzimmer zu . Die Gärtnerstochter stand bei der Herrntochter , welche am Tische saß , und indem sie kurzweilig und vertraulich plauderten , half jene dieser in ihrer Hantierung und reichte ihr , was sie bedurfte . Der große Tisch war ganz mit Gegenständen bedeckt , worunter vorzüglich allerlei Gefäße und Gläser hervorragten , welche sämtlich mit Blumen angefüllt waren , die im Wasser standen . Meistens waren es Spätrosen , und die Sträuße , große und kleine , befanden sich im verschiedensten Zustande , so daß man sah , daß es die Ergebnisse vieler Tage waren und auch der älteste Strauß noch mit Liebe erhalten und gepflegt wurde , so hinfällig er auch aussah . Da Heinrich sah , daß die heutigen Blumen vom Kirchhofe sogleich in ein Glas gestellt worden , so vermutete er , daß alle Blumen von den Gräbern herrührten , und dachte sich , die Schöne müsse eine liebevolle Freundin und Pflegerin der Toten sein , was ihr um so mehr Reiz verlieh , als sie eine Gräfin und die draußen Liegenden sämtlich Bauern und Untertanen waren . Außerdem lagen auf dem Tische noch eine Menge späte Feldblümchen , verwelkt oder noch leidlich frisch , und wunderschöne purpurrote oder goldene Baumblätter , allerlei Prachtexemplare , wie sie jetzt von den Bäumen fielen , und noch andere solche Herbstputzsachen aus Wald und Garten , welche über den ganzen Tisch gestreut waren , so daß die Dame für die Gegenstände , mit denen sie sich beschäftigte , fortwährend Raum schaffen und das bunte Blätterwerk mit liebenswürdigem Unwillen wegstreifen mußte . Vor ihr lag eine große offene Mappe , welche ganz mit Bildern und Zeichnungen gefüllt schien , welche auf stattliche Bogen grauen Papieres zu heften ihre Arbeit war , daß sie geschützt und mit einem anständigen Rande versehen wurden . Heinrich sah sie von seinem Sitze aus verkehrt ; doch erkannte er , daß es landschaftliche Studien waren , indessen sie ihn wenig rührten , da die Zeit dieser Dinge schon wie ein Traum hinter ihm zu liegen schien ; vielmehr empfand er einen Widerwillen , hier auf dergleichen zu stoßen , was ihm soviel Täuschung und Leidwesen bereitet hatte . Apollönchen schnitt , nach Dorotheas Anweisung , das graue Papier zurecht , je nach dem Maße des Studienblattes , mit einer niedlichen Schere , und beide benahmen sich dabei , als ob sie Leinwand vor sich hätten und eine Aussteuer zuschnitten . Apollönchen fuhr mit der Schere hastig und rasch vorwärts , wie sie es beim Zeuge gewohnt war , welches von selbst reißt dem Faden nach , und sie machte desnahen viele Risse und Krümmungen in das Papier , und dasselbe schrumpfte sich stellenweise auf jene unangenehme Weise auf der Scherenklinge zusammen , wenn man zu unvorsichtig durchfährt , so daß das emsige Mädchen fortwährend mit den Fingerchen zu glätten , Zu seufzen und zu erröten hatte . » Ei , ei , Kind ! « sagte Dorothea , » du machst mir ja ganz gefranste Ränder zu meinen herrlichen Bildern ! Ich will wetten , daß der Papa unsere sämtliche Arbeit kassiert und sich endlich selbst dahintermacht , die Sachen zu ordnen ! « » Ach du ! « sagte jene , » mach du ' s doch besser mit diesem vertrackten Papier ! Sieh , du klebst ja alle die Landkarten krumm auf den Bogen , daß sie ganz windschief dastehen ! « » Ach , so schweig doch « , sagte Dorothea weinerlich , » ich weiß es ja schon ! Es sind aber auch gar zu große Dinger , man kann sie ja gar nicht ordentlich übersehen ! « » Was nur daran zu sehen ist ? « sagte Apollönchen , » zu was braucht man sie denn ? « » Ei , du Aff ! zu was ? zum Nutzen und Vergnügen ! Siehst du denn nicht , wie hübsch dies aussieht , alle diese lustigen Bäume , wie das kribbelt und krabbelt von Zweigen und Blättern und wie die Sonne darauf spielt ? « Apollönchen legte die Arme auf den Tisch , neigte das Näschen gegen das Blatt und sagte » Wahrhaftig ja , es ist wirklich hübsch und so schön grün ! Ist dies hier ein See ? « » Ein See ! o du närrisches Wesen ! « rief die andere und lachte mit dem vergnügtesten Mutwillen , » dies ist ja der blaue Himmel , der über den Bäumen steht ! Seit wann wären denn die Bäume unten und das Wasser oben ? « » Geh doch « , sagte diese schmollend , » der Himmel ist ja rund , und dies Blaue hier ist viereckig , gerade wie der neue Weiher hinter der Mühle , wo der Herr die Linden hat drum pflanzen lassen . Und gewiß hast du das Bild verkehrt aufgemacht ! Kehr es nur einmal um , dann ist das Wasser schon unten , und die Bäume sind oben ! « » Ja , mit den Wurzeln ! «