wenn ich sie sehe , habe ich keinen andern Gedanken , als nur sie , nur ihren Besitz ! ... Wenn sie lächelt , wie unendlich liebreizend ist sie dann ! Wenn sie spricht , wie scherzen alle Grazien um die Liebliche , Anbetungswürdige ! - O es ist seliger Genuß , um sie zu sein , aber auch Höllenqual , in ihrem Blick sich sonnen und diese Wunderaugen nicht küssen zu dürfen ! - - Nicht lieben können . - Welch Mädchen von ihrem Alter , mit solchem Körper begabt , fühlte nicht die Regungen der Liebe in der Nähe eines Mannes , der sie anbetet ! - Aber gewiß , Bianca liebt mich , muß mich lieben , nur mag sie es mir nicht gestehen ! - Sie ist klug und will sich gesichert sehen , ehe sie meine Leidenschaft erwiedert ! Sie wird an Magnus und Herta denken - und den Sohn gleicher Handlungen für fähig halten ! ... O Gott , o Gott ! ... Aber das ist vorüber , längst vorüber ! Hinunter , feuchter Schatten , in Dein Grab ! Bianca lebt , ich liebe Bianca und sie muß mein sein , und sollte ich ein Verbrechen begehen . « Mit fest an die Stirn gedrückten Fäusten blieb Adrian mitten im Zimmer stehen , so daß der Spiegel seine ganze Gestalt zurückwarf . Sein Blick erfaßte das Spiegelbild und er schrak zusammen . » Ha , bin ich bleich und verfallen ! « sagte er niedergeschlagen . » Ich werde von Tage zu Tage elender , ich fühl ' es , aber ich kann sie nicht aus den Gedanken bringen ! ... Wenn nur die Nächte nicht wären - diese qualvollen , endlosen Nächte ! ... Oder wenn nur ihr holdes Bild mich umschwebte und mir nur einmal des Nachts die schmachtende Lippe mit dem Hauche ihres Göttermundes kühlte ! ... Aber jenes Schattenbild , jenes elende Geschöpf , das ich verachte , es verdrängt immer dies Kind des Himmels und erstickt mich mit seinen kalten Umarmungen ! « Vom See herüber erklang jetzt ein lautes schrilles Pfeifen , dem ein matteres , dem Echo ähnliches , antwortete . Adrian in seine Gedanken vertieft achtete nicht darauf . » Ich muß sie zu versöhnen suchen , « fuhr er fort , » denn ich fürchte , daß ich sie wirklich beleidigt habe . - Sie ist gut , ein unschuldiges , liebes Kind - sie wird mir vergeben und mir gewiß wieder Gesellschaft leisten ! ... Ich aber will mich mäßigen , alle meine Gefühle verbergen und mich erst ihrer Neigung versichern , bevor ich sie mit neuen Liebesanträgen bestürme ! ... Könnte ich nur auch der Leidenschaft gebieten , sich in keinem Blick , in keiner Bewegung zu verrathen ! « Ein zweites Pfeifen , diesmal um Vieles näher , machte die Fensterscheiben schrillen . Adrian schien auch dieses nicht zu hören , denn er zündete mit zitternder Hand ein Licht an und schritt nach der Thür . » Wenn ich mich schon jetzt als ein Reuiger bei ihr melde , « sprach er , » dann wird sie mir um so lieber vergeben , weil ihr dies ein Beweis von meiner Gutmüthigkeit und Nachgiebigkeit sein muß ! Schmollt sie aber dennoch , dann werde ich sie morgen durch ein kostbares Geschenk zur Vergebung zwingen . Reichen Gaben hat noch kein Mädchen widerstanden . Gutes Glück , das Du mir so lange treu geblieben bist , verlasse mich auch ferner nicht ! « So sprechend verließ Adrian sein Wohnzimmer und ging mit unhörbaren Schritten bis zu Bianca ' s Thür . Er horchte eine Zeit lang , ob er Geräusch in dem Zimmer vernehme , da sich aber kein Laut hören ließ , klopfte er leise an die Thür . Nichts regte sich , selbst nach mehrmaligem Klopfen blieb Alles still . Nun wagte Adrian , Bianca ' s Namen zu flüstern und um Einlaß zu bitten . Allein auch darauf erhielt er keine Antwort und seufzend sah er sich genöthigt , den Rückzug auzutreten . » Sie muß schon zur Ruhe gegangen sein , « sagte er sich selbst beruhigend . » Ich werde ihrem Beispiele folgen und von ihrem entzückenden Engelslächeln träumen . « Bianca schlief aber nicht . Sie hatte die schlürfenden Schritte des herzlosen Mannes wohl vernommen und mit Entzücken sein Bitten und Seufzen gehört . Die Uhr schlug elf , kurz nachdem Adrian ihre Thür wieder verlassen hatte . Sie bereitete sich nunmehr auf das nächtliche Rachewerk vor , das sie sich ersonnen . Den reizenden Schmuck der Abendtoilette abwerfend , legte sie ein verschossenes leichtes Kattunkleid an , das sie zum Andenken an ihre unglückliche Schwester aus deren Nachlaß behalten hatte . Dann löste sie ihr reiches langes Haar , feuchtete es ein wenig mit Wasser an und wirrte es durch einander , daß es verworren und ungleich ihre ganze Gestalt bis weit über die Hüften herab umfloß . Das todtenbleiche Mädchen sah in diesem verwilderten Anzuge eben so schön als furchtbar aus . Ihr dunkles Auge blitzte vor Lust nach Rache , die stolzen Lippen öffneten sich und ließen beide Reihen ihrer tadellosen Zähne sehen . Ueber eine halbe Stunde ging Bianca unruhig , aber so behutsam , daß Niemand ihre Schritte hören konnte , im Zimmer auf und nieder . Manchmal blieb sie auch stehen und warf einen Blick in den Spiegel , worauf sie wild die feuchten Locken schüttelte und ihre Wanderung durch ' s Zimmer fortsetzte . Nun sah sie nach der Uhr , und da sich kein Laut im ganzen Hause regte , eilte sie ohne Licht durch die ihr bekannte Reihe der Gemächer bis an Adrian ' s Zimmer . Sie öffnete es behutsam und fand es leer , ohne Licht . Die Thür zum Schlafzimmer war nur angelehnt . Dahin schlich sie , lauschte , lauschte lange und hörte , daß Adrian in unruhigem Schlafe röchelte . Wie ein erzürnter