erst ein Sopha mit ceriserothem Sammet überzogen schicken durfte . Die Trompetta hatte nämlich nur dunkle Möbel und sträubte sich sehr , besonders vor einigen frommen Lyrikern , sich auch auf ceriserothen Sammetmöbeln betreffen zu lassen . Die Geheimräthin kam aber nur unter dieser Bedingung , daß sie ihr grünes Kleid auf rothem Sammet zeigen durfte . Si non e vero ... man erzählte es wenigstens . Eben noch prüfte Pauline den Effect ihres hellen biblischen Costüms gegen das dunkelblau mit Gold drapirte Zeltgemach und erfreute sich des wirkungsvollsten Abhubes ihrer Figur von der dunklen Umgebung , als ein Wagen vorfuhr und durch das offenstehende Portal gleich in das Haus einlenkte . Daß eine Dame leicht und behend vom schnell herabgelassenen Tritte herunter und auf die Strohdecken sprang , die unter dem Unterbau des Hauses vor der Eingangspforte ausgelegt waren , sah Pauline nicht ; sie sah nur das Einlenken des Wagens in die geöffnete Gartenthür , ahnte aber wer es war , ließ sich nicht erst anmelden , wer kam , sondern ging der Kommenden entgegen . Sie war vollkommen darauf vorbereitet , daß sich ihr die Gräfin d ' Azimont mit einem Strom von Thränen an die Brust warf ... Welch ein Gegensatz zwischen zwei Geschwisterpaaren ! Drüben die ruhige , fast phlegmatische Adele Wäsämskoi im Kreise ihrer Kinder , geregelt und bevormundet von einem einfachen , strengen , mathematisch geordneten , praktisch bürgerlichen deutschen Verstandesmenschen ; hier diese wilde leidenschaftliche Halbpariserin , die schon auf der Treppe so laut schluchzte , daß die Ludmer die erstaunten Bedienten entfernen mußte ! ... Drüben die weiche , sanftmüthige Anna von Harder , die ihren Lebensberuf in der Pflege eines wunderlichen Greises , in milden Werken der Liebe und der prunklosen Ausübung der Musik fand und noch in diesem Augenblicke die bescheidene Sorgfalt ihres Herzens gegen ihr fast ganz fremde Menschen walten ließ ; hier ihre Schwester , im blendendsten Schmuck , ebenso leidenschaftlich , nur äußerlich kälter , wie ihr Besuch , den sie nicht am kleinen Theetisch , am dampfenden Comfort , unter einem Akazienbaum , an einer Wand beschattet von wildem Weine empfing , sondern in das blau- und golddrapirte Zelt führte , auf einen Divan , hinter Camelien und rankenden Gewächsen , die sich um die schweren bronzenen Stäbe des Zeltes und die herabhängenden goldenen Quasten ringelten . Helene d ' Azimont war klein und zart . Woher sie schöner war , als ihre ältere Schwester , konnte man kaum begreifen , wenn man fast denselben Schnitt des Gesichtes entdeckte . Es war dieselbe Bildung der Formen und doch von unendlich verschiedener Wirkung . Das Ensemble an der Gräfin war reizend , die Linien unendlich harmonischer , ihre Verbindung belebt und voll Anmuth . Sie ließ sich , obgleich der Fürstin ganz ähnlich , doch mit dieser kaum vergleichen . Jede Bewegung der Helene d ' Azimont war Leben . Die langen Augenwimpern zitterten , der schöne kirschrothe Mund bebte , die wie Emaille glänzenden Zähne zeigten sich unwillkürlich , wenn die Lippen wie vom Schmerze offen standen . Die Form des Halses , des Nackens , die Wölbung der Hüften , Alles war zwar klein , zwar zierlich , aber doch schlank und von regelmäßiger Harmonie und voll und fleischig , trotz des Kummers , der doch an ihr nagte . Das Auge blau und im Nu so groß geöffnet , daß es unter den schwarzen Wimpern wie eine leuchtende Krystallkugel aufzugehen schien . Die ganze Schwärmerei einer italienischen Sternennacht lag in diesem Auge , wenn es sich öffnend starr den Blick festhielt und den Gegenstand , auf den es fiel , fast in sich aufsaugend verzehrte . Das schwarze Haar lag im einfachen Scheitel dicht und glänzend über der kleinen Stirn . Wäre diese Stirn ein wenig größer gewesen , man hätte das Bild einer religiösen Denkerin , einer entzückten Schwärmerin gehabt . Da sie aber klein , von dem Scheitel beschattet war , so versinnlichte sie nur das Gemüth , die Leidenschaft , die gleichsam völlige Abwesenheit alles Nachdenkens . Die Liebe schien der Glaube dieser Frau zu sein ; die Zärtlichkeit das einzige Bekenntniß ihres Herzens . Wir wissen , daß Helene d ' Azimont dreißig Jahre zählt . Eine gewisse schwellende Rundung ihrer Formen war die einzige Bestätigung dieses Alters . Sonst glaubte man ein Kind vor sich zu haben , eine zum ersten Male ins Leben tretende Jungfrau , voll Vertrauen , Dreistigkeit , angeborener Sicherheit . Wie dies Auge rollte ! Wie diese Brust wallte ! Pauline konnte sie ohne Hemmniß an die Flordraperie ihres Halses drücken , denn Helene war so einfach gekleidet ! Sie war schwarz vom Kopf bis zur Sohle . Man sah , daß es nicht ihre Absicht war , heute bis zur Gesellschaft zu bleiben . Und doch blendete die Weiße ihrer Haut unter den schwarzen Flören wie der schönste Schmuck ! Sie trug an dem runden , vollen Arme lange schwarze Florethandschuhe . Um den Hals funkelte wol ein Collier von Brillanten , aber dies schwarze Florchiffü über dem Flechtenneste und halb dem Scheitel der Haare , dieser Kopfputz mit den einfach in den Nacken herabhängenden Spitzenzipfeln war so wenig auf gesellschaftlichen Reiz berechnet , daß man an die Ächtheit der Thränen glauben mußte , unter denen sie ausrief : Da haben Sie mich denn , Pauline ! So komm ' ich von Paris , so sehen Sie in mir die Verzweifelnde , die Sterbende um einen Sterbenden ! Helene , ist die Gefahr so groß ? fragte Pauline halb wie zitternd . Egon stirbt ! Egon wird dieser Erde nicht mehr angehören ! Ich bitte Sie , Freundin ! Ein junger , kräftiger Mann ! Wir haben keine Epidemieen . Ärzte umstehen sein Lager . Sie selbst - Ich , Pauline ? Ich ? ... Ihr wißt es ja Alle ! Wo ich hinblicke , hat ja die Welt kein Mitleid für mich , nur lachende boshafte Augen ! Die Menschen ,