sich die Verlegenheiten Deines Vaters zu Nutze zu machen , was sie zu wissen wünschten , und mehr als das . Arglistig stellte man Deiner armen , kranken Mutter den ihr verhaßten Bastard gegenüber , und als die Aermste zusammenbrach , da war der Menschenliebe und der Dienstfertigkeit , der Rücksicht und der Hingebung für sie kein Ende . Unter dem Scheine der höchsten Uneigennützigkeit erschlich sich Seba die Freundschaft und das Zutrauen Deiner Mutter . Als ihre einzige , als ihre beste Freundin führte Angelika , als ich eben zu einem Wiedersehen mit den Meinigen angekommen war , die edle Seba bei meiner Mutter ein , und diesen Augenblick benutzte die schöne , erhabene Seele , ihre Geständnisse zu machen und von mir die Herstellung ihrer Ehre zu verlangen , die sie mir sehr freiwillig geopfert hatte . Renatus konnte diesen Ton nicht ertragen . Es schnürte ihm die Brust zu , es klopfte ihm in allen Adern , er erhob sich wie im Schrecken . Er hätte das Fenster öffnen mögen , obschon der Wind , der sich inzwischen erhoben hatte , die Scheiben klirren machte . Auch der Graf hatte sich erhoben , aber er ging gemächlich auf und nieder und pfiff leise das damals sehr beliebte Lied vom schönen Dunois durch die Zähne . Jeder Mann , sagte er nach einer Weile , spielt zwischen drei Frauenzimmern in einer solchen Lage eine abgeschmackte Rolle . Die arme , sterbende Angelika schwamm in Thränen und hätte mir am liebsten die schöne Seba sofort angetraut ; meine Mutter wollte Seba überreden , mir zu verzeihen , was sie mir gar nicht zu verzeihen hatte - und ich that das Einzige , was mir bei einer derartigen Scene und Ueberrumpelung zu thun übrig blieb : ich ließ sie alle gewähren ! - Ich gönnte Deiner Mutter die Zeit , sich auszuweinen und das Vertrauen und die Freundschaft zu bedauern , welche sie Seba gewährt hatte . Ich ließ meiner Mutter die Zeit , zu begreifen , daß sie überlistet worden sei , und Seba Zeit und Freiheit , sich zu entfernen , was sie denn auch schließlich that . - Aber , rief er mit fester Stimme und mit einer Erbitterung , welche gegen die spöttische Leichtigkeit sehr abstach , in der er bis dahin gesprochen hatte - aber ich habe es ihr nicht vergessen , daß sie mich gezwungen hat , vor meiner Mutter und meiner Schwester als ein Angeklagter da zu stehen ! Ich habe es ihr nicht vergessen und vergeben , daß sie meine Mutter , die Gräfin Berka , dahin brachte , sich mit einer Bitte vor ihr zu erniedrigen - und sie hat es mir , sie hat es uns allen eben so wenig vergessen und vergeben , daß sie ihre Geständnisse unnöthig und vergebens vor uns abgelegt hat ! Durch Dich und Deine Unschuld hofft sie zu erreichen , hofft sie , uns zu vergelten , was sie sich , was sie uns schuldig zu sein meint ! Daher die große Freundschaft , welche man Dir im Flies ' schen Hause beweist , daher die Annäherung an die Rhodens , mit der sie sich das Ansehen einer gesellschaftlichen Stellung zu geben suchen , die Dich sicher machen soll , daher die lächerliche Deutschthümelei , mit der sie ihr Judenthum maskiren ! Darum mußte der Bastard Deines Vaters , der so gescheit gewesen war , sich aus dem Staube zu machen , zurückberufen und Dir als ein Bewerber um Davide in den Weg gestellt werden ! Auf Deine Unerfahrenheit , auf Deines Vaters Lage ist dabei gebaut ! Ich durchschaue den ganzen Plan , so weit und vorsichtig er auch angelegt ist ; und wie wenig die Meinigen und Dein Vater dies von mir zu fordern haben , ich werde für sie , für Dich , für uns alle handeln ! Die nöthigen Schritte dazu sind bereits gethan ! Man weiß es , daß dieser Tremann unter falschem Namen hier ist , daß er nach allen Seiten Verbindungen hat , die ihn verdächtigen , sein Eintritt in die Geschäfte des alten Wucherers , des Flies , verdächtigt diesen ebenfalls ! Man ist aufmerksam auf alles , was in dem Hause vorgeht . Und da sie sich so geflissentlich in den Vordergrund drängen , da dieser Tremann sich uns so unberufen in den Weg stellt , fühle ich mich , wie ich Dir vorhin sagte , auch berufen , sie mit ihrem neuen Günstlinge sammt und sonders aus dem Wege zu schaffen und unschädlich zu machen ! Dann ist Davide frei , und .... Der Graf hielt plötzlich inne , denn der Diener öffnete einladend die Thüre des Nebenzimmers , in welchem die Mahlzeit den Grafen und seinen Gast erwartete . Als hätten sie bis dahin die heiterste Unterhaltung gepflogen , so leicht und freundlich bot der Oheim seinem Neffen den Arm ; aber Renatus konnte sich nicht überwinden , sich auf ihn zu lehnen , er that als bemerke er es nicht . Zorn , Scham , Empörung und Niedergeschlagenheit wechselten ihre Herrschaft in dem jungen Manne ab und ließen ihn zu keinem festen Gedanken , zu keinen klaren Vorstellungen kommen . Er kannte mit einem Male die Welt nicht wieder , in der er lebte . Sie starrte ihm unheimlich entgegen wie eine liebe , heimisch vertraute Landschaft , welche man plötzlich durch grell gefärbte , entstellende Gläser betrachtet . Er wußte , daß die Mittheilungen , die ihm durch diesen Erzähler aufgedrungen wurden , keine zuverlässigen und keine reinen sein konnten , aber er vermochte nicht zu unterscheiden , was Wirklichkeit , was Täuschung , was unabsichtliche , was geflissentliche Entstellung sei , und nur die Ansicht setzte sich unabweislich in seiner Seele fest , daß sein Vater nicht wohlgethan habe , ihn mit der Flies ' schen Familie in Berührung zu bringen und ihn dadurch mit Personen zusammen zu führen , deren Stand und Gewerbe sie zu vielerlei Nachgiebigkeiten und Läßlichkeiten