keinen mehr gibt « , setzt er hinzu ) machte den Hirsch und verbarg sich im Walde ; die andern waren Jäger und Hunde . Es wurde parforcemäßig lanciert und dann gejagt ; der Hirsch sollte gegriffen werden , was aber fast niemals gelang . Das letzte Jahrzehnt des Jahrhunderts brachte Krieg . Marwitz machte 1790 den resultatlosen polnischen Feldzug , 1793 – 1795 die Rheinkampagne mit ; wichtiger aber als diese Kriegsereignisse , an denen er bei seiner Jugend keinen hervorragenden Anteil nehmen konnte , war für ihn , besonders für seine geistige Entwicklung , die Rückkehr des Obersten Baron von der Goltz , der eine lange Reihe von Jahren hindurch in Paris als preußischer Gesandter gelebt hatte . Baron von der Goltz war ein naher Verwandter der Marwitzschen Familie und verbrachte seine Abende mit Vorliebe im Hause derselben . Die Französische Revolution und ihre Ursachen bildeten natürlich einen unerschöpflichen Stoff für die Unterhaltung . Der ehemalige Gesandte , der ein Vierteljahrhundert und länger den Ereignissen der französischen Hauptstadt gefolgt war und mit scharfem Auge die Schwächen und Fehler des Hofes , die Machinationen der politischen Gegner und die Verworfenheit , Keckheit und dämonische Zuchtlosigkeit der Volksmassen und ihrer Führer beobachtet hatte , war natürlich schon damals befähigt , Aufschlüsse über die Triebfedern und zugleich eine Gesamtdarstellung des großen Ereignisses zu geben , wie es der Geschichtsschreibung , der ein Wust traditioneller Lobpreisung im Wege stand , erst in viel späteren Jahren möglich geworden ist . Er hatte alle kleinen und schlechten Leidenschaften in dem Hexenkessel tätig gesehen und mußte natürlich , durch die Lebendigkeit seiner Schilderungen und die Überlegenheit seines politischen Urteils , Anschauungen befestigen , zu denen die Keime von Anfang an im Gemüt unseres Marwitz gelegen hatten . Er war von Natur Royalist ; von da ab begann er es auch mit Bewußtsein zu werden . Noch mehrere Jahre lang blieb Marwitz im Regiment Gensdarmes , bis er im August 1802 seinen Abschied nahm . Was ihn direkt dazu bestimmte , ist schwer zu sagen . Waren es Vorgänge im Regiment , die ihm den Dienst verleideten , war es der frivole Ton der Residenz , der seinem auf Ernst und Wahrheit gestellten Wesen widerstand , oder war es seine Verlobung mit der schönen Gräfin Franziska von Brühl , die im Juli desselben Jahres stattgefunden hatte , gleichviel , er quittierte den Dienst und zog sich nach Friedersdorf zurück . Die Sehnsucht nach der väterlichen Scholle war erwacht ; der Pflug trat an die Stelle des Schwertes . Sein ganzes Wesen ließ keine Halbheit zu , und mit demselben Ernst , mit dem er Soldat gewesen war , ging er jetzt an die Bestellung seiner Äcker , an die Pflege seines Guts . 1803 vermählte er sich . Aber trübe Sterne waren über Schloß Friedersdorf aufgegangen und der Tod trennte nach kaum Jahresfrist ein Band , das die innigste gegenseitige Neigung geschlossen hatte . Marwitz bestattete die geliebte Frau , die sein Freud ' und Stolz gewesen war , und schrieb auf den Grabstein : » Hier ruh ' t mein Glück . « » Hier ruh ' t mein Glück « , und in der Tat , es war , als habe Marwitz sein Glück begraben . Überall , wo sein Herz am verwundbarsten war , da wurde es jetzt verwundet . Was von dem Gange der großen Weltereignisse in seine Einsamkeit drang , steigerte nur die Niedergedrücktheit seines Gemütes . Endlich kam ein großer Schlag , und die politischen Vorgänge , die bis dahin nur Bitteres zu Bitterem gefügt hatten , jetzt schufen sie einen leidenschaftlichen Groll in seinem Herzen , und die Flamme hellen Zorns , die aufschlug , ward ihm zum Segen , indem sie ihn seinem Brüten entriß . Der Napoleonische Übermut hatte Schmach auf Schmach gehäuft , neutrales preußisches Gebiet war in herausfordernder Weise verletzt worden ; das durfte , das konnte nicht ertragen werden . Österreich und Rußland standen bereits im Felde ; Preußen mußte seine Truppen zu dem vereinigten Heere beider stoßen lassen ; der Krieg war sicher – wenigstens in Marwitzs Augen . Er riß sich heraus , suchte beim Könige seinen Wiedereintritt nach , erhielt ihn und wurde mit dem Range eines Rittmeisters zum Adjutanten des Fürsten von Hohenlohe ernannt . Aber nicht jeder in preußischen Landen war damals ein Marwitz . Viele wurden durch Furcht und selbstsüchtige Bequemlichkeit in ihren Ansichten bestimmt , andere trieben das traurige Geschäft der » Staatskünstelei « . Noch viele Jahre später konnte Marwitz in nur zu gerechtfertigtem Unmut ausrufen : » Was redet man beständig von dem edlen Enthusiasmus von 1813 ? 1805 war es Zeit , edlen Enthusiasmus zu zeigen . Damals galt es , noch ehe man selbst im großen und kleinen etwas verloren hatte , Schmach und Verderben vom Vaterlande fernzuhalten . Als nachher , wie zu gerechter Strafe , ein jeder in seinem Hause geplagt und gepeinigt und , um ein wesentliches nicht zu vergessen , die französische Armee in Rußland durch die Strafgerichte Gottes vernichtet war – da war es keine Kunst , Enthusiasmus zu zeigen . « Der Tag von Austerlitz brach an , ehe Preußen sich entschlossen hatte ; nach diesem Tage war es unnötig , noch kriegerische Entschlüsse zu fassen . Es blieb Friede , freilich ein Friede wie Gewitterschwüle , und Marwitz , nachdem er zum zweiten Male seinen Abschied genommen , kehrte nach dem väterlichen Gute zurück . Die Erfahrungen der letzten Monate , die Schwäche , die Halbheit , die Indifferenz , ja die ausgesprochene französische Gesinnung , der er fast überall in der Hauptstadt begegnet war , während schon die Napoleonischen Adler stoßbereit über Preußen schwebten , alles das hatte wenig dazu beitragen können , seinem Gemüte den Mut und die Freudigkeit zurückzugeben , die ihn zehn Jahre früher erfüllt hatten , wenn er bei » Hirsch und Jäger « im Berliner Tiergarten einer der eifrigsten unter den Eifrigen gewesen war . Trübes Gewölk hing jetzt andauernd