Rhein , Gleichgültig gleißt der Sternenschein Vom Himmelszelt . Ich bin so allein , so ganz allein Und mein Herz ist voll . Verkannt und unverstanden sein , O nagende plagende Seelenpein , O bittrer Groll ! Ich bin so allein , so ganz allein , In die schweigende Flut Ueber Bord verschütt ' ich den letzten Wein Und schütt ' in Gedanken hinterdrein Mein letztes Blut . Leiden sollst Du , Menschensohn , leiden , bis die Pulse stocken . Und doch will man nicht leiden . Wozu dies Alles , wozu sich immer erneuen in der Erscheinungen Flucht ? Denn ahnen wir nicht , daß wir einst gewesen , daß wir schon lange begraben sind ? Unfaßbare Erinnerung einer Seelenwandrung . Ein lüsterner Falter , gaukeln wir alle unsterblich im flüchtigen Schein . Sind wir das Ewige , das immer neu von Hülle zu Hülle flattert ? In der uferlosen Fluth des Seins untergehn und weiterwogen - - mit allen Welten ruhen im Schooße des Alls - mit Vergangenheit und Zukunft lichtgewobene Brücken schmieden - das allein heißt Unsterblichkeit . Nach dem unsagbar Einen mag Dich die Sehnsucht umsonst berücken , doch ruhe in Dir selbst ! Wie lange dauert ' s und Todesruhe drückt ihr bleiches Siegel auf Deine fiebernde Stirn . Schein ist alles Wesen und stumm verlacht uns das Schicksal . Drum trage auch Du in starrem Schweigen das ewige Einerlei . Schweig und stirb ! Halte den Mund und arbeite ! » Fähnrich , wenn Er stirbt , so sterbe Er ruhig ! « Wenn Du also denkst , dann werden alle Winde , alle Wellen Dich grüßen , die Dich einst als Jüngling mit frommem Schauer durchwogt , und brüderliche Sterne erhellen Dir das alte Märchenland der Sehnsucht . Unser Leben ist selbst nur ein Sinnbild des Welträthsels , das sich langsam aus chaotischem Urschlamm der Sinneserregungen zum hellen Bewußtsein aufringt . Drum , Dichterherold , streue Deine Verse wie Samenkörner , die der Wind in weite ungeahnte Fernen führt ! Die Ernte feiern wir drüben , wenn nicht hier . Drum dresche weiter ! Und siehst Du auch keinen Spiegel Deiner Strahlen , entzünde stets aufs neu der Weisheit Lampe ! So lange ein Acker bleibt , ziehe breit und fest des Fortschritts Furche mit brennender Pflugschar ! - - Aber wenn man nun kein Dichter ist , kein Denker , kein Seher , und dennoch dasselbe Gefühl des Ewigen in sich trägt , ohne ihm artikulirte Laute zu leihen , was dann ? Verfehltes Leben ! Das Schwanken des Lebensschiffes endet nie und die Seekrankheit des Pessimismus hebt immer von neuem an . Nur der sturmgehärtete Seemann schwingt sich furchtlos in den gefährlichen Raaen . Nur eine eigenthümliche Hoheit der Willenskraft , nämlich ideale Kampflust , macht furchtlos und fest , wie die feiende Feder des Simurgh den Rustem vor jeder Fährniß schützt . Gewann er denn nicht lange schon die Einsicht , daß künstlerische Thätigkeit für Höherdenkende ein entehrender Humbug und nur für technische Kunsthandwerker erfreulich sei ? Im Wirken solcher Art Befriedigung suchen , das lag ja heut lange hinter ihm . Ihm däuchte , sein kurzes Herumplätschern im litterarischen Sumpf sei wohl nur ein wüster Traum gewesen . Was für ein Gackern und Schnattern und Truthahn-Kollern , mein Gott ! Auch gegen Leonhart wurde er jetzt ungerecht durch natürliche Reaction , während » dem großen Todten « immer noch Weihrauchdämpfe aus den Spalten aller bedruckten öffentlichen Meinung nachqualmten . Es giebt eine stürmische Vergötterungsmanie selbstsüchtiger Jüngerschaft , die an Petrus ' Zweifelzorn darüber erinnert , daß Christus sich nicht der Kanaille mit Donner und Blitz enthülle ! Solche Jünger und Jüngerinnen transfiguriren sich ihren Meister so zurecht , bis sie vor lauter selbstloser Bewunderung recht selbstsüchtig raisonniren , sobald der Meister mal nicht den Anforderungen ihrer schrankenlosen Begeisterung genügt . Dem Bedürfniß der Jünger gehorsam , muß er immer auf dem Quivive stehn , um beliebige Messiasthaten zu verrichten . » Und der König absolut , wenn er uns den Willen thut . « Gott schütze ihn vor seinen Freunden , mit seinen Feinden wird er schon selber fertig . Drum sah jetzt Krastinik , nachdem ihm die Schuppen von den Augen gefallen und er sein umgekehrtes Damaskus gefunden , nur einen genialen Charlatan und krankhaften Bramarbaseur , wo er einen verzerrten großen Mann bedauern sollte . Mochte ihm Leonharts ewige Selbstbetrachtung widerlich geworden sein , er vergaß darüber dessen Umgebung , das scheußliche Ungeziefer des modernen Kunstproletariats . Entweder Parnassauer , die es für ihr heiliges Recht halten , auf Kosten der ehrlichen Arbeit faul zu schlampampen und ihre Unfähigkeit fortzumästen - oder Macher , die ihr kleines Dichtergeschäft in hellen und dunkelen Stoffen wie die Goldne Hundertzehn annonciren . Krastinik wußte ja , wie nur verzweifelte Nothwehr den Unglücklichen dazu trieb , seine Schöpferruhe zu opfern , um mit der Peitsche die Zöllner und Wucherer aus dem Tempel zu jagen . Wozu also jetzt sein posthumer Groll über die Selbst-Herabschraubung seines Idols , das im Tagesgetümmel sich herumraufte , sich mit Koth bespritzen ließ und selbst mit Kothballen um sich warf ? » Graf « Leonhart hätte das ja gewiß nicht nöthig gehabt und seine hehre Mission ohne Furcht und Tadel erfüllt . Seine Fehler waren die Früchte seines niedergedrückten Lebens und seiner berechtigten Menschenverachtung , seine Tugenden waren sein eigen . Doch diese Reaction eines neuen Standpunktes diente als heilsame Krisis . Das Stadium der persönlichen Hero-Worship war hiermit endgültig überwunden . VII. - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Seit acht Tagen saß Graf Xaver Krastinik , der neugebackene Vormund des unmündigen Majoratsherrn , auf dem Schloß seiner Väter . Die gänzliche Umwandlung seiner Lebensverhältnisse überraschte ihn kaum mehr . So märchenhaft reich an Schicksalsschlägen war sein früher so eintönig ruhiges Leben in den letzten zwei Jahren verflossen , daß die Nachricht ,