lassen ? « - » Ich habe keinen Grund es zu leugnen . « - » Und mir unterstehen Sie sich diese Schrift zu unterbreiten ? « - » Ich erfuhr erst heute , daß Euer Excellenz von meiner Schrift Notiz genommen . « - » Der Rittmeister Dohleneck ist Ihr Freund ? « - » So viel ich weiß , steht er zu meinem Vater in Verhältnissen . « - » Doch noch etwas Bescheidenheit , durch den Papa und die Freundschaft mir in die Hände zu spielen , wozu Ihnen selbst die Unverschämtheit abging . Gut gespielt , mein Herr , Sie können sich rühmen , daß ich Sie einen Augenblick für ehrlich hielt . « - » Wenn meine Ansichten oder meine Darstellung Euer Excellenz Mißfallen erregten , so glaube ich wenigstens diese Behandlung nicht verdient zu haben , da ich mich Ihnen damit nicht aufgedrängt habe . - Wenn Euer Excellenz mich nur deshalb rufen ließen so glaube ich jetzt entlassen zu sein . « - » Unversch - Ihre Ansichten ! Herr , in drei - hat ein Plagiarius Ansichten ? Kann ein Dieb sagen , der einen Kasten aus dem offenen Fenster stahl , daß ihm die Sachen darin gehören , wenn er sie in seiner Spelunke in Schränke und Fächer gestellt hat ? « Walters Blut stürzte gegen seine Brust , er presste die Lippen , seine Stirn glühte , und wie ein eiskalter Strahl zuckte es ihm zugleich vom Wirbel bis zur Zeh : » Was haben Euer Excellenz mir zu befehlen ? « Er sprach es mit fester Stimme , aber es war der letzte Moment der Fassung . » Scheeren Sie sich zum - , wo Sie hergekommen und unterstehen sich nicht , mir wieder unter die Augen zu treten . « Der Minister hatte mit einer halben Wendung ihm den Rücken gekehrt . » Ich werde nicht gehen ! « hörte er hinter sich eine klar tönende Stimme . » Denn darum haben , darum können Excellenz mich nicht herberufen haben . Ich gehe nicht , weil ich es mir schuldig bin , und ich gehe nicht , weil ich es Euer Excellenz schuldig bin . Ich habe ein Recht , vor Ihnen gerechtfertigt zu werden , wie der Minister ein Recht hat , vor mir gerechtfertigt zu stehen , und wäre ich die unterste menschliche Kreatur in diesem Staate . « Der Freiherr sah ihn über die Schulter an : » Im Mundwerk ein Virtuos wie im Styl ; aber ich liebe nicht Virtuosen , ich will Charaktere . Was haben Sie vorzubringen ? Kurz ! « - » Daß hier ein Mißverständniß sein muß . « - » Es ist Alles klar . Mit abgeschriebenen Gedanken wollen Sie sich brüsten . Gehen Sie zu andern Staatsmännern . Ich will Ihnen den Gefallen thun und Sie vergessen . Verstanden ? Ganz vergessen ! Machen Sie da Ihre Fortune . Aber , junger Mann , wenn es ernst ist um das Vaterland , und wo es sich handelt um seine heiligsten Interessen , da dulde ich keine Escroquerie . « Es war nicht mehr die Gluth der Entrüstung und des Zornes , es war eine lösende Wärme , welche unsern Bekannten aus seiner Erstarrung ins Leben rief . Hier war ein Mißverständniß . Er fühlte sich so muthig wie je . Der Minister , der , ohne ihn noch eines Blickes zu würdigen , gegangen war , und schon die Thür in der Hand hielt , hörte den entschiedenen Tritt des Andern hinter sich , er hörte ein Halt ! ihm zurufen . Vielleicht wäre der Dreiste ihm ins andere Zimmer gefolgt , wenn er nicht an der Schwelle Kehrt gemacht . Vorhin hatte Walters Stimme ihn sanfter gestimmt ; der klare , ruhige Blick , die gesetzte Haltung , mit der er ihn jetzt ansah , hemmte noch einmal das Gewitter , das im Losbruch , entweder gegen einen unerhört Unverschämten oder gegen einen Unschuldigen . Das klare blaue Auge sprach für die Unschuld . » Excellenz , ich weiß , was ich begehe , und weiß , daß ein Klingelzug , ein Rufen aus Ihrem Munde , über mein Loos entscheidet . Lassen Sie mich durch Ihre Diener hinauswerfen , ins Gefängniß schleppen , mir den Prozeß machen wegen Attentats gegen einen höhern Staatsbeamten im Dienst . Ich will nichts ableugnen , und weiß , daß es mehrere Jahre Festung , meine Karriere kosten kann . Dennoch ! - So heilig Ihnen Ihr unbescholtener Ruf ist , so heilig mir meine Ehre . Der Staatsmann , den ich nicht mit den übrigen verwechsele , der die Dinge nach ihrem Werthe prüft , und die Menschen nicht nach ihrem Kleid und Namen , er hat mich , den er freundlich in sein Haus lud , hier in seinem Hause einen Plagiarius gescholten , er hat mich des Diebstahls , der Escroquerie bezüchtigt . Ich habe ein heiliges Menschenrecht dafür Rechenschaft zu fordern . Von Andern würde ich sie nicht fordern , die in brutalem Dünkel den Untergebenen nicht fähig halten zu denken , was sie nicht selbst gedacht ; von Euer Excellenz fordere ich sie , und Sie werden sie mir gewähren . Wessen Gedanken habe ich entwendet , wessen Schrift nachgedruckt ? Wen habe ich um seinen Vortheil betrogen ? Diese Schrift , die Ansichten darin , falsch oder richtig , sind meine . Ich bin auf Tadel gefasst , ich werde auch Verspottung zu ertragen wissen , aber ich will mein Recht als Eigenthümer . « Er hatte das Heft vom Tisch ergriffen . Der Minister sah ihn mit einem durchdringenden Blicke eine Weile an , aber während der Zorn noch auf den Lippen schwebte , und den unteren Theil des Gesichts durchzuckte , glätteten sich schon die Falten der Stirn und unter den Brauen wurden die Augen klar , ja , ein spöttisches Lächeln fing an , sich über die Mundwinkel zu legen . »