» Es ist kein Zweifel , « entgegnete Graf Fohrbach nach einer längeren Pause ; » es mußte dieselbe Person sein . - Aber haben Sie je eine so furchtbare Geschichte erlebt ? - Was kann und wird Alles daraus entstehen ? Denken Sie sich den Skandal , wenn dieser Mann , der in der Gesellschaft nach allen Richtungen seine Verbindungen angeknüpft hat , plötzlich von der Hand des Gerichtes erfaßt wird ! - Das muß in unseren Kreisen Verletzungen zurücklassen , die schwer zu heilen oder zu verwischen sind . Aber vor allen Dingen , lieber Arthur , denken Sie ja daran , was Sie mir vorhin versprochen - die tiefste Verschwiegenheit über Alles , was ich Ihnen mitgetheilt . Wenn wir je zu einem Ziele gelangen können , so ist das nur möglich , wenn wir mit der größten Behutsamkeit vorgehen . Man darf darüber nicht athmen . « » Gewiß nicht , Graf Fohrbach ; und Sie werden das von mir überzeugt sein . « » Das wissen Sie ja , lieber Arthur ; sonst hätte ich Ihnen nicht das Ganze so ohne allen Rückhalt anvertraut . - Sie gehen nach Hause ? « » Ja , ich muß . - Und Sie ? « » Ich werde noch einen Besuch machen . - Aber lassen Sie sich ja bald bei mir sehen . « » Schon morgen . Wie Sie wissen , hatte Seine Excellenz der Herr Kriegsminister die Gnade , mich zu Spiel und Thee einladen zu lassen . « » Richtig ! da sehen wir uns ja . - Also , gute Nacht ! « » Gute Nacht ! « Damit trennten sich die beiden Freunde ; Arthur ging links , der Graf nach rechts gegen die Polizeidirektion hin , in deren Nähe er seinen Wagen warten ließ . Wie wir wissen , war es bereits vollkommen dunkel geworden , doch brannten überall die Gaslaternen ; und namentlich hier , wo es viele Laden und Magazine gab , war die Straße fast taghell beleuchtet . Graf Fohrbach ging gedankenvoll seines Weges und sah nur zuweilen in die Höhe , um einen Blick in die hellerleuchteten Gewölbe zu werfen oder um hie und da Jemand auszuweichen . So kam er in die Nähe der Polizeidirektion , als zu seiner Rechten aus einer engen Gasse , die an der Seite dieses großen Hauses bei den Hintergebäuden und Gärten desselben vorbeilief und in eine andere Straße mündete , zwei Männer hervortraten , bei deren Anblick er plötzlich seinen raschen Schritt mäßigte , ja in der nächsten Sekunde wie angefesselt stehen blieb . - Der Eine dieser beiden Männer war der Baron Brand . Ja , er konnte sich nicht täuschen : es war sein Gang , seine Haltung , seine ganze Figur . - Und auch die Stimme ; denn jetzt sprach er einige Worte zu dem Anderen , der neben ihm ging . Dieser war aber ein Polizei-Kommissär in voller Uniform . Der Graf war so überzeugt , den Baron zu erkennen , daß er ihn zu jeder anderen Zeit angerufen hätte . Und jetzt - nein , da war keine Täuschung möglich - jetzt war er sicher , daß dies auch derselbe Mann sei , den er in jener Nacht aus dem Fuchsbau hatte heraus kommen sehen . Die Beiden gingen unterdessen im gewöhnlichen Schritte dahin und hatten bald die Thüre der Polizeidirektion erreicht . Dort blieben sie stehen ; der Mann im Mantel reichte dem Anderen die Hand , worauf der Kommissär eine tiefe Verbeugung machte und dann an der Treppe stehen blieb , jenem nachblickend , welcher in eine Seitenstraße einbog und verschwand . » Heute wäre es eine günstige Gelegenheit , ihm zu folgen , « dachte Graf Fohrbach , indem er rasch vorwärts eilte . » Es ist noch eine ziemlich frühe Stunde ; ich rufe seinen Namen , und da wollen wir sehen , ob er anhält und mir Rede steht . « - Doch kam ihm im nächsten Augenblicke ein anderer und , wie er glaubte , besserer Gedanke . Er hatte mit zwei Schritten die Treppe der Polizeidirektion erreicht , welche der Kommissär soeben langsam hinauf stieg . Graf Fohrbach bot ihm laut einen guten Abend . Der Beamte wandte sich plötzlich um , und als er beim hellen Lichte der Gaslaterne den Adjutanten Seiner Majestät erkannte , machte er schon auf der obersten Stufe eine tiefe Verbeugung und stieg eilig und mit großer Höflichkeit die Treppen herab , da er wohl bemerkte , daß ihn der Graf erwartete . » Euer Erlaucht haben irgend einen Befehl für mich ? « fragte er verbindlich . » Das nicht , Herr Kommissär , « erwiderte der Adjutant . » Würde mir das auch nicht erlauben ; doch wenn Sie mir eine Frage beantworten könnten , wäre ich Ihnen sehr dankbar dafür . « » Mit dem größten Vergnügen . « » Wer war jener Herr , der eben mit Ihnen ging und Sie vor wenigen Augenblicken verließ ? « Der Polizei-Kommissär rieb sich die Hände und lächelte pfiffig , worauf er sagte : » Das ist eigentlich eine Art Dienstgeheimniß , welches aber Euer Erlaucht mitzutheilen ich mich nicht zu geniren brauche . Jener Herr , der im Mantel , - ich gebe Euer Erlaucht mein Ehrenwort , daß ich seinen Namen nicht einmal weiß , - aber unter uns gesagt , « - damit hielt er die rechte Hand an eine Seite des Mundes und flüsterte dem Grafen in ' s Ohr : » Er ist einer der Sekretäre Seiner Excellenz des Herrn Präsidenten , und gehört zur geheimen Polizei . « » Zur geheimen Polizei ? « sprach der Graf im Tone des höchsten Erstaunens . » Es ist so , Euer Erlaucht . - Aber nicht wahr , das bleibt ganz unter uns ? « Einundsechzigstes Kapitel . Die Soirée des Kriegsministers . Wenn bei Seiner Excellenz dem Kriegsminister große Soiréen stattfanden , was im Laufe