ist , zu Ohren kommen wäre - eine Thatsache , welche ich allerdings nicht näher bezeichnen kann , weil es nicht mein Geheimniß ist , die aber der Art war , daß von dem Momente , wo ich sie erfuhr , jeder Gedanke eines gleichviel ob legitimen oder illegitimen Verhältnisses für immer und ewig ganz unmöglich wurde . Es kommen gar wunderliche Dinge im Leben vor - Dinge , die einen im Anfang erschrecken als entsetzliche Gespenster , bis man nach und nach sich mehr an sie gewöhnt und mit ihnen umgehen lernt . Meinen Sie nicht ? « Der Fürst schien diese letzte Frage schon wieder halb schlummernd gethan zu haben , aber - so oder so - ich konnte nicht mehr an diese Schlummerstimmung glauben ; im Gegentheil : ich hatte jetzt ganz und gar die Empfindung , daß mein durchlauchtiger Wirth eine vorher wohl überlegte Rolle mit einer allerdings anerkennungswerthen Geschicklichkeit spielte . Es war wohl aus diesem Grunde , daß mich seine vertraulichen Mittheilungen nur stutzig machten , und ich mit einer Zurückhaltung , die mir sonst nicht eben eigen war , abzuwarten beschloß , wohin diese sonderbare Unterredung eigentlich ziele . Der Fürst mußte seinerseits einen andern Eindruck bei mir erwartet haben , denn er fragte mit halb geschlossenen Wimpern ganz nebenbei : » Sie interessirten sich einst sehr für die genannte Dame ? « » Ja . « » Das kommt heraus , als ob Sie sich nicht mehr für sie interessirten ? « » Nicht , daß ich wüßte ! « erwiederte ich . » In der That ! « sagte der Fürst , die schönen , müden Augen für einen Moment groß öffnend und mir starr in das Gesicht sehend ; » in der That ! Das wäre das genaue Gegentheil von dem , was mir Zehren berichtet hat . « » Ich glaube nicht , daß Arthur - daß Herr von Zehren - über irgend etwas , das mich beträfe , auch nur mit einem Schein von Glaubwürdigkeit berichten könnte , « erwiederte ich . » Wohl möglich , « erwiederte der Fürst , » wohl möglich ; seine Glaubwürdigkeit ist mir keineswegs über jeden Zweifel erhaben ; ich erlaube mir sogar manchmal , das Gegentheil von dem anzunehmen , was er mir zu berichten für gut findet . So bin ich zum Beispiel überzeugt , daß er sich entschieden geirrt hat , als er mir sagte , daß die liebenswürdige , junge Künstlerin , bei der ich das letzte Mal das Vergnügen hatte , Sie zu treffen , meine Aufwartung gern sehen würde ; das Gegentheil schien der Fall zu sein ? « Der Fürst blickte mich an , als ob er eine Antwort erwarte ; ich begnügte mich , mit den Achseln zu zucken . » Ebensowenig bin ich sicher über den Verbleib einer gewissen , geringfügigen Summe , welche ich ihm , erinnere ich mich recht , an demselben Tage zu einem gewissen Zwecke übergab ? Bitte ! Sie brauchen nichts zu sagen ; jetzt bin ich sicher ; der gute Zehren ist doch manchmal sehr wenig delicat ! « - der Fürst machte eine verächtliche Handbewegung ; - » sehr wenig delicat ! Es ist wirklich die allerhöchste Zeit , daß er in rangirte Verhältnisse kommt ; Menschen , wie er , gehen in einer verzweifelten Lage hoffnungslos zu Grunde . Nun , er hat ja wohl jetzt die allerbeste Aussicht , sich zu rangiren ; ich wünsche ihm Glück dazu ! « Ich fühlte , wie mir bei diesen Worten des Fürsten , die doch nur eine Auslegung haben konnten , das Blut in Stirn und Wangen schoß ; dennoch beherrschte ich mich , so gut es gehen wollte , und sagte nur : » ich glaube eben von Durchlaucht gehört zu haben , daß Sie geneigt sind , in gewissen Fällen das Gegentheil von dem anzunehmen , was Ihnen Arthur zu berichten für gut findet . « » O , in der That , « sagte der Fürst , » das sollte mir gerade in diesem Falle leid thun ; ich meine um seinethalben , wenn ich auch vielleicht der jungen Dame , die ich übrigens zu kennen nicht die Ehre habe , zu der Partie nicht gerade gratuliren möchte . Indessen diesmal glaube ich doch an die Sache , weil die Verhältnisse dafür zu sprechen scheinen . Ich habe wiederholt mit dem alten Manne zu thun gehabt ; er ist ein entsetzlicher , wie soll ich sagen ? - Roturier , und nach Art dieser Menschenrasse , auf angesehene Verbindungen und Auszeichnungen aller Art versessen . Hat er mir doch noch heute Morgen durch den Justizrath Heckepfennig andeuten lassen , daß er mir betreff Zehrendorfs gewisse günstigere Bedingungen stellen würde , wenn ich ihm durch den Fürsten , meinen Vater , den Geheimen oder die dritte Klasse - die vierte hat er sich schon irgend wie erbettelt - verschaffe . Für solche Leute ist es die höchste Seligkeit , wenn sie eine Tochter , noch dazu die einzige , in eine alte Familie hinein heirathen lassen können . Und eine alte Familie sind doch nun einmal die Zehrens ; daran ist nicht zu drehen und zu deuteln . Wie die junge Dame über den Punkt denkt , weiß ich freilich nicht , vermuthlich aber nicht anders , als andere junge Mädchen ihres Standes . Wirklich , es wäre mir recht fatal , wenn Zehren mir hierüber wieder einmal etwas aufgebunden hätte ; ich würde ihm das sobald nicht vergeben . Ich habe ihm auf das Conto hin seine Schulden bezahlt , und , was mir für den Augenblick wichtiger ist , er hat mir versprochen , seinen ganzen Einfluß bei seinem Schwiegervater in spe aufzubieten , daß der Verkauf von Zehrendorf wirklich zu Stande kommt . Und auch Ihrethalben , Herr Hartig - Hartwig , verzeihen Sie ! - wäre mir die Sache recht fatal ! Ich hatte mir nämlich etwas ausgedacht , was