auf Reginald zu benutzen , um ihn für die Vortheile dieser Stellung empfänglich zu machen . Aber ich fand ihn unerschütterlich . Das Andenken an seine gekränkte Mutter vertrat jeden Weg der Versöhnung mit seinem Vater , an den er zwar ohne Haß dachte ; aber sich doch völlig unfähig fühlte , in ein kindliches Verhältniß zu ihm zu treten . « » Ueberdies war er verheirathet - er durfte Nichts mehr hoffen , und er verachtete Rang und Stand , der zu so vielen Verbrechen Anlaß gegeben , mit einer fast an Haß grenzenden Bitterkeit . « » Gleich nach der geräuschlosen Hochzeit folgten sie mir nach Schottland , welches Herr Lester lebhaft wünschte , da die geforderte Luftveränderung noch immer verschoben worden war ; und bei mir , in Leithmorins Bergen , in den grünen Thälern mit ihren zahllosen Quellen erfrischte sich die Lebenskraft unseres theuren Freundes . Dessen ungeachtet führte ihn sein Pflichtgefühl zu Herrn Lester zurück ; denn er errieth die immer verhehlten Wünsche seines liebevollen Weibes , die nur mit Sorge den alternden Vater allein wußte ; auch brachte Reginald in Wahrheit bessere Lebenskräfte mit und überhob seine Familie für einige Jahre der Sorge für sein Leben . Er bereitete sich in dieser Zeit vor , einen Ankauf in England zu machen , der ihm eine würdige Thätigkeit sicherte , als der plötzliche Tod seines Schwiegervaters und die erneueten Nachforschungen des Grafen Leonin ihn diesen Plan aufgeben ließen , und seine Freundschaft für mich ihn bestimmte , sich nach Schottland zurückzuziehen . « » Hier lebte er bis zu seinem Ende in der innigsten Gemeinschaft mit meiner Familie und theilte seine Zeit in die Kultur seines kleinen Gutes und die Erziehung seiner einzigen Tochter - unserer Elmerice ! « » Doch erwachte nach der ersten Vernarbung seiner schweren Seelenwunden eine tiefe Sehnsucht nach dem schönen Frankreich , seinem berühmten Vaterlande , in ihm ; und es gehörte sein festes Abschließen mit dem Leben dazu , um ihn davon entfernt zu halten . Als er aber seine Kräfte sinken sah und sich selbst nur zu richtig ein frühes Ende prophezeihte , erwachte ein Gedanke in ihm , der seine letzten Jahre erheiterte - Ihnen nach seinem Tode seine Tochter und Gemahlin als ein Vermächtniß zu übersenden , und Elmerice auf dem Boden einheimisch werden zu sehen , den er dennoch am liebsten sein Vaterland nannte - und durch Sie das theuerste Andenken seines Lebens ! « » Was hätte Margarith nicht in ihrem edeln , von ihr angebeteten Gatten verstanden ? Wo wäre ihr Antheil je ausgeblieben , wenn er ihn zu erwecken suchte ? Die Erziehung Elmerice ' s nahm von da an diese vorbereitende Wendung , und sie ward in Schottland schon eine Bürgerin Frankreichs . « » Doch eben so fest suchte er zu der damaligen Zeit alle Bestimmungen so zu ordnen , daß Elmerice über das eigentliche Schicksal ihres Vaters stets in Ungewißheit bliebe und ihrer Familie auf immer entzogen . Wir Alle waren durch die heiligsten Eide gebunden , dies von ihr abzuhalten . Ein Brief an Sie , theure Gräfin , flehte Sie um dieselbe Zusage an ; denn er fühlte eine Art eifersüchtigen Zürnens , wenn er sich das herrliche Kind , auf das er mit Stolz und Entzücken blickte , in den Händen einer Familie dachte , die vielleicht mit zweifelnder Miene auf ihre Vorzüge sehen und ihnen die volle Berechtigung weigern könnte . « » Ein späteres Ereigniß jedoch , das ich Ihnen zu einer anderen Zeit mittheilen werde , veränderte in etwas diese hartnäckigen Bestimmungen ; - sie sollten nur so lange Geltung behalten , als das Lebensglück dieses geliebten Kindes nicht wesentlich darunter litte . Ich bekam Erlaubniß , seiner Tochter in Jahresfrist nach Frankreich zu folgen , selbst die Verhältnisse zu prüfen , in die sie alsdann getreten sein würde und den Umständen gemäß nachgiebig zu sein , oder das Geheimniß über ihre Geburt fortbestehen zu lassen , wenn die Lage der Sache sich seinen Anforderungen nicht entsprechend zeigte . « » So war die Reise hierher ein alter Beschluß , ein Versprechen sogar ; aber sie ward durch die Nachrichten , die Marie Duncan von Elmerice erhielt , beschleunigt . Um mit dem geliebten Kinde im sicheren Zusammenhange zu bleiben , hatte ich in beiden Mädchen die Idee erregt , für einander eine Art Tagebuch zu schreiben , und bei der Liebe , die Elmerice zu mir hatte , ward es mir nicht schwer , die Erlaubniß der Theilnahme an demselben zu erhalten . Ich schrieb selbst in dem Tagebuche meiner Tochter - und Elmerice beantwortete dies ; ungesucht erfuhr , ich so , was ihr begegnete , und behielt eine Uebersicht , die mich leiten mußte , wenn ich früher , als das Jahr abgelaufen war , es nöthig finden sollte , meine Reise anzutreten . Dies schien mir jetzt der Fall , seitdem sie durch eine jener wunderbaren Fügungen , die wir uns vielleicht sehr mit Unrecht gewöhnt haben , Zufälligkeiten zu nennen , zu dem eigentlichen Brütheerde ihres Schicksals gelangt ist ! Emmy Gray , die , wie eine Nemesis über ihrer Rache wachend , das gekränkte Leben zu erhalten wußte , hat sogleich den verwandten Zug mit Fennimor Lester erkannt , ihr deshalb Liebe und Vertrauen geschenkt , ihre Ahnungen in ihr niedergelegt und sie mit dem harten Schicksale ihrer Großmutter und ihres Vaters bekannt gemacht . Von da an zeigen die Briefe des armen Kindes eine tiefe Schwermuth , die sie dem Leben absterben läßt ; denn sie will die Vorzüge der Geburt , die ihr bei der Aufdeckung ihrer Rechte zustehen würden , niemals gelten lassen , da sich so viele Verbrechen an deren Raub knüpfen . Ja , sie fürchtet vor Allem , das Andenken ihres Vaters zu beleidigen , wenn sie das zu besitzen trachtete , was er nicht zu besitzen vermochte . « - » O meine Elmerice , « unterbrach hier Franziska d