sie ? « » In einem Nonnenkloster - wie sich das von selbst für dergleichen Zusammenkünfte paßt . « » In einem Kloster ! « rief Orest stutzend . » Nun ja freilich ! das Institut vom Sacre-Coeur ist ja eine Jesuitenerfindung , um die Frauen aus der großen und vornehmen - und aus der reichen und vornehmseinwollenden Welt in ihre Schlingen zu bekommen . Dies ist vermutlich der Beichtvater von Trinità dei Monti . Dem muß man schon etwas zu Gefallen tun ! .... eine Hand wäscht die andere . « In diesem giftigen Ton , falsche und willkürliche Annahmen als unbestreitbare , anerkannte Wahrheiten hinstellend und ihnen Folgerung und Schluß gebend , welche der Gemeinheit und Bosheit der Erfindung entsprachen - redete Florentin fort und stachelte damit Orest ' s Leidenschaft zur wildesten Eifersucht auf . Als dieser nach seinem Pistolenkästchen griff , sagte Florentin mit einschneidender Parodie : » Vorwärts , vorwärts , Don Orestes - Deine Ehre ist verloren ! Vorwärts , vorwärts , stolzer Cid . « » Noch nicht verloren ! wo find ' ich ihn ! er soll mir Rede stehen ! « sagte Orest mit bebender Stimme . » Um fünf Uhr wird er zu Trinità dei Monti erwartet . Da müssen wir Schildwach stehen , und wenn er kommt « ..... - - » Ihn zwingen , in seinem eigenen Wagen mit mir in die Campagna hinaus zu fahren , und mir mit dem Pistol Rechenschaft zu geben ! « rief Orest . Sie stürmten den Monte Pincio hinauf , durch die tiefe Dunkelheit , die durch spärliche Reverbere mehr hervorgehoben , als eigentlich beleuchtet wurde . Überdas war ein feuchter Nebel in der Luft , der alle Gegenstände umhüllte und die Umrisse verwischte . » Wenn wir nur nicht zu spät ankommen , « sagte Orest , als sie am Ziele waren . Seine Aufregung war so heftig , daß er vom Scheitel bis zur Sohle zitterte , und sich an die Mauer lehnte , um Atem zu schöpfen . » Ruhig , ruhig ! « sagte Florentin ; » es fehlt noch ein Viertel an fünf Uhr . Er entgeht Deiner Rache nicht . « - Draußen das Toben der Hölle , drinnen der Vorschmack des Himmels ! Die Oberin und Corona empfingen Judith mit der Freude , welche auch die Seligen empfinden : Freude über eine gerettete Seele , die dereinst vor dem Throne Gottes in alle Ewigkeit seine Barmherzigkeit preisen und die Kraft des Blutes Jesu verherrlichen wird . Strahlend von dieser Freude , hatte Corona ihre ganze Schönheit und Jugend wiedergefunden . Sie war prächtig gekleidet , in glänzendweiße Seide , umwallt von Spitzen , überrieselt mit funkelnden Diamanten - wie man eben gekleidet zu sein pflegt , wenn man die heilige Ehre hat , ein Taufgelübde auszusprechen , dessen Erfüllung einer unsterblichen Seele zum ewigen Leben verhilft . Hier sprach freilich Judith selbst es aus ; aber gerade dieser Umstand machte die Feier noch rührender . » Die himmlischen Heerscharen schauen frohlockend auf Sie herab - und unsere Regina und Onkel Levin , « sagte Corona , indem sie Judith freudig umarmte ; » heute ist ein großer Festtag da droben . « Neben der ernsten Judith mit ihrer tragischen Schönheit , stand Corona in ihrer zarten Lieblichkeit , wie der Schutzengel , der ein edles Menschenbild umschwebt . Und so sprachen sie auch zusammen : Judith voll tiefer Sehnsucht nach dem Frieden der Erlösung ; Corona aus dem stillen Frieden heraus , den die demütige Kreuztragung verleiht . Da fuhr ein Wagen heran . Beide riefen : » Er kommt ! « » Ha , da kommt er ! « rief auch Orest . » Ich zwing ' ihn gleich , mit mir fortzufahren ! « Er riß die Pistolen aus dem Kasten und stürzte zur Klosterpforte . Der Wagen hielt , Hyazinth sprang heraus und Orest ihm entgegen , indem er rief : » Nicht herein ! fort mit mir ! auf der Stelle fort . « Als Hyazinth die Stimme seines Bruders erkannte , glaubte er , daß dieser Judiths Taufe verhindern wolle , und ahnungslos über dessen eigentliche Absicht , stieß er ihn mit eisernem Arm zurück und wollte der Pforte zuspringen , welche eben von inwendig aufgeschlossen wurde . Als Orest das hörte und nun fürchtete , sein Todfeind werde ihm feig entfliehen , warf er sich ihm in den Weg , und mit dem wütenden Aufschrei : » So stirb , Du Elender ! « drückte er die Pistole auf ihn ab . Hyazinth sank zu Boden und seufzte : » Jesus Maria ! « In demselben Augenblick rief Lelio : » Graf Orest , es ist Ihr Bruder ! « Und da die erschreckte Pförtnerin nicht öffnete , setzte er hinzu laut rufend : » Licht ! um Gottes Barmherzigkeit ! Licht ! « Sie öffnete . Der volle Strahl ihres Lichtes fiel auf Hyazinth , der lang ausgestreckt am Boden lag . » Hyazinth ! Hyazinth ! « schrie Orest mit heiserer Stimme und irrem Blick . » Er ist tot ! « sagte Lelio , der neben dem Entseelten kniete . » Hyazinth .... vergib mir .... mein Gott ! « stammelte Orest , setzte die Pistole in den Mund , drückte ab und sank zur Erde . Dies alles fiel mit furchtbarer Geschwindigkeit in ein paar Minuten vor . Die Oberin erschien voll Entsetzen an der Pforte , als eben Lelio mit Hilfe des Kutschers Hyazinth hineintrug . Die Kugel hatte ihn mitten durch ' s Herz getroffen , und ohne Kampf , fast ohne Schmerz hatte er sein Leben ausgehaucht . Der milde Ernst , der seinem Antlitz einen so engelhaften Ausdruck gab , ruhte in der vollen Majestät eines unerschütterlichen Friedens auf seiner marmorweißen Stirn . Dann wurde Orest gebracht . Der Unglückselige lebte , aber die gräßliche Verwundung machte ihn fast besinnungslos vor Schmerz . Er konnte nur wimmern , sprechen nicht