Angebereien der Subalternen und ihren Ersparnissen in der Verwaltung ihres » Ressorts « sprachen , heute wahrhaft erschöpften , um seine Gemahlin heiter zu stimmen und zu versöhnen , diente nur dazu , in ihr Gemüth Stacheln und Dornen zu drücken . Sie sah da ja , daß so Vieles sich ereignete , was ohne sie Bestand hatte , ohne sie sich angelegt hatte und historisch entwickelte ! Ernst und Franz hätten ihr nach Tisch beinahe auch einen unerwarteten Ärger bereitet . Denn eben wollte sie sich vor ihrer Toilette noch im grünen Boudoir ein wenig durch leichten Schlummer stärken , als diese beide an sie herantraten und um die Erlaubniß baten , heute Nacht den großen Fortunaball mitmachen zu dürfen . Sie schmähte sehr gegen diese Vergnügungssucht ihrer Leute , tadelte den Ort , wo man Bediente ihrer Stellung nicht antreffen sollte und konnte sich erst für halb und halb einverstanden erklären , als Franz mit schlauer Miene sagte : Excellenz , es wird ein großer Ball . Tausend Billets sind verkauft . Man macht Bekanntschaften . Die Wandstabler ' s kommen auch ... Schon oft hatten die Leute der Geheimräthin von diesen drei Geschwistern Wandstablers erzählt , die sich auf den Volksbällen für die Zurückhaltung schadlos hielten , die sie bei aller Freiheit doch im Hotel des Fürsten von Hohenberg beobachten mußten . Auf diese Erinnerung hin , sagte Pauline von Harder , wolle sie den Abend noch einmal auf die Sache zurückkommen ... Damit legte sie sich ein wenig zur Ruhe , ohne indessen wahre Stärkung in einem kurzen Schlafe zu finden . Sie träumte zu lebhaft . Nadasdi , der Held ihres unglücklichen Romans , erschien ihr in dem verhängnißvollen Schlafrock , in dem dieser weichherzige Magyar soviel Thränen vergossen haben sollte ! Jedesmal , wenn ein großes Ereigniß sie beschäftigte , erschien ihr Nadasdi in seinem Schlafrock ... Sie nahm ein kleines homöopathisches Streukügelchen zur Beruhigung und war froh , daß sie auch für den Abend Herrn Sanitätsrath Drommeldey geladen hatte ... Sie bedurfte , wenn Schlurck nicht etwas sehr Entscheidendes brachte , wirklich der ärztlichen Berathung . Gegen sechs Uhr begann dann die Toilette und heute gewählter , als seit lange ... Während die Ludmer die oberen Salons hatte öffnen , mit frischen Blumen garniren lassen , die Kerzen auf den Kronleuchtern untersuchen , vervollständigen , die Wandlampen schon am hellen Tage zur Probe anbrennen ließ , nebenbei den Thee , das Eis und die Confitüren nach der Ordnung des Servirens angab , die ihr für heute die zweckmäßigere schien , schmückte sich die Geheimräthin mit den frischesten Farben . Sie wählte heute einen leichten Seidenstoff , weiß und roth gestreift . Ihrem stolzen Semiramishaupte gab sie etwas von ihrer eigenen und Heinrichson ' s Erfindung , eine Art biblischen Turbans , wie man sich etwa Rebecka denken mochte bei Eliezer ' s Gruße am Brunnen . Dies weiße Kashemirgewinde , stolz und frei getragen , stand ihr gar stattlich . Das eine Ende des Bundes , mit goldenen Fransen , hing schwer über die rechte Schulter herab , die natürlich , wie die ganze Büste , sehr stark weiß geschminkt wurde , um durch eine große umständliche » Florgeschichte « , die wiederum ganz patriarchalisch , jedoch mehr im Stile der Hagar , als sie mit Ismael in die Wüste zog , um Nacken und Hals geschlungen wurde , blendend hindurchzuschimmern . Die magern Arme hatten sich derselben Prozedur des Puderns zu unterwerfen . Sie waren , ein seltenes Wagniß , heute ganz frei und wurden mit den schwersten Armbändern behängt . Wenn sie mit einer leichten , wellenförmig gerundeten Bewegung des rechten Oberarmes ganz wie in Gedanken einmal an das hängende Ende ihres Turbans fuhr und die goldenen Troddeln , schwerer wiegend , hin- und herschwankten , so gab das einen ganz hübschen Effect , den der elegante Maler Heinrichson oft bewundert und erklärt hatte , ihn sich für ein Bild zu merken , das er noch einst von dem Antonius und der Cleopatra malen wollte . In dieser Tracht , die ihr wirklich viele » Frais « verursachte , nämlich die Mühe der Überlegung und die moralische Mühe einer ihr gar nicht mehr » geläufigen « Eitelkeit , stieg denn gegen sieben Uhr Frau von Harder in ihre oberen Zimmer ... Sie durchmusterte sie und fand sie noch nicht gelüftet genug . Es war ihr heiß in dem sommerlichen Abend geworden . Der Maraboutfächer mußte die Glut ihrer Stirn kühlen , die leider zu roth , zu roth , ach zu roth war ... Sie haßte eigentlich diese oberen Appartements , der Überzahl ihrer Spiegel wegen . Welche Verschwendung , sagte sie oft , an dieser verleumderischen indiscreten Composition ! Und noch an jedem Spiegel waren zwei Wandleuchter und jeder Wandleuchter mit mindestens drei Kerzen angebohrt ! Aber sie mußte diese Zimmer und nicht den Gartensalon wählen ; denn hier nur gab es Nischen zu traulichem Zwiegespräch , zeltartig drapirte Alkoven mit Tapetenthüren zu kleinen Cabineten mit Divans , die unter Blumen versteckt waren . In einem dieser Zelte , das später von einer herabhängenden Ampel matt erleuchtet werden konnte , prüfte sie , wie wol ihr Anzug gegen den Hintergrund abstechen würde ... Pauline war geschmackvoll von Natur und nur durch ihre üppige Phantasie manchmal etwas zu überladen . Aber darin zeigte sie sich als Virtuosin , daß sie niemals in großer Gesellschaft erschien , ohne nicht ihre Toilette nach dem Farbenton der Zimmer einzurichten , in welchen sie erscheinen sollte . Sie besann sich regelmäßig , wenn sie eingeladen war , in welchem Zimmer die Gesellschaft sie begrüßen würde und wählte darnach die Farbe ihrer Kleider . Es war ihr schon geschehen , daß sie bei der Trompetta , die einmal nach Vollendung eines Albums , das sie für arme Überschwemmte herausgegeben hatte , alle Dichter einlud , deren Beiträge das Album füllten , ein neues wunderschönes grünes Kleid nur unter der Bedingung anzog , daß sie der Trompetta