Strahl des Tages auf ihr Gesicht fiel , sah ich , wie dasselbe die Farbe wechselte und von einer rosigen Röte in Marmorblässe überging . » Höre die Klappernuß , wie sie raschelt ! « rief sie , » da , klappre auch damit ! « Sie drückte dem zitternden Röschen das Gefäß in die Hände ; aber es tat einen Schrei und ließ das Herz fallen , und Dortchen fing es mit aller Gewandtheit auf und ließ es abermals klappern . Ich , von dessen Gegenwart sie keine Ahnung hatten , schaute ganz erstaunt dem Spiele zu . Wart , du Teufel ! dachte ich , dich will ich schön erschrecken ! Schnell trocknete ich die nassen Augen , stieß einen hohlen Seufzer aus und sprach mit einer traurigen Stimme , die ich gar nicht sehr zu verstellen brauchte , in älterm Französisch : » Dame , s ' il vous plaist , laissez cestuy cueur en repos ! « Mit einem Doppelschrei flohen die Mädchen aus der Krypta und der Kirche wie besessen , Dortchen voraus , welche mit einem schwungvollen Satz über die Stufen und die Schwelle der Kirchentüre hinaussprang , schneebleich , aber immer noch lachend ihr Kleid zusammennahm und über den Kirchhof wegeilte , bis sie zu ihrer Ruhebank kam und sich auf dieselbe warf , was ich alles durch eines der Fenster beobachten konnte , das ich rasch erklettert hatte . Dortchen , deren Gesicht fast die Farbe ihrer weißen Zähne hatte , lehnte sich zurück , die Hände um das Knie geschlungen , und Röschen rief : » Du großer Gott , es hat gespukt ! « » Jawohl , es spukt , es spukt ! « sagte Dortchen und lachte wie eine Tolle . » Du Gottlose ! Fürchtest du dich denn gar nicht ? Klopft dein Herz nicht schrecklicher , als das tote Herz dort geklappert hat ? « » Mein Herz ? « antwortete Dortchen , » ich sage dir , es ist guter Dinge ! « » Was hat es denn gerufen ? « fragte Röschen , die immerfort beide Hände an ihr eignes Herz hielt und abwechselnd prüfte , ob sie noch beweglich seien ; » was hat das französische Gespenst gesagt ? « » Fräulein , hat es gesagt , wenn es Euch gefällt , so nehmt dies Herz und macht es zu Euerem Nadelkissen ! Geh wieder hin und sag , wir wollten uns bedenken ! Geh , geh , geh ! « Sie sprang auf , als ob sie die hübsche Dienerin wirklich nach der Kirche zurückschieben wollte , umhalste sie aber unversehens und drückte ihr heftige Küsse auf die Wangen . Dann verschwanden beide unter den Bäumen . Eine gute Weile später stieg ich auch aus meinem Schlupfwinkel hervor , um die letzten Dinge zu besorgen , die noch übrig waren . Ich ging in das Parkhaus und stellte die Reisefertigkeit vollständig her ; richtig war der Schädel beim Packen des Koffers wieder vergessen worden , weshalb ich nochmals Raum schaffen mußte . Zuletzt war auch er untergebracht , und zwar als die einzige Habseligkeit von denen , die ich einst aus der Heimat in die Fremde mitgenommen hatte . Darum war mir auch , als ich es recht bedachte , die arme Scherbe erst jetzt wert ; lange Jahre schon hatte sie in der heimatlichen Erde gelegen , dann mit mir die Kammer geteilt und , wenn auch als ein stummes Geräte , meine vergangenen Tage gesehen , und so kehrte ich wenigstens nicht ganz vor der alten Ausstattung entblößt zurück . Dies verrichtet , begab ich mich zum Grafen , die Unterredung mit ihm zu halten , die durch die letzten Stunden meines Hierseins sowie schon von der Pflicht der Dankbarkeit gefordert wurde . Er wollte aber jetzt nichts von solchen Verhandlungen wissen , sondern bestand darauf , mich abermals nach der Hauptstadt zu begleiten und Zeuge zu sein , wie ich es mit meinen Bildern anfangen und es mir ergehen würde . Man müsse verhüten , sagte er , daß ich nicht schon nach dem ersten Anlaufe wieder einen Trödler aufsuche . Das wäre nicht zu befürchten , antwortete ich , weil ich ja nun reich genug wäre , die Bilder für einstweilen zu behalten und mit nach Hause zu bringen , wo sie sogar Zeugnis über die Art , wie ich die Zeit verbracht , ablegen könnten . Nichts da , meinte er , in der Kunststadt müßten sie ihre Wirkung tun , sonst habe mein bevorstehender Entschluß nicht die rechte Grundlage . Vom Grafen hinweg ging ich auf die Terrasse , wo ich die kurze Zeit bis zur Stunde der abendlichen Zusammenkunft zubringen wollte . Auf einem Tische des dahin führenden Gemaches stand eine Schüssel mit feineren Zuckersachen , wie man sie in buntes Papier zu wickeln und mit allerlei Sinnsprüchen oder sogenannten Devisen zu begleiten pflegt . Dorothea hatte die Gewohnheit , dergleichen Naschwerk selber zu wickeln und statt der gewöhnlichen trivialen Reimereien gute Sinngedichte , Distichen und Liederstrophen einzulegen , welche sie aus allen möglichen Dichtern und verschiedenen Sprachen zusammensuchte . Sie ließ ganze Sammlungen solcher Zierlichkeiten auf Bogen drucken , die man nach Bedürfnis zerschneiden konnte , und besaß das Talent , jeweilig eine so artige Auswahl zusammenzubringen , daß die Gesellschaft beim Nachtische durch anmutig heitere oder witzige und spitzige Vorstellungen oder auch beides abwechselnd nicht selten in angeregte Stimmung versetzt wurde . Auch trieb sie allerhand Schwank , indem sie oft zwei Zeilen aus verschiedenen Dichtern zusammenfügte , und man glaubte , Bekanntes zu lesen , indessen die neue Wendung , der entgegengesetzte Sinn , welchen das Unbekannt-Bekannte ergab , die Leser in die Irre führte . Einen Vorrat dieses so zubereiteten Naschwerkes , in einem Körbchen von Silberdraht geordnet , das sie beim Gebrauche noch mit Blumen schmückte , hielt sie jederzeit bereit und bot es bei gegebener Veranlassung selbst herum . Mir sagte die Spielerei eigentlich nicht sehr zu ; doch hielt