, sicher nur infolge angeborener Kleptomanie , ein Packet Spitzen escamotirte . Moritz bemerkte den Schrecken , der auf den Gesichtszügen des Herrn von Binnenthal immermehr platzzugreifen anfing ... Diese so interessanten Bekanntschaften wuchsen immermehr ... Bernhard ' s neue Existenz strahlte im Lichte der edelsten Gastlichkeit . Man hatte im ersten flüggen Drange des Bestrebens , ein Haus zu machen , jeder persönlichen Berührung , selbst einer Frage am Cursaal zu Baden-Baden , ob diese oder jene Pièce nicht von Beethoven wäre ? und der Antwort der Nachbarin ( zufällig Meta Carstens , die mit Bruder und Schwester ihre zweijährliche Ferienreise machte ) : » Jewoll ! 1 ) Die C-Moll-Symphonie ! « - dann bei einer Kritik des Fünf-Uhr-Diners ( hamburger beibehaltene alte Gewohnheit ) und der Bewunderung der aufgetragen gewesenen Erbsen ( die sie rühmende war Sophie Carstens ) eine Ausdehnung zur Einladung , auf der Rückreise das Enneper Thal zu besuchen , gegeben . Frau Bettina liebte die Natur , die Musik , die schönen Künste und sogar die Freundschaften noch ebenso , wie Bernhard bereits nur noch die Livreen , die Pferde , die Hunde und die großen Namen liebte . Nach den Honigmonaten klärt sich das . Jetzt ist die Gärung noch etwas bunt . Zu dem Commis mit fünf Jahren Correction , zu dem bankrotten Rentier und seiner neuen Gattin , dem weiblichen Vidocq , zu den Ladies , die die Töchter eines Porterbierbrauers in London waren , kam Nikolaus Carstens , seinerseits höchst unschuldigerweise hier ein großer Exporteur genannt , theilweise jedoch mit größerm Rechte als Münzenkenner und halber Gelehrter gefeiert . Er bedurfte der ganzen Würde , die ihm seine weiße , große , in der Hitze nicht eben kühlende Halsbinde gab , um die Aeußerungen seiner Schwestern über eine gewisse von ihnen bewohnte Villa vor dem Dammthorwalle mit Besonnenheit zu unterstützen . Wir bedauern nicht verweilen zu dürfen bei der Anmuth der Wirthin , die ganz wie ein verkörperter Tropfen vom heutigen Frühthau noch nachblinkte . Sie einen Diamanten zu nennen , deren sie einige Dutzende auf Brust und Händen trug , wäre zu kalt von uns . Sie ist das Leben selbst , der Frühling , der lachende , die Sonne , die glühende . Wie ist das im Glück geboren und erzogen ! Sie hat soeben bei dem Wandeln hinaus auf den nun heute zu ihrer kindlichsten Freude erworbenen halbwüsten Acker und Weinberg , dessen Höhe jedoch das schönste Panorama bot , eines der kostbaren Bänder , die sie auf dem schönsten Arme von der Welt trug , verloren - Moritz tadelte gleich , daß sie deren zu viel trug und nannte es ein gefährliches Unterbinden der Pulsadern - beim Zeigen und Bewundernlassen dieser Armringe war einer von ihnen verloren gegangen ... eben kam der Verlust zur Sprache ... eben bei der Debatte über das Verhältniß irgendeines neuen wiener Componisten zu Beethoven , einer Zusammenstellung , über deren Ketzerei Meta Carstens vor Aufregung fast plattdeutsch sprach und dabei Brillanten und Rheinkiesel in geistvolle Vergleichung brachte ... Nun allgemeine Bewegung ; aber die junge Frau sagt : Bitte ! bitte ! Lassen Sie doch nur ! ... Die Bediente springen ... Terschka ist schon überall ... Bernhard bittet um alles in der Welt , den Fall leicht zu nehmen ... Bettina nimmt den Fall wirklich schon leicht ... Man kehrt unverrichteter Sache zurück , das Armband ist nicht zu finden ... Und jetzt kommt es erst heraus , daß es das schönste war , dasselbe , das Frau von Guthmann so lange bewundert hatte ... Moritz fixirt Herrn von Binnenthal ... aber ein Graf Dammhirsch - wirklich das einer von sechzehn Ahnen , aber blos Traineur und Besitzer von zwei alten magern , schnellfüßigen , ihn ernährenden Stuten - verbürgt die Ehrlichkeit der Gegend ... Doch die Masse der Spazierfahrer und Ueberlandgänger ! ... Enfin tranchons le mot ! ruft Bernhard . Tranchons le rostbeaf ! sagt Moritz , mit Anspielung darauf , daß man auch allenfalls Hunger haben könnte ... Das Ding kostete mindestens sechzig Friedrichsdor ! flüsterte er ; aber Bettina sprach schon wieder von Musik und vertheidigte den neuen Componisten und bewunderte Thalberg ' s Tremolo . Die Stimmung war allerdings ein wenig gedrückter geworden und nur die Naivetät der Engländerinnen belebte sie wieder durch ihr Entzücken über die Gegend . Bernhard sah sich nun nach Seligmann um , den er aus dem Garten verwiesen hatte , ja sogar von der Eingangspforte der Villa weg , wo der gute Vetter sich nützlich zu machen den Einfall bekam und den Schlag der Wägen öffnete , wenn die Bediente nicht sogleich zugegen waren . Jetzt hätte der nach dem Armband suchen können . Er bereute fast , vor einer Viertelstunde zu ihm gesagt zu haben : Seligmann ! Ich werde Ihnen doch einen Hut mit Tressen geben , ein Bandelier und einen Stock , wenn Sie durchaus hier den Portier machen wollen ! Man konnte nicht leugnen , Seligmann trug die Farbe seines Stammes in seltener Treue . Dazu kam seine unendliche Glückseligkeit , die unverkennbare , fast verwandtschaftliche Freude , andere im Augenblicke gleichfalls so glückliche Menschen hier begrüßen und aus dem Wagen helfen zu können mit seinen allerdings schon etwas von der Hitze stark mitgenommenen gelbseidenen Handschuhen . Indessen hatte er sein Vergehen vollständig eingesehen und da die gute Regine mit der Unterstützung des Koches noch ausschließlich zu thun hatte und ihm selbst der Duft von Speisen , die ihm noch so lange vorenthalten bleiben sollten , doch ein zu lebhaftes Andringen zu seinen Geruchsorganen verursachte , so zog er es vor , einstweilen noch und da leichte Wolken die heiße Sonne zu bedecken anfingen , die Villa zu verlassen und noch ein wenig auf Drusenheim zuzuspazieren , zu sehen vielleicht , ob Stephan Lengenich bei seinem Bruder Speck , Klöße und Birnen aß . Eben das eiserne Thorgatter der Besitzung auf das sanfteste zurücklehnend hörte er Säbelklappern und traute seinen Augen nicht , den Major