' Aubaine ihren Freund - » wie würdig bist Du , seine Tochter zu sein ! « - » Die Anwesenheit des Marquis d ' Anville , den sie als Ihren Verwandten kennt , theure Gräfin , hat diesen Vorsatz nur befestigt . Wie sollte sie ein Eigenthum besitzen wollen , das in diese Hände übergegangen ist ? Dagegen hält sie es für eine heilige Pflicht , bei Emmy Gray auszuhalten , die von der Aehnlichkeit lebt , die Elmerice mit Fennimor hat , und nach so langer , trostloser Vereinsamung durch den Gedanken befriedigt ist , daß sie die rechtmäßige Erbin Fennimors in Ste . Roche eingesetzt hat , und ihr diese die Augen zudrücken wird . Elmerice fügt sich allen ihren Phantasien ; sie trägt Fennimors Kleidung sogar , um der armen Alten die höchste Illusion zu gewähren . « » So , liebe Gräfin , denke ich , kann es nicht länger bleiben ! Wir müssen dem edeln Kinde , das es so wohl verdient , jetzt völliges Vertrauen schenken . Sie theilt Emmy ' s Ueberzeugung ; denn , wenn sie auch aus ihrem Leben keine Gewißheit hinzufügen kann , widerspricht doch auch Nichts ihren Annahmen ; und daß Miß Lester ihre Mutter , ward bestätigt durch ihre Vermuthungen , die auch Emmy sehr natürlich erklärt hat . « » So ist denn jetzt noch mehr , wie früher , meine Ueberzeugung bestätigt , daß auch ich nach Ste . Roche muß , « sagte die Gräfin d ' Aubaine ; - » denn ich werde am besten all die kleinen Schranken durchbrechen können , die zu großes , gegenseitiges Zartgefühl dieser Angelegenheit nachtheilig werden ließ . Ich habe natürlich wenig von den Gesinnungen des Marquis d ' Anville über diesen Gegenstand gehört ; da meine lieben , nur zu gütigen Verwandten Alles in Schweigen hüllten , was auf diese schmerzliche Epoche meines Lebens hinzuweisen vermochte . Doch erfuhr ich , daß er nach Reginald selbst oder nach dessen Verwandten eifrig forschte - und daß er darin nicht glücklich war , ist mir durch Ihre Mittheilungen erklärt . « - » Ja ! « sagte Lord Duncan - » hier ist sein letzter Brief ; er ist aus Ste . Roche datirt und läßt keinen Zweifel über seine uneigennützigen Gesinnungen . Ich habe ihm geantwortet , wie er es verdient - und ihn auf meine baldige Ankunft verwiesen . Doch müssen wir wohl überlegen , was wir mit Elmerice wollen ; wird es ein Glück sein , sie in ihre Rechte einzusetzen ? « » Das steht in Gottes Hand , Lord Duncan , « - sagte die Gräfin warm ; - » wir haben ein Unrecht gut zu machen - wir dürfen nicht weiter fragen , da das Nächste klar vor uns liegt ! Die spätere Frage ist nicht so sehr , wie es erscheinen will , an Aeußerlichkeiten gebunden . Nehmen wir Elmerice den Druck ab , der durch ihre halbe , gekränkte Stellung entstanden ist , und erwarten wir voll Vertrauen und Achtung , wie sie selbst mit ihrem schönen Willen dann eine würdige Haltung behaupten wird . « - » Der Marquis d ' Anville , « hob nach einer Pause Lord Duncan an - » hat einen Bruder « - » Fürchten Sie Nichts von diesem ! « unterbrach ihn die Gräfin schnell . » Leonce ist allerdings nicht reich - und ich weiß , daß d ' Anville beschlossen hatte , durch die Art , wie er den Nachlaß des Grafen Leonin jetzt zu theilen dachte , diesen Mangel auszugleichen . Doch tritt der Fall ein , daß Leonce mit der Tochter meines Bruders fast so gut wie verlobt ist und diese ihm Reichthum bringen wird , da Graf d ' Aubaine nur zwei Kinder hat . « Schnell stand hier Lord Duncan auf und trat mit einer sonderbaren Heftigkeit auf den Balkon hinaus . Die Gräfin war jedoch zu sehr in den angeregten Empfindungen vertieft , um es zu bemerken ; Lord Duncan ward freundlich und mit dankbaren Worten von ihr entlassen , da er ihr bis zur Abendtafel Ruhe zu gönnen wünschte , und diese Zeit den erinnerungsreichen Plätzen um Ardoise widmen wollte . Doch müssen wir gestehen , daß er die Gräfin d ' Aubaine mit viel geringeren Hoffnungen für das Glück der von ihm so väterlich geliebten Elmerice verließ , und oft hören wir ihn wiederholen : » Reginald , Reginald , Deine Nachgiebigkeit kömmt zu spät ! « In dieser Zeit hatte Elmerice an dem Krankenlager ihrer alten Freundin trübe Stunden ! Sie konnte sich nicht verhehlen , daß ihr Leiden ernster Art war und vielleicht das letzte ihres Lebens sein werde . Aber der Gedanke , Emmy zu verlieren , war ihr in einem Augenblicke , wo sie dieselbe als ihre einzige Stütze ansah , fast unerträglich . Mit leidenschaftlicher Angst erwartete sie daher den alten Arzt , und als er endlich ankam , eilte sie ihm mit einem so gesteigerten Grade von Schmerz entgegen , daß er sie erstaunt anblickte und , während er ihre Hand wie blos freundschaftlich drückte , doch heimlich und schnell den Zeigefinger an ihren Puls legte , um ihren Gesundheitszustand zu ergründen . Mußte er nun auch ihre Bewegung auf ihre Theilnahme allein schieben , überzeugte ihn doch der Zustand der Alten , daß die größte Besorgniß für dieselbe vorhanden sei . Er hatte kaum den Wunsch , ihr ein Medikament zu geben ; da ein ruhiges Einschlafen der gänzlich abgelaufenen Lebenskräfte zu erwarten stand . Um sie jedoch der armen Elmerice , die sie fortwährend für ihr letztes Lebensglück erklärte , so lange wie möglich zu erhalten , verordnete er ein Mittel , welches die Fieberbewegungen aufheben sollte . Es war Elmerice nicht gelungen , sich den übrigen Schloßbewohnern ganz zu entziehen ; die Pforte , die einst Emmy Gray mit so eifersüchtiger Strenge bewachte , schien Schloß und Riegel verloren zu haben , und es blieb